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23. April 2026

Fachtagung

Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Bereits zum fünften Mal wurde die SVGW-Fachtagung zu Arbeitsicherheit und Gesundheitsschutz durchgeführt. Neben zahlreichen Vorträgen gab es eine Podiumsdiskussion zu Sonne, Hitze und UV-Strahlung. Die Pausen konnten nicht nur fürs Networking, sondern auch für einen Parcours der BFU genutzt werden.
Margarete Bucheli 

Nach einer kurzen Begrüssung durch Tagungsorganisator Karsten Reichart (SVGW) startete direkt der erste Vortragsblock zum Thema Arbeiten im Bereich erdverlegter Werkleitungen. Zunächst berichtete Matthias Maurer von Energie Service Biel von einem Beinahe Unfall: Bei Pfahlungsarbeiten waren im Vorfeld weder durch das zuständige Ingenieurbüro noch durch die Rammfirma Werkleitungspläne konsultiert worden. In der Folge wurde eine Gasleitung aus Stahl durch einen Pfahl um rund 60 cm in die Tiefe gedrückt. Dadurch riss die Leitung in einem nahe gelegenen Schacht aus der Flanschverbindung, was zu einem starken Gasaustritt führte. Glücklicherweise kam es zu keinem Personenschaden, der Sachschaden war jedoch erheblich. Aufwendige Tiefbauarbeiten waren erforderlich. Erst nach 13 Tagen konnte die Gasleitung wieder in Betrieb genommen werden.

Anschliessend stellte Andreas Degen (AEW Energie AG) einen Leitfaden für sicheres Arbeiten im Bereich von erdverlegten Werkleitungen vor, der gemeinsam von SVGW und VSE entwickelt wurde und demnächst veröffentlicht werden soll. Das Dokument behandelt die besonderen Gefährdungen sowie die erforderlichen Schutzmassnahmen bei Arbeiten an erdverlegten Werkleitungen wie Elektrizität, Gas, Wasser und thermischen Leitungen. Es gilt für sämtliche Erdarbeiten auf öffentlichen wie auch auf privaten Grundstücken. Den zentralen Grundsatz des Leitfadens fasste Degen wie folgt zusammen: «Der Bauunternehmer muss mit dem verantwortlichen Werkleitungseigentümer festlegen, welche Schutzmassnahmen zu treffen sind. Die vereinbarten Massnahmen sind schriftlich festzuhalten. Eine Kopie dieser Vereinbarung muss auf der Arbeitsstelle vorhanden sein.»

Sicherheit ist ein Gesamtsystem

Matthias Hafner (SVGW) präsentierte das Sicherheitssystem der Gasbranche. Dabei betonte er, dass es sich nicht um einzelne Massnahmen, sondern um ein umfassendes Gesamtsystem handelt, das aus miteinander verknüpften Elementen besteht. Diese Sicherheitskette umfasst sämtliche Prozesse – von der Produktion und Einspeisung über Transport und Verteilung bis hin zum Gebäudeanschluss, zur Installation und zum Gasgerät. Auf jeder Stufe sind klare Abläufe erforderlich, ergänzt durch schriftlich festgehaltene Vorgaben sowie den Einsatz qualifizierter Fachpersonen. Zusätzlich erhöhen Mehrfachbarrieren, periodische Kontrollen und der systematische Erfahrungsrückfluss aus Ereignissen die Sicherheit, wie Hafner erklärte.

Umsetzung der Branchenlösung

Die Stadt Wädenswil ist derzeit zwar daran, ein Sicherheitskonzept mit SiBe aufzubauen, doch dieses deckt nicht alle Bereiche ab, die für die Werke Wädenswil relevant sind, wie deren technischer Leiter Thomas Marti ausführte. Die Werke Wädenswil haben sich daher entschieden, die SVGW-Branchenlösung umzusetzen. Unterstützt werden sie dabei von der SVGW-Geschäftsstelle. Das betriebliche Sicherheitssystem soll – zumindest teilweise – im digitalen Tool PREVITAR hinterlegt werden, dass auch die Stadt Wädenswil nutzt.

Neues zum Thema Radon

Das radioaktive Edelgas Radon entsteht im Boden aus Uran und kann sich in unterirdischen Bauten anreichern. Es ist davon auszugehen, dass jährlich rund 200 bis 300 Todesfälle auf Radon zurückzuführen sind, erklärte Roland Krischek von der Suva. An radonexponierten Arbeitsplätzen – dazu zählen unter anderem Arbeitsplätze in unterirdischen Bauwerken sowie in Wasserversorgungsanlagen – stellen personenbezogene Messungen ein geeignetes Mittel dar, um die Strahlendosis des Betriebspersonals zu überwachen. Krischek wies zudem darauf hin, dass eine Anpassung der Dosimeterverordnung dazu führt, dass sich die bislang ermittelten effektiven Dosen, denen Personen an radon­exponierten Arbeitsplätzen ausgesetzt sind, erhöhen.

Arbeitshygiene im Wasser-, Gas- und Wärmefach

Thomas Eiche gab einen Überblick über die Arbeitshygiene. Er wies darauf hin, dass grundsätzlich alle chemischen Substanzen eine – potenziell toxische – Wirkung haben können. Ob und wann diese Wirkung eintritt, hängt von der aufgenommenen Dosis ab. Da unterhalb einer bestimmten Dosis keine gesundheitlichen Auswirkungen zu erwarten sind, besteht das Schutzziel darin, die Exposition unterhalb dieser erlaubten Dosis zu halten. Weiter erläuterte er, wie diese zulässigen Dosen aus Tierversuchen unter Anwendung geeigneter Sicherheitsfaktoren abgeleitet und wie, darauf aufbauend, schliesslich Grenzwerte, beispielsweise MAK Werte, festgelegt werden.

Podium zu Sonne, Hitze und UV-Strahlung

Auf dem Podium diskutierten – moderiert von Karsten Reichart – Sheela Süess (Energie 360° AG), Roland Krischek (Suva) und Thomas Eiche (Thomas Eiche GmbH). Wurde das Thema Sonnenschutz früher weitgehend der Selbstverantwortung überlassen, ist es inzwischen in den betroffenen Branchen gut verankert. Für die Akzeptanz der Massnahmen ist die aktive Mitwirkung der Mitarbeitenden von zentraler Bedeutung, etwa bei der Auswahl der Sonnencreme oder eines geeigneten Nackenschutzes. Bei Hitze stehen organisatorische Massnahmen im Vordergrund, wie sie auch in der Suva Checkliste «Arbeiten im Freien bei Sonne und Hitze» beschrieben sind.

Was läuft beim SVGW?

Sheela Süess informierte über die Überarbeitung der Branchenlösung. Dabei wird unter anderem das Thema Wärme vollständig integriert. Im Bereich Gas erfolgt zudem die Einbindung von Wasserstoff. Darüber hinaus wird die Gefährdungsermittlung grundlegend überarbeitet. In diesem Zusammenhang rief Sheela Süess zur aktiven Mitwirkung aller Beteiligten auf.

Des Weiteren stellte Cristina Seoane das Bildungsangebot des SVGW vor und ging dabei insbesondere auf die vielfältigen Angebote im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz ein.

Zum Abschluss präsentierte Michael Schneiter (SVGW) das Instrument der Kompetenzmatrix. Dieses ermöglicht es, darzustellen, über welche Fähigkeiten, Kenntnisse und Qualifikationen einzelne Mitarbeitende oder ganze Teams verfügen. Auf diese Weise lassen sich Stärken und Lücken – und damit der Weiterbildungsbedarf – gut identifizieren.

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