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19. März 2026

Symposium am Weltwassertag

Wasser und Klima: Zusammenarbeit über Sektorgrenzen hinweg

Die Beiträge zum Symposium am Weltwassertag in Rapperswil machten deutlich, dass Wasserversorgung, Gewässerschutz und Siedlungsentwicklung heute stärker denn je zusammen gedacht werden müssen. Das von der OST gemeinsam mit Partnern wie dem SVGW und dem VSA organisierte Symposium rückte deshalb die Verantwortung unterschiedlicher Akteure und die Bedeutung interdisziplinärer Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.
Antonia Eichelberg, Martin Bärtschi, 

Wasserfragen bewegen sich zunehmend in einem Spannungsfeld aus Klimawandel, Bevölkerungswachstum, steigendem Nutzungsdruck und höheren Anforderungen an den Ressourcenschutz. Aus diesem Grund stand am Symposium zum Weltwassertag vom 12. März 2026 an der Ostschweizer Fachhochschule in Rapperswil die Frage im Zentrum, wie sich wasserbezogene Herausforderungen unter veränderten klimatischen Bedingungen gemeinsam bewältigen lassen. Bereits in der Eröffnung wurde deutlich, dass sich wasserwirtschaftliche Herausforderungen weder innerhalb einzelner Fachbereiche noch allein mit technischen Mitteln lösen lassen. Erforderlich sind integrierte Ansätze, die Wasserversorgung, Abwasser, Gewässerschutz, Raumplanung und Klimaresilienz gemeinsam betrachten.

Wie der Klimawandel die Wasserwirtschaft verändert

Wie stark sich die Rahmenbedingungen bereits verändern, zeigte Michael Herrmann, Mitarbeiter von MeteoSchweiz und des Center for Climate Systems Modeling (C2SM), in seinem Referat zur Klimazukunft der Schweiz. Steigende Temperaturen, längere Trockenphasen, intensivere Starkniederschläge und ein Rückgang der Schneespeicherung verändern die Grundlagen der Wasserbewirtschaftung. Diese Entwicklungen betreffen nicht nur die Verfügbarkeit von Wasser, sondern auch den Hochwasserschutz, die Siedlungsentwässerung und den Umgang mit Naturgefahren.

Wie wird Wassermanagement «klimafit»?

Norbert Kräuchi, Abteilungsleiter Landschaft und Gewässer beim Kanton Aargau, lenkte in seinem Beitrag den Blick auf Gewässer und Lebensräume. Er widmete sich der Frage, wie Wassermanagement «klimafit» werden kann. Dabei betonte er, dass Anpassungsstrategien nicht nur auf einzelne Gewässerabschnitte ausgerichtet sein sollten, sondern auf die Funktionsfähigkeit ganzer Lebensräume. Unter veränderten klimatischen Bedingungen gehe es zunehmend darum, ökologisch sinnvolle und langfristig tragfähige Zukunftsbilder zu entwickeln. Anpassung bedeute nicht Rückkehr zu früheren Zuständen, sondern vielmehr Gestaltung resilienter Systeme.

Zwischen Gewässerschutz, Versorgung und Kooperation

In der Podiumsdiskussion wurden die zuvor aufgeworfenen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven vertieft. Unter der Moderation von Eva Lieberherr von der ETH Zürich diskutierten Christa McArdell (Eawag), Andreas Peter (Wasserversorgung Zürich), Florian Klingel (Entsorgung St. Gallen), Norbert Kräuchi (Kanton Aargau), Florian Strasser (Swiss Water Partnership/GWF AG) und Janine Kuriger (DEZA).

Es wurde betont, dass chemische Belastungen heute differenzierter beurteilt werden müssen, weil moderne Analytik mehr Stoffe und sehr geringe Konzentrationen nachweisen kann. Dadurch steige der Bedarf an sorgfältiger Einordnung und klarer Kommunikation.  Zugleich wurde unterstrichen, dass die hohe Sicherheit der Trinkwasserversorgung auf den Infrastrukturen und Entscheidungen früherer Generationen beruhe. Um diese Qualität langfristig zu erhalten, brauche es kontinuierliche Investitionen und einen ganzheitlichen Blick auf das Gesamtsystem. Auch die Rolle der Privatwirtschaft wurde als zentral beschrieben: Sie kann zugleich Verursacherin, Betroffene und Teil der Lösung sein. Dafür seien geeignete Plattformen, verbindliche Austauschformate und sektorübergreifende Strukturen nötig. Schliesslich wurde die internationale Dimension besonders hervorgehoben: Wasser wurde als grenzüberschreitende und geopolitisch zunehmend sensible Ressource beschrieben.

Vertiefung in Workshops und Austausch im Blue Market

Vier Workshops vertieften die Themen des Symposiums. Im Fokus standen das integrale Wassermanagement und internationale Engagement von Gemeinden, PFAS und Quaggamuschel sowie sektorübergreifende Kooperationsmodelle. Der SVGW brachte sich dabei insbesondere in den Workshop zu PFAS und Quaggamuschel ein und diskutierte mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Verantwortungen und Handlungsbedürfnisse aufgrund der PFAS-Verunreinigungen. Ergänzt wurde das Symposium durch den Blue Market, wo an verschiedenen Ständen Beispiele aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung rund um das Thema Wasser präsentiert wurden.

Gemeinsam handeln, um die Zukunft zu gestalten

Das Symposium zeigte insgesamt, dass die Wasserwirtschaft vor komplexen, aber gestaltbaren Aufgaben steht. Klimawandel, Spurenstoffe, Versorgungssicherheit und Ressourcenschutz verlangen nach neuen Formen der Zusammenarbeit und nach einer Wasserstrategie, die technische, ökologische und gesellschaftliche Fragen zusammenführt. Der Grundtenor des Tages war klar: Zukunftsfähige Lösungen entstehen dort, wo Akteure über Fach- und Institutionsgrenzen hinweg Verantwortung teilen und gemeinsam ins Handeln kommen.

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