Laut einem Bericht der NZZ am Sonntag wiesen Messungen im Zeitraum zwischen September und Oktober 2025 im Oberlauf der Wyna Deltamethrin-Werte auf, die den ökotoxikologischen Höchstwert um das bis zu 4200-Fache überschritten – nach offiziellen Angaben lag der höchste gemessene Wert bei etwa 7,3 Nanogramm pro Liter, während der Höchstwert bei 0,0017 ng/L liegt. Die Berichte betonen, dass dieser Wirkstoff hochgiftig für Fische und Insekten ist und daher besonders besorgniserregend, weil er die aquatische Umwelt bereits in geringen Konzentrationen stark belasten kann. Deltamethrin ist seit 2023 für Landwirtschaftsbetriebe mit Direktzahlungsanspruch verboten. Ausnahmebewilligungen sind jedoch möglich. Eine solche Bewilligung wurde für die Behandlung von Rapsfeldern im Luzerner Oberland erteilt, was vermutlich zur Verunreinigung der Wyna geführt hat.
Chemische Verunreinigungen in Oberflächengewässern beunruhigen die Bevölkerung, auch weil von ihnen ein Risiko für die Trinkwassersicherheit ausgehen kann. Entsprechend sind Wasserversorgungen vielerorts mit der Aufforderung konfrontiert, über mögliche Verunreinigungen des Trinkwassers mit Deltamethrin zu informieren. Einzelne Gemeinden verlangen, das Grundwasser auf diesen Stoff zu beproben.
Die Wasserversorgung kontrolliert die Trinkwasserqualität im Rahmen der Selbstkontrolle risikobasiert. Dies bedeutet, dass nur diejenigen Stoffe beprobt werden, die aufgrund von Gefährdungen im Einzugsgebiet potenziell im Roh- oder im Trinkwasser nachgewiesen werden könnten. Bei Deltamethrin ist dieses Risiko praktisch nicht gegeben. Deltamethrin und seine Abbauprodukte werden im Boden gut zurückgehalten und gelangen daher nicht ins Grundwasser. Die Substanz baut sich zudem relativ gut ab. Während die gemessenen Konzentrationen in der Wyna für Wasserlebewesen hoch problematisch sind, liegen sie deutlich unterhalb des Höchstwertes für Pestizide im Trinkwasser. Für relevante Pestizide bzw. deren Metaboliten liegt der Höchstwert im Trinkwasser bei 0,1 μg/L. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass Deltamethrin im Grundwasser in relevanten Konzentrationen nachgewiesen werden kann und das Trinkwasser gefährdet. Aus Sicht der risikobasierten Selbstkontrolle ist es für eine Wasserversorgung daher nicht angezeigt, die Grundwasserressourcen auf die Substanz Deltamethrin zu beproben. Für die Kommunikation mit der Bevölkerung, kann eine Messung aber sinnvoll sein.
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Der Baselbieter Kantonschemiker Dr. Peter Brodmann bestätigt als Vertreter des VKCS und Mitglied der Wasserhauptkommission des SVGW diese Einschätzung:
«Deltamethrin zeichnet sich durch eine gute Abbaubarkeit sowie eine hohe Sorptionsaffinität an organische Bodensubstanz aus. Infolgedessen ist das Risiko eines Eintrags in das Grundwasser als äusserst gering einzustufen. Vor dem Hintergrund dieser risikobasierten Bewertung ist eine Aufnahme von Deltamethrin in die reguläre Selbstkontrolle der Wasserversorgungen fachlich nicht indiziert.»
Brodmann fügt aber an, dass im Rahmen der Kommunikation über die Wasserqualität eine Messung sinnvoll sein kann. So könne die Versorgung aufzeigen, dass im Trinkwasser kein Deltamethrin in relevanten Konzentrationen vorhanden ist. Damit werde das Vertrauen der Bevölkerung in die Wasserqualität gestärkt.
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