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01. April 2019

Interview mit Markus Biner

«Es braucht zwingend eine gute Branchenforschung!»

Über die derzeitige Situation des Forschungsfonds Wasser (FOWA), aber auch über dessen Geschichte und Zukunft unterhielten wir uns mit Markus Biner, Sekretär des FOWA und Technischer Berater beim SVGW.

Markus Biner, wozu braucht es einen FOWA?

 Die Aufgaben der Wasserversorgungen bei Planung, Bau und Betrieb der Anlagen werden heutzutage hinsichtlich qualitativer, technischer und struktureller Herausforderungen immer komplexer. Für die einzelne Wasserversorgung sind sie dadurch in gewissen Fällen kaum mehr lösbar. Wenn wir in Zukunft also nachhaltige Lösungen finden möchten, müssen wir die Probleme der Praxis gemeinsam angehen. Dazu braucht es zusätzliche Erfahrungen und Datengrundlagen aus den Untersuchungen sowie eine branchenrelevante Forschung.

Was sind denn konkrete Fragen, die den FOWA bzw. seine Mitglieder in Zukunft beschäftigen könnten?

Themen für mögliche Projekte der Zukunft sind zum Beispiel die optimale Bewirtschaftung von Netzdaten, innovative Methoden der Trinkwasserüberwachung oder die Bewertung von Baumaterialien hinsichtlich Nutzungsdauer oder Hygiene. Andere mögliche Themen sind eine risikobasierte Qualitätssicherung, ein kostenoptimierter Netzunterhalt oder Herausforderungen bei der Innensanierung von Rohren sowie Korrosions- und Beschichtungsprobleme.

Wie arbeitet der FOWA? Wie ist er als Organisation aufgebaut?

Der Fonds hat eine schlanke, praxisorientierte Organisation: Eine Fachkommission beschliesst über die Forschungseingaben. Sie übernimmt die fachliche Verantwortung und Koordination und stellt damit sicher, dass die Forschungsvorhaben auch einen starken Bezug zur Praxis haben. Die Kommission besteht aus sechs paritätisch aus den Sprachregionen rekrutierten Vertretern von Wasserversorgungen und wird vom Vorstand gewählt. Das Sekretariat des FOWA wird vom SVGW geführt, wo auch gerne Auskünfte eingeholt werden können.

Und wie finanziert sich das Ganze?

Die Projekte werden aus Beiträgen der Mitglieder des FOWA finanziert. Momentan haben wir ein Fondsvolumen von 168'500 Franken, das sich seit 2012 von 143'000 Franken Jahr um Jahr stetig leicht erhöht hat – ebenso wie die Zahl der Fonds-Mitglieder: Momentan sind es achtzig Wasserversorgungen, die mitmachen, und rund dreissig Industriepartner, also Ingenieurbüros und andere Institutionen, die sich daran beteiligen. Der zweckgebundene und transparente Einsatz der Fondsmittel steht dabei im Vordergrund. Die Fondsgelder werden in einer separaten Rechnung verwaltet und der SVGW übernimmt auch alle Administrationskosten.

Und wie können die FOWA-Mitglieder vom Fonds profitieren?

Sie erhalten über eine spezielle Internet-Plattform einen exklusiven Zugang zu den Forschungsresultaten und ihre Gesuche werden prioritär behandelt. Ausserdem können sie kostenfrei an unseren periodischen Resultate-Workshops teilnehmen, bei denen die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert werden.

Wie sehen sie die momentane Situation des FOWA? Ist der Fonds auf dem richtigen Weg?

Der FOWA verfolgt mit seiner Ausrichtung auf Themen wie Trinkwasserqualität, Engineering oder Versorgungsstrukturen momentan sicherlich die richtigen Ziele. Kernziel ist und bleibt wohl auch künftig vor allem eine finanzielle Förderung von praxisrelevanten Forschungs- und Entwicklungsprojekten, die für die Branche von breitem Interesse sind. Nebenbei bemerkt besitzt die Infrastruktur der Wasserversorgung doch einen Wiederbeschaffungswert von 51 Milliarden Schweizer Franken: Das ist doch ein sehr schönes Indiz für die hohe wirtschaftliche Bedeutung unserer Branche!  

Aber längerfristig gesehen wäre es für den FOWA doch gut für die oft kofinanzierten Projekte mehr Geld zur Verfügung zu haben?

Ja, klar. Wir halten immer nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau. Schön wäre es, wenn wir in naher Zukunft auch mal ein Fondsvolumen von 300’000 Schweizer Franken erreichen könnten! Wir werden versuchen, den FOWA für Partnerschaften interessanter zu machen, in dem wir Ihn als Plattform für die Industrie- und Ingenieurgruppe des SVGW attraktiver machen. Der FOWA-Workshop soll in einen eigentlichen Innovationstag Wasser überführt werden, wo sowohl Neuheiten aus FOWA-Projekten als auch Neuerungen der Industrie- und Ingenieurgruppe präsentiert werden.

 

 

Weitere Informationen

Anmeldung und Beratung: Markus Biner

Sekretär des FOWA, SVGW,

Grütlistrasse 44, Postfach 2110, 8027 Zürich

Telefon: 044 288 33 33, www.svgw.ch/FOWA, E-Mail: fowa@svgw.ch

Markus Biner persönlich

Markus Biner absolvierte eine Ausbildung als Ingenieur Agronom HTL sowie ein Studium der Umwelt-Naturwissenschaften an der ETH Zürich. Danach war er beim Bundesamt für Landwirtschaft und bei der landwirtschaftlichen Betriebsberatung des Kantons Wallis tätig. Ab Herbst 1995 arbeitete er während zehn Jahren in der internationalen Rückversicherung. Seit dem Frühjahr 2005 ist Markus Biner beim SVGW als Technischer Berater Wasser. Hier betreut er die Kommissionsarbeiten für das Regelwerk sowie verschiedene Projektarbeitsgruppen und ist Sekretär des FOWA.

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