Ursprünglich als hilfreiche Stoffe entwickelt, jahrzehntelang in riesigen Mengen produziert und eingesetzt, stehen PFAS auf einmal im Fokus der Öffentlichkeit und der Politik (siehe Box 1), weil neue Erkenntnisse zeigen, wie weit verbreitet in der Umwelt und wie gesundheitsgefährdend sie sind[1].
PFAS umfassen ein Stoffspektrum von tausenden an Einzelstoffen[2]. Es handelt sich dabei um sogenannte per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, die aus unterschiedlich langen Kohlenstoffketten bestehen mit gebundenen Fluoratomen. Das macht sie nicht nur sehr hitzebeständig, wasser-, fett- oder schmutzabweisend, sondern auch enorm stabil. Deshalb nennt man sie auch Ewigkeitschemikalien.
PFAS werden seit den 1940er Jahren industriell hergestellt und kommen weit verbreitet zum Einsatz. Eine neuere Studie[3] gibt eine Übersicht über mehr als 1’400 unterschiedliche PFAS, welche in über 200 Anwendungen zum Einsatz kommen. Als kommerziell relevant gelten knapp 300 Einzelstoffe[4].Typische Anwendungsbeispiele sind: Outdoorbekleidung, Lebensmittelverpackungen, Kosmetika (z.B. Lippenstifte), Papierbeschichtungen, Feuerlöschschäume oder Skiwachs. PFAS betreffen derart viele Lebensbereiche, dass sie eigentlich gar nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken sind.
Schon länger im Fokus stehen PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) und PFOA (Perfluoroctansäure). Sie kamen in Imprägnierungsmitteln, in der Galvanotechnik, oder – insbesondere PFOS – in Feuerlöschschäumen zum Einsatz[5]. In der Schweiz ist PFOS seit 2011 weitgehend verboten, PFOA wird seit 2021 vom Markt genommen.
PFAS werden anhand ihrer Molekülgrösse in drei Gruppen unterteilt[6]: (i) die langkettigen (mit mehr als sechs fluorierten Kohlestoffatomen, beispielsweise PFOS), (ii) die kurzkettigen (mit weniger als sechs fluorierten Kohlenstoffatomen, beispielsweise PFHpA) und (iii) die ultrakurzkettigen (mit weniger als drei fluorierten Kohlenstoffatomen, beispielweise Trifluoressigsäure TFA). Polymere, wie Fluorpolymere (z.B. Teflon) oder seitenkettenfluorierte Polymere gehören auch in die Gruppe der PFAS[7].
Weil PFAS in der Umwelt nicht vollständig abgebaut, sondern nur zu kurzkettigeren PFAS umgewandelt werden, steigen deren Konzentrationen kontinuierlich an[8].
Box 1: PFAS in der Schweizer Politik angekommen
Neben zahlreichen politischen Anfragen und Vorstössen prägen gegenwärtig insbesondere die Motion Maret[9] und das Postulat Moser[10] die Aktivitäten in der Schweiz hinsichtlich PFAS. Die Motion Maret verlangt die Festlegung von PFAS-spezifischen Werten auf Verordnungsstufe. Das Postulat Moser fordert einen nationalen Aktionsplan, mit dem Ziel, Mensch und Umwelt weniger stark durch langlebige Chemikalien zu belasten[11]. Am 19. Dezember 2025 beschloss der Bundesrat einen entsprechenden Aktionsplan zu erarbeiten[12].
Die Schweiz orientiert sich bei ihren Aktivitäten auch an den internationalen Entwicklungen – insbesondere an denjenigen in der EU[13]. Die Schweiz ist ebenfalls Teil von internationalen Abkommen, wie beispielsweise dem Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Stoffe (POP-Konvention). Dieses Übereinkommen hat zum Ziel, die Umweltbelastung mit solchen Stoffen zu verringern[14]. PFOS, PFOA, PFHxS und deren Vorläuferstoffe, sowie langkettige PFCAs C9-C21 sind in diesem Übereinkommen aufgenommen. Die Umsetzung in der Schweiz erfolgt über die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV).
