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01. April 2019

FOWA-Resultate-Workshop

«Vielerlei Probleme effizient lösen!»

Vor rund sieben Jahren wurde der Forschungsfonds Wasser (FOWA) des SVGW gegründet: Zeit etwas Bilanz zu ziehen und die Zukunft auszuloten. An einem Resultate-Workshop gab es einen Überblick über zurückliegende, aktuelle und künftige Projekte – von der Forschung in die Praxis.
Peter C. Müller 

«Wir möchten mit diesem Resultate-Workshop einen guten und – wenn immer möglich - repräsentativen Überblick über abgeschlossene oder noch laufende Projekte geben», erklärte Erich Mück, Leiter der Wasserversorgung Zürich, gleich zu Beginn der Veranstaltung: «Zudem sind auch Rückmeldungen, Vorschläge und Anregungen aller Anwesenden, der FOWA-Mitglieder und der Gäste, zu spezifischen Projektideen oder zur Weiterentwicklung der Institution sehr willkommen.» Markus Biner, Sekretär des FOWA und technischer Berater im Bereich Wasser beim SVGW, präzisierte zudem im Rahmen eines Lageberichts: «Der Fonds möchte ein Bindeglied zwischen Forschung und Praxis sein. Seit seiner Lancierung im Mai 2012 hat der FOWA von über dreissig eingereichten Projekten knapp zwei Dutzend mit einem Gesamtbetrag von rund einer Million Schweizer Franken unterstützt.» Ziel des Fonds sei es für branchenrelevante Probleme der schweizerischen Wasserversorgung «praxistaugliche und nachhaltige Lösungen» zu finden.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging Markus Biner auf die Organisationsstruktur des FOWA, die Aufgaben der fachtechnischen Kommission und die aktuelle Struktur der Mitgliederzahlen sowie deren finanzielle Beiträge ein. «Punkto Relevanz der verschiedenen Projekte», so erklärte Markus Biner, «hat sich gezeigt, dass bisher aus elf von insgesamt sechzehn abgeschlossenen Projekten diverse Erkenntnisse direkt in Regelwerke des SVGW eingebracht werden konnten, die nun den Mitgliedern als Tool zur Verfügung stehen.» Als Beispiele nannte der FOWA-Sekretär die Richtlinie W12 («Gute Verfahrenspraxis»), die Empfehlung W1014 («Datenerfassung und -auswertung») oder das Argumentarium zu antibiotikaresistenten Bakterien.

Druckstösse in Leitungsnetzen

Wie einige der Projekte des FOWA nun aussehen, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops aus erster Hand: So erklärte Blaise Jeanneret von den Services industrielles de Genève (SIG) die «Überwachung von Trinkwasser im Netz» und Professor Daniel Hunkeler von der Universität Neuchâtel berichtete über die «Wirkung von Massnahmen zur Reduzierung von Grundwasserbelastungen». «Ziel unseres Projektes», so der Professor, «ist es am Beispiel des Wirkstoffes Chloridazon zu untersuchen, ob und wie rasch der Ersatz von problematischen Pestiziden durch alternative Produkte zu einer Verbesserung der Wasserqualität in Pumpwerken führen kann.»

Die «Erkennung und Lokalisierung von Druckstössen in Leitungsnetzen» war hingegen das Thema bei Christoph Meyer vom Stadtwerk Winterthur:  «Im Wasserversorgungsnetz der IBC Energie Wasser Chur», so fasste er sein Projekt zusammen, «treten immer wieder Rohrbrüche auf, für deren Ursache wahrscheinlich Druckstösse verantwortlich sind.» Die Folge davon seien hohe Schadenskosten sowie Versorgungsunterbrüche und Qualitätseinbussen bei der Trinkwasserversorgung. «Bis heute», so der Projektmitarbeiter, «gibt es keine geeignete Methode, um Druckstossprobleme in den Versorgungsnetzen sicher zu erkennen und die Verursacher der Schäden festzustellen.»

