Plattform für Wasser, Gas und Wärme
News
28. Februar 2024

Automatische Übersetzung - Originaltext auf Französisch


Rückblick auf das SVGW/VSA-Seminar

Die im Wasser verborgene Energie

Wenn wir über die Themen Energie und Wasser sprechen, denken wir meist an Wasserkraft, die in Speicher- oder Laufwasserkraftwerken erzeugt wird. Energie spielt jedoch auch in den Bereichen Wasserver- und -entsorgung eine wichtige Rolle. Das SVGW/VSA-Seminar im Rahmen der Messe aqua pro in Bulle beleuchtete die verschiedenen Fragen zur im Grund-, Trink- und Abwasser verborgenen Energie.
Margarete Bucheli 

Die Moderatoren des Seminars, Laurent Roquier vom SVGW und Luca Rossi vom VSA, konnten am 9. Februar in Bulle √ľber 100 Teilnehmer begr√ľssen und freuten sich daher √ľber das grosse Interesse an dem Seminar. Die ersten beiden Vortr√§ge befassten sich mit der Nutzung von W√§rme aus Grund- und Trinkwasser. Rolf Meier, Leiter des Bereichs Wasser beim SVGW, war krankheitsbedingt abwesend und wurde von Laurent Roquier vertreten, der den ersten von zwei Vortr√§gen zum Thema ¬ęGeothermie und Risiken f√ľr das Grundwasser - Welche Auswirkungen hat das auf das Trinkwasser?¬Ľ hielt. Martin B√§rtschi √ľbernahm das zweite Referat ¬ęW√§rmetauscher im Trinkwassernetz¬Ľ. Beide Vortr√§ge wurden durch eine Pr√§sentation von Martin Jutzeler (ewb) von konkreten Beispielen, die in Bern umgesetzt werden, erg√§nzt.

Energetische Nutzung des Grundwassers

Roquier beschrieb kurz die verschiedenen M√∂glichkeiten der energetischen Nutzung des Grundwassers, nannte deren Vorteile und ging vor allem auf die damit verbundenen Nachteile und Risiken ein. Er wies insbesondere auf den allgemeinen Mangel an Informationen √ľber Grundwassernutzungen hin: ¬ęDie Wasserversorger verf√ľgen nicht √ľber die notwendigen Informationen, um eine risikobasierte Selbstkontrolle gem√§ss dem Lebensmittelrecht (Art. 26 LMG) durchf√ľhren zu k√∂nnen.¬Ľ Tats√§chlich stehen Wasserversorger im Zusammenhang mit der energetischen Nutzung von Grundwasser in der Regel vor folgenden Herausforderungen:

  • Fehlende Informationen √ľber Baugenehmigungen oder kantonale Konzessionen
  • Mangelnde Kenntnisse √ľber den Zustand der Grundwasserbrunnen
  • Fehlen von Energiepl√§nen
  • Schwierigkeit, die Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung zu bewerten, aufgrund mangelnder Kenntnisse des Einzugsgebiets und fehlender digitaler Modelle zur Simulation der Situation im Grundwasser


Der SVGW habe daher gegen√ľber den Kantonen die Forderung formuliert, so Roquier: ¬ęDie Kantone m√ľssen die Bau- und Betriebskontrollen verbessern.¬Ľ

Information SVGW WF15000

Bis vor kurzem war die Empfehlung von SVGW in Bezug auf die energetische Nutzung von Trinkwasser einfach: Aus hygienischen Gr√ľnden wurde diese pauschal abgelehnt. Inzwischen¬†ist die Einstellung des SVGW differenzierter, wie Martin B√§rtschi ausf√ľhrte: ¬ęDer SVGW m√∂chte in Zukunft die direkte W√§rmenutzung von Trinkwasser erm√∂glichen, ohne die Qualit√§t des Trinkwassers zu gef√§hrden¬Ľ. Es ist jedoch klar, dass die Hygiene des Trinkwassers oberste Priorit√§t hat. Aus diesem Grund erlaubt die SVGW-Information WF15000 ¬ęNutzung von W√§rme aus Trinkwasser¬Ľ nur die Nutzung von W√§rme (Trinkwasser wird abgek√ľhlt) aus Trinkwasser, w√§hrend die Nutzung von K√§lte (Trinkwasser wird erw√§rmt) verboten bleibt. B√§rtschi wies auch darauf hin, dass die Energiebilanz √ľber das gesamte System eher zweifelhaft ist, da ein gro√üer Teil des in den Haushalten verwendeten Trinkwassers erw√§rmt wird. Wenn dem Wasser zuvor W√§rme entzogen wird, um es in ein Fernw√§rmenetz einzuspeisen, muss mehr Energie aufgewendet werden, um das Wasser in den Haushalten zu erw√§rmen. In einigen F√§llen kann ein solches Vorhaben jedoch gerechtfertigt sein (z. B. wenn der Anschluss an das Fernw√§rmenetz zu teuer ist).

