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28. Dezember 2023

Wasser-Hauptkommission

November-Sitzung der W-HK

Am 30. November 2023 fand unter Leitung von Andreas Hirt die zweite W-HK-Plenarsitzung dieses Jahres statt.

Nebst der Berichterstattung aus den Unterkommissionen und Arbeitsgruppen wurden folgende Themen behandelt:

Regelwerk

Die Arbeiten an der Richtlinie W2 «Qualitätssicherung in Grundwasserschutzzonen» sind weit fortgeschritten. Weiter zu diskutieren gibt die Integration der Einzugsgebiete; unbestritten ist jedoch, dass diese mitzuuntersuchen sind. Mitte Dezember startet die Vernehmlassung der von der W-UK3 «Gewinnung, Speicherung & Verteilung» revidierten Richtlinie W6 «Trinkwasserbehälter». Die W-UK3 hat die Arbeit an der neu zu erstellenden Richtlinie W7 «Fördersysteme» aufgenommen. 2024 erscheinen zudem zwei von der W-UK2 «Wasserqualität und Aufbereitung» ausgearbeitete Empfehlungen zu den Themen «Betriebliche Hygiene» und «Informationspflicht» sowie ein von der S-AG8 «Recht und Wirtschaft» erstelltes Merkblatt «Datenschutz in Versorgungsbetrieben». Mit der Vernehmlassung des überarbeiteten Geodatenmodells Wasser ist auf Mitte 2024 zu rechnen.

Zertifizierungsreglemente

Die W-HK setzt das neu erarbeitete Reglement ZW107/8 «Unterputz-Badearmaturen mit integrierter Sicherungseinrichtung für den Bade-wannen-Einlauf über den Badewannen-Überlauf» per 1. Januar 2024 in Kraft. Das überarbeitete Reglement ZW117 «Enthärtungsanlagen – Kationenaustauscher» wurde zur Inkraftsetzung per 1. Januar 2024 an den Vorstand weitergeleitet. Weitere neun Zertifizierungsreglemente wurden von der W-UK7 redaktionell überarbeitet und per 1. Januar 2024 in Kraft gesetzt. Das Reglement ZW102/1E «Hygienische Beurteilung von organischen Materialien: E) Silikone» wurde von der S-AG 6 zuhanden des Vorstands verabschiedet und soll am 1. Januar 2024 in Kraft treten. Die S-AG6 wird nun ein ZW-Reglement für Bauhilfsstoffe erarbeiten.

Ausbildung

Die überarbeitete und vernehmlasste Richtlinie GW 1 «Erteilung der Installationsberechtigung» und die zugehörigen Reglemente 101 - 104 wurden dem Vorstand zur Genehmigung vorgelegt. Die Inkraftsetzung ist auf 1. Mai 2024 geplant. Für den neuen Lehrgang «Fachspezialist/in Thermische Netze» sind die Handlungskompetenzen erarbeitet und der Projektantrag für die Umsetzung des Grundmoduls ausgearbeitet worden. Eine Umfrage bei Planern, Erstellern und Betreibern thermischer Netze im Spätherbst soll die Handlungskompetenzen validieren sowie den Weiterbildungsbedarf der Branche und die Bereitschaft der Betriebe zur Mitwirkung beim Ausarbeiten des Lehrgangs ausloten.

Gemäss Umfrage in den Sparten Abwasser, Anergie, Fernkälte, Fernwärme, Gas und Trinkwasser zur Einführung einer beruflichen Grundbildung im Bereich Bau, Montage und Unterhalt von Rohrleitungen besteht verbreitet Ausbildungsbedarf. Rund 300 Betriebe wären bereit, selbst Fachkräfte auszubilden. Die Partner-Organisationen haben nun zu entscheiden, ob sie sich am Projekt beteiligen. Die Warteliste für den Brunnenmeisterlehrgang beträgt immer noch zwei bis drei Jahre. Man will daher versuchen, künftig zwei Lehrgänge pro Jahr durchzuführen. Die im Oktober erstmals durchgeführte Berufsprüfung Installationskontrolleur/in haben zehn von elf Kandidaten bestanden. Wegen der geringen Nachfrage überlegt sich der SVGW eine neue Form der Ausbildung bezüglich Installationskontrolle.