PFAS reichern sich sowohl in der Umwelt als auch im menschlichen Körper an. In den menschlichen Körper gelangen sie insbesondere über die Nahrung, und reichern sich in Blut, Leber und Niere an. PFOS hat beispielsweise im menschlichen Körper eine Halbwertszeit von rund 5.4 Jahren[15].
Immer mehr Untersuchungen belegen, wie weitverbreitet PFAS sind und deuten auf (mögliche) human- und ökotoxikologische Risiken hin. Sie stehen im Verdacht, krebserregend zu sein und können das Immunsystem, die Leber sowie die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Studien deuten darauf hin, dass PFAS die Hormonregulation stören und zu Entwicklungsstörungen führen können. PFAS stellen nicht nur für die Menschen ein Risiko dar, sondern auch für die Ökologie: Sie belasten Wasserorganismen und reichern sich in der Nahrungskette an.
In der Schweiz existieren Trinkwassergrenzwerte für PFOS und PFHxS (beide 0.3 µg/L) und für PFOA (0.5 µg/L). Es laufen aktuell Diskussion, ob die Schweiz den seit Januar 2026 geltenden EU-Grenzwert (0.1 µg/L für 20 PFAS zusammen) übernehmen wird. Für PFOS, PFOA, PFNA und PFHxS existieren seit 2024 Grenzwerte für Eier, Fleisch und Fisch[16], welche in der Schweiz gemäss einer Datenerhebung des Verbands der Kantonschemiker/-innen (VKCS) weitgehend eingehalten werden[17].
Landwirtschaftlich genutzte Flächen sind teils stark mit PFAS belastet, weil bis 2006 die Landwirtschaft den Klärschlamm von Abwasserreinigungsanlagen (ARA) als Dünger nutzte[18]. Wie stark diese Belastung ist, tritt erst nach und nach zu Tage, wie beispielsweise Untersuchungen durch den Kanton St. Gallen[19] zeigen. Schweizweit am häufigsten nachweisbar ist jeweils PFOS[20], welches über eine lange Zeit in Feuerwehrlöschschäumen zum Einsatz kam. Davon betroffen sind auch gewisse ARA-Areale (siehe Box 2).
Box 2: PFAS auch auf Kläranlagen-Arealen eine Herausforderung
PFAS-haltige Feuerlöschschäume verunreinigten auch den Boden und Untergrund von jenen ARA-Arealen, wo diese Löschschäume zu Übungszwecken verwendet wurden. In diesen Fällen müssen die Kantone – wie bei Belastungen mit anderen Stoffen (z.B. polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, chlorierte Lösungsmittel) – zuerst mittels Altlastenuntersuchungen klären, ob Sanierungsmassnahmen gemäss Altlastenverordnung notwendig sind, oder – im Falle von Bauvorhaben – lediglich Abfallmaterial gemäss Abfallverordnung entsorgt werden muss.
Handelt es sich um eine zu sanierende Altlast muss der/die Verursacher/-in ausfindig gemacht und die Altlast zwingend saniert werden. Die Sanierungsmassnahmen können unter gewissen Voraussetzungen über den VASA-Altlasten-Fonds[21] mitfinanziert werden – jedoch nur für den sanierungsbedürftigen Teil. Das restliche, belastete Aushubmaterial muss die ARA auf eigene Kosten entsorgen. Findet die Entsorgung im Rahmen eines Bauprojektes zur Elimination der Mikroverunreinigungen statt, werden die Kosten des zwingend notwendigen Aushubs über den Abwasserfonds mitfinanziert.
