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24. November 2025

SVGW-Gastagung 2025

Gasversorgung im Wandel

Nach drei Tagungen ausschliesslich zum Thema Wasserstoff führte der SVGW am 23. Oktober dieses Jahr wieder eine Gastagung durch, bei der die Transformation der Gasversorgung umfassend beleuchtet wurde, vom Umgang mit erneuerbaren Gasen bis hin zur Stilllegung von Netzabschnitten.
Margarete Bucheli 

Begrüsst wurden die rund 100 Teilnehmenden von SVGW-Direktor Michael Meier. Er wies darauf hin, dass die nötige Transformation der Gasversorgung bereits laufe, aber der Prozess enorm komplex sei: «Es gibt mehr zu tun als je zuvor.» Das dafür nötige Know-how sei aktuell in der Branche zwar vorhanden, aber die Branche werde alt – Stichwort Babyboomer. Um hier entgegenzuwirken, habe der SVGW den «Jungen SVGW» ins Leben gerufen. Die «Old Professionals» blieben als Stütze des Milizsystems jedoch weiterhin ungeheuer wichtig.

Gas im Gebäude und in der Industrie

Aufgrund der neuen G18 «Gasbeschaffenheit», die H2-Beimischungen bis 10% (max. 20%) erlaube, sei eine Überprüfung der Richtlinie G1 für Gasinstallationen in Gebäuden nötig geworden, wie Marco Stritt (Groupe E Celsius) ausführte. Diese sei anhand des DBI-Kompendiums und Forschungsberichten zur Wasserstofftauglichkeit durchgeführt worden.
Neben weiteren Anpassungen in der G1 sprach Stritt auch ĂĽber die neu geschaffene Richtlinie G4 fĂĽr periodische Sicherheitskontrollen an Gasinstallationen. Diese diene der Beurteilung bestehender Installationen. DafĂĽr sei keine DruckprĂĽfung erforderlich, sondern lediglich eine DichtheitsprĂĽfung bei niedrigeren PrĂĽfdrĂĽcken.

Im zweiten Teil des Referats stellte Andreas Peter von der SVGW-Geschäftsstelle das Merkblatt H10001 «Wasserstoffinstallationen in Gebäuden» vor, das momentan erarbeitet wird. In diesem sollen Vorgaben für Inselanlagen zusammengefasst werden, auch um eine klare Prüfgrundlage für das TISG zu schaffen. Andreas Peter warb ausserdem für das Engagement im Milizsystem, indem er auf die Vorteile der Mitarbeit verwies, darunter vor allem der Informationsvorsprung, den man so erhalte.

Zum Abschluss des ersten Blocks referierte Philip Strohmann (Geberit International AG) über Pressfittings für Wasserstoff. Je nachdem ob der Wasserstoff als Brenngas oder als technisches Gas eingesetzt werde, gelte ein anderes Regelwerk, nämlich das DVGW-/SVGW- respektive das DGRL-Regelwerk. Wichtig sei in jedem Fall, dass der Dichtring beständig gegenüber Wasserstoff sei.

Gasleitungen

Zum Einstieg in diesen Themenblock legte Joris Calame-Rosset dar, wie Wasserstoff in die Rohrleitungsgesetzgebung integriert worden sei. Die Bestimmungen zielten darauf ab, das Vorsorgeprinzip umzusetzen, eine klare Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen zu schaffen und ein hohes Mass an Flexibilität zu gewährleisten.

Für Wasserstoff-Rohrleitungen, die gemäss der Rohrleitungssicherheitsverordnung (RLSV) vom 1. Juli 2025 unter kantonaler Aufsicht stehen, schuf der SVGW die Richtlinie H2 neu, ausgehend von der bereits bestehenden Empfehlung H1000. Martin Primosig von der SVGW-Geschäftsstelle stellte die H2-Richtlinie vor und empfahl zum Abschluss, neue Gas-Rohrleitungen nach dieser zu bauen. Damit sei eine spätere Umwidmung einfacher möglich, was hingegen bei gemäss der G2-Richtlinie gebauten Rohrleitungen nicht der Fall sei.

Anschliessend berichtete Ronald Hagger (Energie 360° AG) von der Initiative «Netztransformationsplan erneuerbare Gase», kurz CH42-Initiative genannt. Aktuell sind daran 21 Verteilnetz- und 6 Transportnetzbetreiber beteiligt. Eine erste Umfrage zu technischen Aspekten wurde bereits durchgeführt. Demnach seien 91% der PE-Leitungen H2-ready, bei den Stahlleitungen betrage der Anteil 73%, so Hagger. Offene Fragen bestünden hauptsächlich bei der Thematik der Dichtungsmaterialien. Fürs nächste Jahr sei eine Umfrage geplant, die sich den Bedürfnissen der Kunden widme.

Im letzten Vortrag vor der Mittagspause wurde die Ausserbetriebnahme und Stilllegung von Netzteilen thematisiert. Matthias Hafner (SVGW) erörterte zunächst ein zentrales Element der Ende 2024 publizierten SVGW-Empfehlung G1012 für die Planung und Ausführung der Stilllegung von Gas-Anschluss- und Verteilleitungen, nämlich die Frage der Eigentumsverhältnisse bei Hausanschlussleitungen. Diese gelte es als erstes zu klären, denn daraus ergebe sich, wer die Verantwortung und die Kosten für die Stilllegung trage.