Juristen-Netzwerk

Zur Stärkung des Milizsystems im juristischen Bereich fand Anfang November beim SVGW ein Netzwerkanlass für Juristen aus dem Versorgungssektor statt. Juristische Fragestellungen sind vielseitig und betreffen u.a. das Gewässerschutz-, Lebensmittel-, Vergabe- und Datenschutzrecht, das Erstellen/Überarbeiten der Versorgungsreglemente sowie Betriebszusammenschlüsse.

Arbeitsgruppe Trockenheit

Die neu gegründete AG «Trockenheit» hat Ende Oktober ihre Arbeit aufgenommen und ein Vorgehen zur Entwicklung eines Masterplans «Trockenheit» entworfen.

Ernährungsinitiative

Die Initiative verlangt für die Steigerung der Erträge die Sicherstellung der lebenswichtigen Produktionsgrundlagen der Landwirtschaft – Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Zur Ernährungssicherheit gehört für die Initianten auch die Sicherstellung von genügend sauberem Trinkwasser. Die Hälfte der nötigen Unterschriften wurde bereits gesammelt.
Aus Sicht der SVGW trägt der Initiativtext auf Gesetzesebene nicht wesentlich zu einer Verbesserung des Ressourcenschutzes bei; wichtiger wäre eine Stärkung des Vollzugs. Der SVGW erarbeitet dazu eine Kommunikationsstrategie und ein Positionspapier.

Ehehafte Wasserrechte

Laut einem Bundesgerichtsurteil sind ehehafte private Wasserrechte «bei erster Gelegenheit» durch Wassernutzungskonzessionen abzulösen. Obwohl die Restwassermengen-Thematik Auslöser war, gilt der Entscheid grundsätzlich für alle Wassernutzungen, also z.B. auch für den Weiterbetrieb von Quellen für die Trinkwasserversorgung. Der Vollzug wird kantonal jedoch sehr unterschiedlich gehandhabt und konzentriert sich oft vorerst auf grosse Wassernutzungen. Die Wasserversorger brauchen von sich aus nicht aktiv zu werden. Stehen jedoch grössere Investitionen in Quellanlagen an, empfiehlt es sich, beim Kanton vorzusondieren.

Temperaturmonitoring im Verteilnetz

Vor dem Hintergrund steigender Umgebungstemperaturen hat die Wasserversorgung Zürich die Einflussfaktoren auf die Wassertemperatur und Hygiene im Verteilnetz sowie Interventionsmöglichkeiten untersucht. Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Netztemperatur ab einer gewissen Fliessstrecke primär der Bodentemperatur folgt und die Einspeisetemperatur mit zunehmender Fliessstrecke unerheblich wird. Als Massnahmen wurden das Isolieren oder tiefere Verlegen der Wasserleitung in Zonen starker Erwärmung, die Reduktion der Verweildauer des Wassers durch geringeren Leitungsdurchmesser oder auch das Beschatten des Bodens eruiert.

Politmonitoring
PFAS

Im Vordergrund stehen die Abstimmung der Höchstwerte auf die EU und die Finanzierung allfälliger Sanierungsmassnahmen. Das Postulat Moser «Aktionsplan zur Belastungsreduktion von Mensch und Umwelt durch langlebige Chemikalien» wurde überwiesen. BAFU und VKCS haben kürzlich Resultate von Grundwasser- und Trinkwasserproben veröffentlicht. Sowohl im Grund- als auch im Trinkwasser können PFAS nachgewiesen werden. Im TW liegen die Werte unter den geltenden Höchstwerten. Medial wurde das Thema etwas dramatisiert. Überwiesen wurde auch die Motion Maret «Festlegung von PFAS-spezifischen Werten in Verordnungen».

Gewässerschutz

Offen sind nach wie vor die Motionen und das Postulat der GPK, in denen es darum geht, die bestehenden Instrumente (Schutzzonen, Massnahmen in der Landwirtschaft nach Art. 62a GSchG) zu stärken bzw. den Vollzug zu verbessern. Weil Projekte nach erfolgter Zahlung oft wieder rückgängig gemacht wurden, verlangt das Postulat, 62a-Projekte müssten nachhaltig sein. Künftig werden nebst Nitrat auch Massnahmen zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und anderen Verunreinigungen mitfinanziert. Zudem sollen neu nebst Sanierungen auch präventive Massnahmen unterstützt werden. Ebenfalls noch offen ist die Motion Zanetti zur Ausscheidung der Zuströmbereiche, wo der SVGW in der Begleitgruppe vertreten ist, die aktuell die Kriterien für eine Ausscheidung erarbeitet.