¬ęPlug-and-Play¬Ľ-System zur Turbinierung von Trinkwasser

In der Schweiz gibt es in einigen Wasserverteilsystemen, gerade in alpinen Regionen, betr√§chtliche H√∂henunterschiede. √úblicherweise wird der √úberschuss an hydraulischer Energie in diesen Netzen durch Druckreduzierventile abgeleitet. Statt den Energie√ľberschuss zu dissipieren, k√∂nnte dieser auch zur√ľckgewonnen werden, wof√ľr an der HES SO Wallis die DuoTurbo-Turbine entwickelt wurde. Vlad Hasmatuchi (HES SO Wallis) und S√©bastien Luisier (Jacquier & Luisier SA) stellten die gegenl√§ufige, axiale Mikroturbine mit kompakten Abmessungen vor. Die Betriebsflexibilit√§t werde durch die individuelle Drehzahlregelung jedes Generators zur Bew√§ltigung schwankender hydraulischer Bedingungen erreicht. F√ľr den Wasserversorger stehen mittlerweile verschiedene DuoTurbo-Turbinen mit folgenden Eigenschaften zur Auswahl:

  • Axialturbine, modular, ¬ęplug-and-play¬Ľ, 5 bis 25 kW
  • Drei verschiedene Profile, um ein Maximum an Fallh√∂he-Durchfluss-Bereichen abzudecken
  • Wasserkraft-Wirkungsgrad zwischen 50% (niedriger Durchfluss) und 65% (hoher Durchfluss)
  • Zuverl√§ssigkeit √ľber 5 Jahre mit 2 Pilotstandorten nachgewiesen: Savi√®se und M√©di√®res (Verbier) ‚ąí beide 2019 in Betrieb genommen
Energiepotenzial von Wasser

Der Verein InfraWatt, dessen tragende Mitglieder SVGW und VSA sind, hat sich vier Ziele gesetzt:

  • Steigerung der Produktion von erneuerbarem Strom (aus Kl√§rschlamm, aus Trinkwasser und Photovoltaikanlagen auf dem Gel√§nde der Anlagen)
  • Erh√∂hung der Energieeffizienz von Wasserversorgungssystemen und ARAs
  • F√∂rderung der W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwasser
  • Reduzierung der Treibhausgasemissionen (Methan und Lachgas) aus ARAs

Pierre Papaux von InfraWatt gab Antworten auf die Frage: ¬ęEnergiepotenzial von Wasser: Welche Hebel und welche F√∂rderm√∂glichkeiten?¬Ľ Er verwies auf die InfraWatt-Website (https://infrawatt.ch/dokumente/fachgebiete/trinkwasser/¬†und https://infrawatt.ch/dokumente/fachgebiete/abwasser/), wo alle Ma√ünahmen und die damit verbundenen Subventionen verf√ľgbar sind, sowie auf zwei Leitf√§den zum Thema: SVGW-Information W15007 ¬ęW√§rmenutzung aus Trinkwasser¬Ľ und VSA-Praxisleitfaden ¬ęEnergie in ARA¬Ľ.

W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwasser

Phidias Marco (CSD Ingenieure AG) beschrieb zun√§chst die drei verf√ľgbaren Systeme f√ľr die W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwasser: am Geb√§udeausgang, im Abwasserkanal und am ARA-Ausgang. Die letztgenannte Option ist einfach zu implementieren und hat keine negativen Auswirkungen auf die ARA. Allerdings wurden bislang nur 2% des Potenzials auf ARA-Ebene genutzt. Auch die W√§rmer√ľckgewinnung am Ausgang des Geb√§udes hat nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die ARA. Bei Neubauten ist dieses System leicht zu implementieren. Marco empfahl: ¬ęBei den folgenden neuen und bestehenden Projekten sollte die W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwassersystematisch untersucht werden: Hallenb√§der, Krankenh√§user, Sportanlagen, Hotels mit Spa, gro√üe Wohnanlagen.¬Ľ Das Potenzial der W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwasserkan√§len ist gross, aber es gibt auch viele Nachteile, insbesondere die schwierige Umsetzung.

Wladimir Manzi erl√§uterte, wie Projekte zur W√§rmer√ľckgewinnung aus Abwasserkan√§len im Kanton Genf gef√∂rdert und genehmigt werden. Eine der Auflagen in diesem Zusammenhang ist, dass durch die Nutzung der Abwasserw√§rme die Temperatur des Abwassers am Eingang der ARA nicht unter 14 ¬įC sinken darf. Neben dieser Auflage muss auch das Potenzial nachgewiesen werden. Es wurde eine Studie und Simulation des Prim√§rnetzes des Kantons Genf durchgef√ľhrt, um geeignete Stellen mit hohem Potenzial zu identifizieren, f√ľgte er hinzu.

Wärme- und stromautarke ARAs

Der Vortrag von Jonas Margot (RWB SA) widmete sich schliesslich der Energie auf ARA, die einerseits grosse Energieverbraucher sind, andererseits aber gleichzeitig ein grosses Potenzial der Energieproduktion (Biogasporduktion, R√ľckgewinnung von Abwasserw√§rme, Photovoltaik und Abwasserturbinierung) aufweisen. Margot warb f√ľr Energieautonomie der ARA und betonte, dass Autonomie nicht mit Autarkie verwechselt werden d√ľrfe:¬†¬ęF√ľr ARA ist es notwendig, an die Netze angeschlossen zu sein, um die Ressourcen bestm√∂glich zu nutzen.¬Ľ Die angestrebte Energieautonomie (lokale Nutzung der Ressourcen √ľber eine WKK) bedeutet, dass vor allem im Sommer √ľbersch√ľssige W√§rme produziert wird, die nach M√∂glichkeit verwertet werden sollte.

Kommentar erfassen

Kommentare (0)

e-Paper

«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.

Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.

Die «gazette» gibt es auch als E-Paper. Sämtliche bisher erschienen Ausgaben sind frei zugänglich.