Die Messe aqua pro fand vom 4. bis 6. Februar 2026 in Bulle statt und brachte Fachpersonen, Gemeinden und Unternehmen aus der gesamten Schweiz zusammen. Die Messe für den globalen Wasserkreislauf bot während dreier Tage ein umfangreiches Programm mit Vorträgen und Diskussionen. Zu den Schwerpunkten gehörten unter anderem die Themen «Wasserzählung und -abrechnung», «Frauen und Wasser» sowie «Erweiterung oder Renovierung einer Kläranlage». Am Freitag stand die SVGW/VSA‑Fachtagung zum Thema «KI in der Wasserwirtschaft: aktuelle Instrumente und Perspektiven» auf dem Programm. Sie gab einen Überblick über Funktionsweise, Einsatzmöglichkeiten und Grenzen von KI im Trinkwasser‑ und Abwasserbereich. Zudem waren SVGW und VSA mit einem gemeinsamen Stand vertreten, an dem zahlreiche Gespräche geführt wurden und ein reger Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche stattfand.
«KĂĽnstliche Intelligenz (KI) bezeichnet die Fähigkeit von Computern, aus Daten zu lernen, ohne im klassischen Sinn programmiert zu sein»– so lautet eine Definition des Informatikers und KI‑Pioniers Arthur Lee Samuel. In ihrem Einleitungsreferat an der SVGW/VSA‑Fachtagung erläuterte Laura Tocmacov von ImpactIA die zentralen Konzepte und ordnete die Technologie fachlich ein. Neben regelbasierter KI, wie sie etwa in Spamfiltern genutzt wird, gewinnen generative Modelle an Bedeutung. Diese können selbstständig Texte, Bilder oder Ideen erzeugen. Zudem hob sie drei Merkmale hervor, durch die sich KI von bisherigen Werkzeugen unterscheidet: simulierte Empathie, agentenbasierte AufgabenerfĂĽllung sowie kreative Inhalte. Diese Entwicklungen eröffnen neue Möglichkeiten, verändern aber auch Arbeitsabläufe und Berufsbilder. Â
Jean‑Daniel Schläppy von Swalo stellte fest, dass Gemeinden beim KI‑Einsatz deutlich hinter Bund und Kantonen zurückliegen. Zu den Herausforderungen gehören Datenschutz, digitale Souveränität, Sicherheit und Effizienz. Als Ansatz präsentierte er «GemeindeGPT», eine seit 2025 verfügbare Betaversion, die typische Verwaltungstätigkeiten unterstützt. Die KI kann vordefinierte oder freie Prompts nutzen und datenschutzkonform auf spezifische Dokumente, z. B. die Richtlinie W12, beschränkt werden. Schläppy betonte, dass KI als Unterstützung, nicht als Ersatz fungiere und so eingesetzt werden müsse.
Charlotte Eyssautier und Soline Jeanthon von WSP erläuterten, wie generative Methoden die Planung technischer Anlagen unterstützen können. Während die klassische KI-Daten analysiert und Szenarien berechnet, erzeugen generative Systeme technische Varianten auf Basis physikalischer und mathematischer Modelle. Das präsentierte Tool «Transcend» erstellt automatisch technische Unterlagen, Variantenvergleiche oder CO₂‑Bilanzierungen und kann frühe Planungsphasen beschleunigen. Die Technologie erweitert den Lösungsraum, ersetzt jedoch nicht das fachliche Urteil von Ingenieurinnen und Ingenieuren.
Mehrere Abwasserreinigungsanlagen kämpfen heute mit steigenden Betriebskosten. Am Beispiel der STEP du Bois de Bay zeigte Guillaume Cubizolles von SIG, wie KI helfen kann, den Energieverbrauch einer Abwasseranlage zu senken. Die Anlage benötigte rund 3200 MWh Strom pro Jahr. 2022 wurde deshalb die KI-gestützte Steuerung «Purecontrol» eingeführt. Sie passt unter anderem die Luft und Reagenzmenge automatisch an die aktuelle Belastung an, reagiert auf wetterbedingte Schwankungen und verringert manuelle Eingriffe, die zu Fehlern oder unnötig vorsichtigen Einstellungen führen können. Im gezeigten Beispiel amortisierte sich die Investition rasch. Voraussetzung für die KI-Lösung sind jedoch verlässliche Daten, Massnahmen für die Cybersicherheit und eine sorgfältige Überwachung.
Yvan Jacquat von GradeSens zeigte, wie KI genutzt werden kann, um technische Anlagen frühzeitig auf mögliche Probleme zu überwachen. Grundlage sind kontinuierlich erhobene Sensordaten wie Temperatur, Vibrationen oder Stromaufnahme, die von KI‑Modellen analysiert werden. Das Modell erstellt aus diesen Daten digitale «Zwillinge» der Maschinen. So lassen sich Abweichungen vom Normalverhalten früh erkennen, oft Wochen vor einer Störung. Dies erleichtert die Planung von Wartungen und verhindert Ausfälle, erfordert jedoch weiterhin korrekt erhobene und geprüfte Daten.
In der anschliessenden Präsentation zeigten Nicolas Caradot (KWB) und Yoann Sadowski (Ville de Lausanne), wie KI eingesetzt werden kann, um den Zustand von Abwassernetzen genauer zu beurteilen und die Sanierungsplanung zu verbessern. Das Tool «SEMAplus» verknüpft kamerabasierte Inspektionsdaten mit weiteren Netz- und Umweltdaten und berechnet daraus die Schadenswahrscheinlichkeit einzelner Leitungen. Auf dieser Grundlage lassen sich Abschnitte mit erhöhtem Risiko priorisieren und Inspektionen oder Sanierungen gezielt planen. Für die Stadt Lausanne bedeutet dies, dass Ressourcen effizienter eingesetzt und bislang nicht inspizierte Leitungen besser bewertet werden können. Deutlich wurde aber auch: Verlässliche Prognosen sind nur auf der Basis vollständiger und korrekter Daten möglich. Ungenaue oder fehlende Informationen resultieren unweigerlich in unsicheren Resultaten.
Zum Abschluss der Veranstaltung stellte Bettina Siegenthaler das Netzwerk der VSA Young Professionals vor. Seit 2019 vernetzt es junge Fachpersonen, bietet Workshops, Exkursionen und Veranstaltungen an und schafft damit einen Einstieg in die Wasserbranche. Der Austausch unterstützt die berufliche Entwicklung und fördert den Nachwuchs im Sektor.
Die diesjährige Ausgabe der aqua pro erfüllte wieder ihre wichtige Rolle innerhalb der Westschweizer Wasserbranche. Sie brachte sowohl Hersteller innovativer, wie auch bewährter Produkte und Dienstleistungen mit interessierten Kunden und Nutzerinnen zusammen, stärkte das Netzwerk und bot mit den spannenden Konferenzen einen wertvollen Einblick in die neuesten Entwicklungen der Wasserwelt.
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