Pflanzenschutz

Die vom Bundesrat zur Ablehnung empfohlene Motion Bregy «Anerkennung der EU-Zulassungsentscheide für Pflanzenschutzmittel» wurde vom Nationalrat angenommen. Auch die noch nicht behandelte Pa. Iv. 22.441 verfolgt dieses Ziel. Die SVGW-Geschäftsstelle macht sich für eine Ablehnung oder Anpassung dieser Vorstösse stark: Die zugelassenen Pflanzenschutzmittel unterscheiden sich auch in der EU nach Zonen, und es wäre unklar, welche Zulassungen in der EU in welchen Regionen der Schweiz gelten würden. Mit einer direkten Übernahme von Zulassungen wäre es nicht mehr möglich, die Zulassung und Anwendungsbestimmungen an die Gegebenheiten der Schweiz anzupassen.
Das Postulat Clivaz «Verunreinigung des Trinkwassers mit Chlorothalonil. Wie reagieren und wie die nötigen Sanierungen finanzieren?» wurde angenommen. In der Begleitgruppe werden aktuell vier Szenarien diskutiert, wie man das Problem von Mikroverunreinigungen angehen und finanzieren will. Nebst Chlorothalonil adressiert die Begleitgruppe auch andere Verunreinigungen. Noch offen ist auch die Motion Flury «Verursacherorientierte Finanzierung der zusätzlichen Trinkwasseraufbereitungsanlagen infolge strengerer Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel».

Trockenheit

Die Pa. Iv. 23.447 «Der Umgang mit dem blauen Gold in der Schweiz und Engpässe» wurde noch nicht behandelt, ebenso die Motion Roduit «Daten für ein integrales Wassermanagement auf der Grundlage der multifunktionalen Wassernutzungen». Das Postulat Clivaz «Multifunktionale Nutzung von Wasser aus Stauseen» wird vom Bundesrat zur Ablehnung empfohlen, da der Bericht zum Postulat Rieder von 2022 die Instrumente bereits aufzeigt, die der Bund den Kantonen zum Umgang mit Zielkonflikten bereitstellt.
Das Postulat Wettstein «Toiletten effizient spülen. Massnahmen zum sparsamen Wasserverbrauch» und die Motion Vara «Regenwasser, eine nachhaltige Ressource» wollen die Regenwassernutzung im Gebäude fördern – ein Thema, das auch von den Medien aufgegriffen wurde. Aus Sicht Bundesrat ist eine nationale Regelung zur Regenwassernutzung auf Gesetzesstufe nicht nötig, und auch die SVGW-Geschäftsstelle erachtet die Regenwassernutzung im Gebäude im Normalfall nicht als sinnvoll (Erstellung und Unterhalt einer parallelen Infrastruktur im Gebäude, während die öffentliche Wasserversorgung für Trockenperioden die gleiche Lieferkapazität vorhalten muss). Das Postulat Egger «Nationale Wasserstrategie» wird vom Bundesrat zur Ablehnung empfohlen, da die Sicherstellung eines nachhaltigen, an die regionalen Bedingungen angepasstes Wassermanagements den Kantonen obliege.

Geothermie

Die Begleitgruppe zur Motion Jauslin «Energiezukunft durch sichere Nutzung des Untergrunds zur Speicherung» diskutiert aktuell, inwiefern von der 3-Grad-Regel ggf. abgewichen werden kann. Aus Sicht Trinkwasserversorgung ist ein Abweichen nach oben (Erwärmung) dabei kritischer als ein Abweichen in Richtung Abkühlung. Die Motion FDP «Schluss mit der Blackbox. Klimaschutz, Energiesicherheit und Infrastrukturnutzung dank Erforschung des Untergrunds» wurde angenommen und befindet sich in der Umsetzung.

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