Daran an schloss sich ein Praxisbericht von Kay Kemmer (Energie 360° AG) über die flächenmässige Stilllegung in Zürich Nord. U. a. verwies er auf eine Sicherheitsaspekt, der beim Spülen von stillzulegenden Leitungen durch Ausblasen, vor allem von kleineren Gasmengen, zu beachten sei: Eine Methankonzentration zwischen 4 und 17% in der Luft bilde ein explosives Gemisch. Dieses Problem könne durch die Verwendung von Stickstoff anstelle von Luft umgangen werden, aber Stickstoff sei teuer. Kemmer empfahl daher das Absaugen mit einer Venturi-Düse als technisch sicherere Alternative.

Einspeisung erneuerbarer Gase

Auch dieser Themenblock begann mit der Vorstellung einer kürzlich grundlegend überarbeiteten Richtlinie, der G13 «Einspeisung erneuerbarer Gase», sowie des dazugehörigen Reglements G209. Dabei beschreibe die Richtlinie, wie Aufbereitung und Einspeisung korrekt funktionierten, während das Reglement die Abnahme und Kontrolle der Anlagen definiere, wie Bettina Bordenet von der SVGW-Geschäftsstelle ausführte.

Mit den seit 2021/2022 geänderte Importströme, dem erhöhten Angebot an LNG aus diversen Förderländern mit unterschiedlicher Gasbeschaffenheit und einer Zunahme der Biogas-Einspeisungen steigen die Brennwertschwankungen. Die Richtlinie G23 «Metering-Code Gas» soll daher angepasst werden, um diese Schwankungen abzubilden, so Roman Huber (SVGW). Gesucht würden dafür pragmatische, wirtschaftliche Lösungen, um Messkosten und Komplexität nicht in die Höhe zu treiben. Huber fasste das Ziel der Revision zusammen: die Beschreibung einer «Brennwertbestimmung und Energieabrechnung so genau wie nötig, nicht so genau wie möglich».

Bernhard Korfitsen von der Regionalwerke AG Baden berichtete von einer Biogasanlage, die ursprünglich ins Verteilnetz einspeiste. Im Sommer musste wegen des tieferen Gasabsatzes das anfallende Biogas immer wieder abgefackelt werden. Da eine Speicherung nicht möglich sei, wurde die Einspeisung in ein 5-bar-Netz über eine Gaskompressorstation verfolgt. Zusammen mit der Erdgas Zürich Transport AG sei ein Netzeinspeisevertrag ausgearbeitet worden (inkl. Klausel für Abschaltungen bei Überlastung im 5-bar-Netz). Seit 2025 sei die Station in Betrieb, wodurch das Abfackeln bereits deutlich gesenkt werden konnte.

Auch der Gasverbund Mittelland ergänze einige DRM-Stationen mit einem Kompressor, um den bidirektionalen Gasfluss zu ermöglichen, wie André Martin (GVM AG) erklärte. Er stellte ein konkretes Projekt vor, bei dem die Kompressorstation in einem Container untergebracht wird. Aus Redundanzgründen seien zwei Kompressoren (Kolbenverdichter) vorgesehen. Im Sommer 2026 soll die Station in Betrieb genommen werden.

Methanemissionen

Da Methanemissionen nicht nur bei Förderstätten von Erdgas und Erdöl nachgewiesen werden, sondern auch entlang der gesamten Transportkette und bei den Endverbrauchern auftreten, muss die Branche sich mit dem Thema auseinandersetzen. Roman Huber fasste die Ergebnisse des Projekts «Methanemissionen der Schweizer Gaswirtschaft» zusammen. Erfreulich sei, dass mit dem neuen Berechnungsmodell die Emissionen deutlich tiefer ausfielen. Ausserdem seien die Emissionen pro kWh seit dem Referenzjahr 1990 um 75% gesenkt worden, dies vor allem durch Materialersatz, betriebliche Optimierungen und neue Messmittel.

Im zweiten Teil des Blocks verglich Frank Panhans (IWB) die Vorgaben der EU-Methanemissionsverordnung, die seit August 2024 in Kraft ist, mit der aktuellen Praxis von IWB. Sein Fazit lautete: «Die Schweizer Verteilnetzbetreiber sind sich ihrer Aufgabe und Verantwortung bewusst und erfüllen bereits heute zu einem grossen Teil die Vorgaben der Methanverordnung in Eigenverantwortung.» Weil das SVGW-Regelwerk den Fokus auf die sicherheitstechnischen Aspekte lege, seien die Anforderungen der EU-Verordnung zum Teil höher. Hier gelte es abzuwägen, wo ein Nachziehen sinnvoll sei.

Fachkräftemangel – was tun?

Cristina Seoane (SVGW) stellte zunächst die Studie des SVGW zum Fachkräftemangel in den Versorgungsbranchen vor und ging dann auf die daraus abgeleiteten Massnahmen ein. Darunter befänden sich Massnahmen, wie das SVGW-Bildungsangebot zielgruppengerecht zu kommunizieren, mögliche Lern- und Karrierewege aufzuzeigen, Bildungsangebot regelmässig zu überprüfen und aktualisieren und das Bildungsangebot kontinuierlich zu erweitern.

Die Situation bei IWB beschrieb Katarina Karadzic (IWB, Employer Branding Manager). Der Bedarf an Fachkräften wachse, u. a. ausgelöst durch die Wärmetransformation in Basel, die Einbindung erneuerbarer Energien und die Digitalisierung, aber auch wegen der Altersstruktur und vielen Pensionierungen in den nächsten 5 bis 10 Jahren. Mit einem ganzen Strauss von Massnahmen und Angeboten – darunter sichere Arbeitsplätze, moderne Arbeitsformen, Familienfreundlichkeit, und Karriereentwicklung – positioniere sich IWB als attraktive Arbeitgeberin.

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