Für ARA empfiehlt sich, bei einem Eintrag im Kataster der belasteten Standorte oder bei Verdachtsfällen (z.B. ehemaliges industriell-gewerbliches Gebiet, ehemalige Löschübungsplätze) den Standort frühzeitig hinsichtlich allfälliger Schadstoffe zu untersuchen und mit den zuständigen Behörden hinsichtlich altlasten- und abfallrechtlicher Beurteilung Kontakt aufzunehmen.
Über verschiedene Wege ins Gewässer
PFAS gelangen über verschiedene diffuse Quellen (z.B. über Luftemissionen) und über Punkt-Quellen in die Umwelt. In die Gewässer gelangen PFAS über das gereinigte Abwasser, aber auch aus belasteten Standorten, wie beispielsweise von Löschübungsplätzen oder belasteten Böden (siehe oben). Für einzelne PFAS, insbesondere TFA, sind auch Einträge aus landwirtschaftlichen Flächen von wesentlicher Bedeutung, denn TFA kann als Abbauprodukt aus verschiedenen Pflanzenschutzmitteln entstehen.
Eine Stoffflussbetrachtung des Kantons Zürich[22] – anhand der PFAS-Frachtsummen von neun PFAS-Einzelsubstanzen[23] – zeigt, dass rund 65% der PFAS-Einträge in die Gewässer aus diffusen Quellen stammen, die sich aktuell aber keiner spezifischen Quelle zuordnen lassen. Gereinigtes Abwasser macht rund 35% der PFAS-Fracht in die Gewässer aus. Im Weiteren schätzt die Studie des Kantons Zürich ab, dass knapp ein Viertel (rund 22%) der PFAS-Einträge in die Gewässer aus Industrie und Gewerbe stammt. In solchen Betrieben – wie beispielsweise in der Textilveredlung oder in der Galvanotechnik – kommen PFAS zur Anwendung und gelangen bei Prozessen, in denen sie mit Wasser in Kontakt kommen ins Abwasser. Bei Deponien lösen sich PFAS aus den eingelagerten Abfällen heraus und gelangen mit dem Regen über das Deponiesickerwasser in die Gewässer. Gemäss der oben erwähnten Stoffflussbetrachtung machen Deponien rund 1% der PFAS-Gesamtfracht in den Zürcher Gewässern aus. Auf einzelnen ARA kann der Beitrag von Deponien hingegen über einen Drittel ausmachen. Auch in das häusliche Abwasser gelangen PFAS, wo PFAS-haltige Produkte mit Wasser in Kontakt kommen, wie beispielsweise beim Kleiderwaschen. Häusliches Abwasser macht rund 9% aus an der PFAS-Fracht in den Zürcher Gewässern.
Abwassermessungen in Österreich[24] zeigen eine grosse Variation in der PFAS-Zusammensetzung und in deren Konzentrationen bei den einzelnen ARA. Zudem zeigen die Messungen, dass ARA die PFAS schlecht aus dem Abwasser entfernen – was nach heutigem Wissensstand auch auf ARA mit einer Ozon- oder Aktivkohlebehandlung zutrifft. Allerdings erfassen die derzeit verfügbaren analytischen Methoden nur einen kleinen Teil der PFAS im Abwasser und in den Gewässern.
Der Wissensstand entwickelt sich laufend weiter. Eine Ăśbersicht ĂĽber neueste wissenschaftliche Erkenntnisse werden durch die Eawag, die Empa und das Ă–kotoxzentrum unter folgendem LINK zur VerfĂĽgung gestellt.
Der VSA fordert griffige Massnahmen an der Quelle
Es ist ein Generationenprojekt, die Umwelt vor weiteren PFAS-Emissionen zu entlasten. Aus Sicht des VSA ist es dringend notwendig, die PFAS-Einträge in die Gewässer zu unterbinden und dadurch die Gewässer, die Umwelt und letztlich den Menschen langfristig vor diesen Stoffen zu schützen. Der VSA fordert deshalb, PFAS grundsätzlich und möglichst rasch durch weniger problematische Stoffe zu ersetzen und wo das nicht möglich ist, den Eintrag ins Abwasser zu minimieren. Denn sind PFAS einmal im Wasser, ist es technisch schwierig und mit sehr hohem Ressourcenaufwand verbunden, sie wieder daraus zu entfernen.
