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28. Dezember 2023

Blog

Der Beissreflex des Bauernverbandes

Die Nitratbelastung im Grundwasser und die Überdüngung vieler Schweizer Seen ist ein Verstoss gegen das Gewässerschutzgesetz. Während viele Landwirtinnen und Landwirte dieses Problem anerkennen und Lösungen suchen, übt sich der Schweizerische Bauernverband in Fundamentalopposition. Nach 30 Jahren wäre es Zeit für einen Paradigmenwechsel.

Gem√§ss Artikel 6 des Gew√§sserschutzgesetztes (GschG) ist es ¬ęuntersagt, Stoffe, die Wasser verunreinigen k√∂nnen, mittelbar oder unmittelbar in ein Gew√§sser einzubringen oder sie versickern zu lassen¬Ľ. Trotzdem ist im landwirtschaftlich intensiv genutzten Mittelland das Grundwasser grossfl√§chig mit Nitrat belastet. In Gebieten, in denen √ľberwiegend Acker- oder Gem√ľsebau betrieben wird, wird der Grenzwert f√ľr Nitrat im Grundwasser an 50 Prozent der Messstellen √ľberschritten, wie das BAFU in seinem Bericht zum Zustand der Gew√§sser in der Schweiz schreibt. Der Bericht h√§lt weiter fest, dass diese Belastung auf die intensive Landwirtschaft zur√ľckzuf√ľhren ist. Die Nitrateintr√§ge sind ein klarer Verstoss gegen das GschG, das in allen anderen Branchen den Vollzug auf den Plan rufen und Sanktionen zeitigen w√ľrde. Das Schweizer Fernsehen SRF hat zu dieser Problemstellung eine DOK-Sendung ausgestrahlt und in der Sendung 10 vor 10 ebenfalls dar√ľber berichtet. Darin wurde aufgezeigt, wie die aus der Tierhaltung entstehende G√ľlle zur √úberd√ľngung des Baldegger-, Sempacher-, und Hallwilersees beitr√§gt. Damit verstosse der Kanton Luzern seit 30 Jahren gegen das Gew√§sserschutzgesetz, wie es in der Sendung weiter heisst. Es ist bezeichnend, wie der Schweizerische Bauernverband (SBV) auf die Ausstrahlung reagiert hat: Die Berichterstattung sei nicht ausgewogen und man werde eine Beschwerde einreichen. Das entspricht dem bekannten Verhalten des SBV. Anstatt offensichtliche Probleme anzuerkennen, wird beklagt, man w√ľrde die positiven Entwicklungen in der Schweizer Landwirtschaft nicht gen√ľgend w√ľrdigen. Diese Verweigerungshaltung ist mit ein Grund, warum wir trotz Subventionsprogrammen und Sensibilisierungskampagnen seit 30 Jahren keinen R√ľckgang der Nitratwerte im Grundwasser sehen. Jeglicher Versuch, die Problematik auf Gesetzesebene in den Griff zu bekommen, wird vom SBV konsequent bek√§mpft. So hat die b√ľrgerliche Mehrheit diesen Sommer erfolgreich eine Senkung des Absenkpfades f√ľr N√§hrstoffverluste im Parlament durchgebracht. Das wenig ambitionierte Ziel einer Senkung der Verluste um 20 Prozent, wurde daraufhin auf 15 Prozent reduziert.

Diese Fundamentalopposition des SBV entspricht nicht der Haltung vieler seiner Mitglieder. Die Wasserversorger in der Schweiz sind im direkten Kontakt mit Landwirtinnen und Landwirten. Nicht selten sind die Betreiber der Versorgung selbst in der Landwirtschaft t√§tig. Von dieser Seite wird das Problem anerkannt und versucht, gemeinsam L√∂sungen zu finden. Kein Landwirt und keine Landwirtin will die Natur verschmutzen oder sch√§digen, denn letztlich leben sie von und mit ihr. Es w√§re zu w√ľnschen, wenn sich auch der SBV an dieser konstruktiven Zusammenarbeit beteiligen und Hand f√ľr L√∂sungen bieten w√ľrde. Dazu m√ľssten die Vertreter der vielleicht m√§chtigsten Lobbyorganisation der Schweiz aber ihren Beissreflex endlich ablegen und anerkennen, dass wir ein Problem haben und das Gew√§sserschutzgesetz seit Jahrzehnten verletzt wird.

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