Die IBC möchte nun das Problem der Druckschlagerkennung zusammen mit Partnern angehen. Die Industrie verfüge bereits über sogenannte Drucklogger, die technisch in der Lage seien, Druckveränderungen im Bereich von Millisekunden festzustellen und aufzuzeichnen. Ziel sei es, basierend auf den Sensoren eine automatische Erkennung der Druckstösse zu entwickeln. «Im Idealfall», so Christoph Meyer, «sollte das System auch in der Lage sein, Hinweise auf den Entstehungsort eines Druckstosses und damit auch auf den Verursacher zu geben.»

Innovative Auswertungstools

Martin Jutzeler von der Energie Wasser Bern (ewb) ging seinerseits auf ein innovatives Auswertungsinstrument zur Planung von Erneuerungen des Leitungsnetzes ein, während Dorothea Zuleger von WIF-Partner auf ein elektronisches Tool zur Auswertung des Dilemmas «Restverlust versus Synergiegewinn» einging. Im Rahmen ihres Projektes, so führte die Spezialistin aus, sei eine Methodik entwickelt worden, die auch bei unterschiedlich verfügbaren Informationen «eine fundierte Entscheidungsgrundlage» für oder gegen ein koordiniertes Bauprojekt liefere. «Hierfür», so Dorothea Zuleger, «wird der noch vorhandene Restwert, der sich aus der technischen Nutzungsdauer der Leitung ergibt, dem Synergiegewinn durch gemeinsames Bauen gegenübergestellt.»

Nanopartikel im Trinkwasser

«Schutzmassnahmen gegen Fleckenbildung in Reservoirs» standen daraufhin im Zentrum des Referates von Markus Büchler von der Schweizerischen Gesellschaft für Korrosionsschutz (SKG) in Zürich. Und Lina Ramirez von der Universität Genf erläuterte eine «Untersuchung über das Verhalten von Nanopartikeln in Trinkwasserversorgungsketten». «TransfO3rm» lautete daraufhin sehr vielversprechend der Kurztitel der Ausführungen von Rebekka Gulde von der Eawag in Dübendorf, die ganz treffend über die Bildung und das Verhalten von Transformationsprodukten bei der Ozonbehandlung des Wassers referierte. Und den Abschluss der zahlreichen Präsentationen machte schliesslich Rebekka Guldes Kollege Frederik Hammes, der eine umfassende, aber noch nicht abgeschlossene Untersuchung zum Thema «Legionellen in den Trinkwasserverteilsystemen von Gebäuden» präsentierte.

Eine Lanze für den FOWA brechen

Doch wie geht es mit dem FOWA in Zukunft weiter? Gibt es tiefgreifende Veränderungen? Oder verfolgt man eher den bisher eingeschlagenen Weg weiter? «Künftig möchten wir noch vermehrt den Fokus unserer Aktivitäten auf ausgewählte Schwerpunktthemen mit hoher Praxisrelevanz legen, um im Rahmen des SVGW-Regelwerks vermehrt Erkenntnislücken zu schliessen», erklärte Marcel Steiger von den St. Galler Stadtwerken (SGSW). Dazu werde man vermehrt das Gespräch mit der I+IG-Gruppe suchen, das Image des FOWA schärfen und – last but not least – auch versuchen zum Beispiel mittels Partnerschaften zusätzliche Möglichkeiten der Finanzierung zu äufnen.

Eine wahre Lanze für die Existenz des «zarten Pflänzchens» FOWA brach schliesslich Stefan Kötzsch von der Hochschule Luzern, indem er meinte: «Der FOWA ist für die Wasserbranche ein so fantastisches Instrument zwischen Forschung und Praxis, dass er über viel mehr Geld zur Finanzierung seiner verschiedenen Projekte verfügen sollte: der Fonds könnte eigentlich 10 oder 100 mal höher dotiert sein als heute!». Die Bereitstellung der nötigen Finanzmittel ist denn auch ein zentrales Thema für das weitere Bestehen des Forschungsfonds.

 

 

 

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