Den Auftakt der Fernwärme-Hauptkommissionssitzung (FW-HK) machten die beiden Themenfelder regulatorische Grundlagen und technische Standardisierung.
Die Richtlinie F8 «Betrieb und Instandhaltung» hat die Vernehmlassungsphase erfolgreich abgeschlossen. Die rund 180 eingegangenen Rückmeldungen werden derzeit konsolidiert und in die finale Fassung überführt.
Auch bei der Richtlinie F9 zur Qualitätssicherung wurden Fortschritte erzielt: Nach der internen Vorvernehmlassung folgt nun die Überarbeitung und danach die breite Branchenanhörung. Ein weiterer Meilenstein ist die gemeinsam mit dem Verband Thermische Netze Schweiz (TNS) erarbeitete Empfehlung F1022 zum GIS-Datenmodell Wärme. Die öffentliche Vernehmlassung läuft bis Mitte August 2026 und bildet die Grundlage für eine schweizweit harmonisierte Datenstruktur.
Parallel dazu nimmt auch das Projekt zur Standardisierung von Hausinstallationen konkrete Formen an. Insbesondere die Vereinheitlichung technischer Anschlussbedingungen (TAB) sowie neue Zertifizierungsansätze für Presssysteme stossen in der Branche auf breite Zustimmung.
Auch die Aus- und Weiterbildung im Fernwärmesektor war an der Sitzung ein grosses Thema. So wurde neben der Umsetzung der Lehrgänge «Fachspezialist Thermische Netze» intensiv über die zukünftige Bildungslandschaft diskutiert. Besonders relevant ist die geplante Einführung eines eidgenössischen Fachausweises in Abstimmung mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Dabei musste eine klare Abgrenzung zur neuen Grundbildung «Rohrnetzmonteur EFZ» definiert werden. Die Kommission entschied sich einstimmig für ein modulares Bildungsmodell mit eidgenössischen Abschlüssen. Dieses soll die Bedürfnisse aller drei Medien (Wasser, Gas und Wärme) adressieren und diese im Rahmen eines modularen Aufbaus in die beiden Themenbereiche «Projektierung & Bau» sowie «Betrieb & Instandhaltung» gliedern. Darau resultieren künftig eigenständige Lehrgänge für Projektierung/Bau sowie Betrieb/Instandhaltung. Auf diese Weise werden flexible und zukunftsfähige Karrierepfade geschaffen, die den steigenden Anforderungen der Branche gerecht werden.
Ergänzend dazu sind neue Angebote wie ein Basiskurs Wärme für Einsteiger sowie die Weiterentwicklung bestehender Module geplant, um dem Fachkräftemangel gezielt entgegenzuwirken.
Neben technischen und bildungsbezogenen Themen standen auch strategische Entwicklungen der Branche im Fokus. Der Austausch mit dem TNS zeigte unter anderem Fortschritte bei Tarifleitfäden sowie Bestrebungen zur stärkeren Förderung thermischer Netze im energiepolitischen Umfeld.
Die Aktivitäten der technischen Fachgruppen und ERFA-Plattformen werden weiter ausgebaut. Während Themen wie Leitungsersatz, Wasserchemie oder Qualitätssicherung auf grosses Interesse stossen, stellt die Vergleichbarkeit von Effizienzkennzahlen auch weiterhin eine Herausforderung dar. Mit Blick auf Wissenstransfer und Vernetzung wurden mehrere Veranstaltungen angekündigt, darunter die Fachtagung Wärme im November in Biel sowie neue Austauschformate wie der Members Club Wärme, der auf positive Resonanz stösst.
Die Sitzung der Hauptkommission Fernwärme verdeutlichte die dynamische Entwicklung der Branche: Mit Fortschritten in der Standardisierung, klaren Entscheiden in der Ausbildung und vielfältigen Austauschformaten stellt der SVGW wichtige Weichen für eine nachhaltige und professionelle Weiterentwicklung der thermischen Netze in der Schweiz.
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