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25. Juli 2018

Standpunkt

Versorgung mit Trinkwasser bleibt gewährleistet

Verbreitet Temperaturen von über 30 Grad Celsius, Trockenheit in der Landwirtschaft und Waldbrandgefahr allerorten: Angesichts dieser Verhältnisse stellt sich die Frage: Wie steht es in der Schweiz um die Wasserversorgung und speziell um die Versorgung mit Trinkwasser?
Peter C. Müller 

Die derzeitige Trockenheit hat das Land im Griff, in einigen Gegenden ist die Lage sehr ernst: Die Waldbrandgefahr wird in weiten Teilen von erheblich bis sehr gross eingestuft. Verschiedene Kantone haben Massnahmen wie «bedingte oder absolute Feuerverbote im Wald und in Waldesnähe» oder überhaupt ein Feuerverbot im Freien verhängt. Zudem klagt auch die Landwirtschaft in vielen Regionen über die eher misslichen Bedingungen und befürchtet für die Schweiz grosse Ertrags- und Qualitätseinbussen.

Ein Blick auf vergangene Klimadaten und künftige Szenarien zeigt, dass es in der Schweiz immer wärmer wird. Der Frühling 2018 war laut Meteo Schweiz bereits «der viertwärmste seit Messbeginn im Jahr 1864», und Trockenperioden im Sommer könnten zur Norm werden. In den Alpen führte die bisherige Hitze zu einer starken Gletscherschmelze. Sollten die Temperaturen hoch bleiben, dürfte dieser Vorgang in den kommenden Sommerwochen noch andauern. Dabei verlieren die grossen Gletscher weniger stark an Masse als die kleinen, weniger mächtigen. Eine erste Einschätzung der Gletscherschmelze 2018 wird aber erst im Oktober möglich sein, wenn die hydrologischen Messdaten analysiert sein werden. Die definitive Bilanz und Interpretationen werden dann Ende Jahr nach Auswertung aller Daten erstellt.

Grundwasserstände sind meist tief, aber ausreichend

Und wie steht es angesichts dieser Verhältnisse um das Wasser, speziell um das Trinkwasser? «Wir verfügen in der Schweiz in den meisten Regionen über reiche und qualitativ gute Wasserressourcen», erklärt André Olschewski, Leiter Wasser beim SVGW: «In der Schweiz ist die Trinkwasserversorgung insgesamt gut gewährleistet. Wir nutzen nur gerade knapp zwei Prozent des jährlichen Gesamtniederschlags als Trinkwasser. Bis heute sind uns zudem nur wenige Gemeinden bekannt, die trotz der schweizweit sehr hohen Temperaturen dieses Sommers bisher zum Sparen von Trinkwasser aufrufen mussten.»

Schätzungsweise ein Fünftel der Schweizer Wasservorräte sind Grundwasser, der wichtigsten Ressource für Trinkwasser. Besonders mächtige Wasservorkommen gibt es im Schweizer Mittelland. Diese Grundwasserströme reagieren ehr träge auf Witterung und sind meist etwas tief, aber noch immer ausreichend für die Trinkwassergewinnung. Der Wasserverbrauch liegt in der Schweiz derzeit bei etwa 923 Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr, was in etwa dem Fassungsvermögen des Bielersees entspricht. Pro Person und Tag ist dies ein Wasserverbrauch von rund 300 Litern Wasser, 140 Liter davon sind für den Privathaushalt bestimmt. Bei Hitzetagen steigt der Wasserverbrauch in der Regel an. Bei grossen Wasserversorgern, die den Nachbargemeinden mit Trinkwasser aushelfen müssen, können Hitzetage durchaus eine Verbrauchssteigerung von rund 30 Prozent zur Folge haben.

«Die Wasserversorger wurden in den vergangenen Jahren aber zunehmend miteinander vernetzt und haben die Wassergewinnung auf mehreren Standbeinen aufgebaut,» sagt Paul Sicher, Leiter Kommunikation beim SVGW: «84 Prozent der Wasserversorger verfügen mittlerweile über mindestens ein zweites Standbein der Wassergewinnung. So können sie auch längeren Trockenperioden, wie zum Beispiel dem Extremsommer 2003 oder eben auch dem aktuellen Sommer 2018, trotzen.»

Konsequente Vernetzung trägt erste Früchte

Insbesondere die Voralpenseen stellen ein sehr witterungsresistentes Trinkwasserreservoir dar. Insgesamt können indirekt über die Seewassergewinnung 3,2 Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt werden. Aber auch die mächtigen, durch Flusswasser gespeisten Grundwasserströme im Mittelland sind grosse und relativ robuste Trinkwasserressourcen. «Die Vernetzungsstrategie von Kantonen, Fachverbänden und den Wasserversorgern während der letzten Jahre bewährt sich nun», sagt Paul Sicher: «Hingegen sind kleinere, nicht vernetzte Wasserversorger, die ausschliesslich Quellwasser nutzen, anfälliger auf Trockenperioden. Dies zeigt auch, das eine überregionale Planung der Wasserversorgung in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger wird.»

Verstärkte Anstrengungen zur Versorgungssicherheit

Die Trinkwasserversorgung in der Schweiz ist im Allgemeinen also gut aufgestellt: Sowohl die Menge als auch die Qualität des Rohwassers sind in der Regel sehr gut, und die Kosten für die Versorgung vergleichsweise tief. «Trotzdem steht die Wasserversorgungsbranche in der Schweiz vor einigen wegweisenden Herausforderungen,» präzisiert André Olschewski: «Aufgaben der Zukunft sind zum Beispiel die weitere Verbesserung der Versorgungssicherheit in gewissen Regionen oder der Umgang mit Fremdstoffen im Rohwasser.» Ebenso stünden bedeutende strukturelle Veränderungen bevor wie zum Beispiel Regionalisierungen, die Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung oder die Einführung neuer Betriebsmodelle.

Regional unterschiedlich seien die Wasserversorgungen auch vom Klimawandel respektive von zunehmenden Nutzungskonflikten durch Siedlungsdruck und Stoffeinträgen betroffen. «Für all diese Herausforderungen», so erklärt der Leiter Wasser beim SVGW, «möchten wir im Rahmen einer Strategie sinnvolle und praktische Lösungen entwickeln und die Versorger in der Umsetzung von Massnahmen unterstützen.» Mengenmässig habe man in der Schweiz aber bisher einen sehr nachhaltigen Umgang mit Wasser. «Trotz des anstehenden Klimawandels», so meint André Olschewski, «werden wir insgesamt genug Trinkwasser haben. Die Herausforderungen stellen sich vielmehr in der Wasserverteilung.» Die Versorgungssicherheit sei in der Schweiz hoch, das zeige auch die jüngste Geschichte mit mehreren Trockenperioden aber nur vereinzelt und lokal auftretenden Trinkwasserknappheiten.

 Mehr Wissenswertes unter www.trinkwasser.svgw.ch

 

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