Eine bedeutende Punktquelle für PFAS-Einträge in die Gewässer ist Industrie- und Gewerbeabwasser (siehe weiter oben). Für griffige Massnahmen an diesen Quellen – insbesondere, um numerische Anforderungen für die Ableitung von solchen PFAS-belasteten Abwässer festzulegen – fehlen aber gegenwärtig noch belastbare Grundlagen. Man weiss beispielsweise nicht, welche Betriebe welche PFAS in welchen Mengen in ihren Abwässern aufweisen und wie gut sich diese entfernen lassen.
Erst wenn die erforderlichen Grundlagen zur Verfügung stehen, kann der Vollzug für PFAS-belastetes Abwasser konkretisiert werden. Dem VSA ist es ein Anliegen, dass man diese Aktivitäten gut unter den betroffenen Akteuren koordiniert und die vorhandenen Ressourcen bündelt. Deshalb treibt der VSA gemeinsam mit der KVU, dem BAFU, den Kantonen und weiteren Akteuren die erforderlichen Arbeiten voran. Es wurden folgende Arbeitsschwerpunkte identifiziert[25]:
Der VSA begrüsst zudem den vom Bundesrat beschlossenen Aktionsplan[26] zum Umgang mit langlebigen Chemikalien wie PFAS (siehe Box 1), und unterstützt, dass nicht nur PFAS, sondern allgemein die langlebigen Chemikalien im Fokus stehen. Denn solche Stoffe belasten unsere Gewässer und deren Eintrag muss weiter zurückgehen, beispielsweis durch gezielte Massnahmen an der Quelle bei Industrie- und Gewerbebetrieben[27]. Der Bund soll diesen Aktionsplan nun möglichst rasch angehen.
[1] LINK (Stand: 2.3.2026):Â
[2] Gemäss Erhebungen der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) verfügen rund 4'700 PFAS über eine CAS-Nummer. LINK (Stand: 2.3.2026).
[3] GlĂĽge et al. (2020). Environmental Science: Processes & Impacts 22(12). LINK (Stand: 2.3.2026).
[4] Buck, R.C., Korzeniowski, S.H., Laganis, E., Adamsky, F. (2021). Identification and classification of commercially relevant per- and poly-fluoroalkyl substances (PFAS). doi: 10.1002/ieam.4450. LINK (Stand: 2.3.2026).
[5] Der VSA fordert ein generelles PFAS-Verbot in Feuerlöschschäumen. LINK (Stand: 2.3.2026).
[6] VSA (2025). Entfernung von PFAS aus gefasstem Deponiesickerwasser und gepumptem verunreinigtem Grundwasser von belasteten Standorten. Leitfaden zum Stand der Technik. Glattbrugg. LINK (Stand: 2.3.2026).
[7] Evich, M.G. et al. (2022). Per- and polyfluoroalkyl substances in the environment. Science. LINK (Stand: 2.3.2026).
[8] LINK (Stand: 2.3.2026).
[9] LINK (Stand: 2.3.2026).
[10] LINK (Stand: 2.3.2026).
[11] LINK (Stand: 2.3.2026).
[12] LINK (Stand: 2.3.2026).
[13] Aufgrund der engen wirtschaftlichen Verflechtungen wird das Schweizer Chemikalienrecht in Teilbereichen mit dem entsprechenden EU-Recht harmonisiert (sogenannter «autonomer Nachvollzug»).
[14] LINK (Stand: 2.3.2026).
[15] Zennegg, M. (2025). Grundlagen, Bedeutung sowie Eintragsquellen von PFAS. Agridea-Kurs PFAS in der Landwirtschaft vom 22.5.2025.
[16] Verordnung des EDI über die Höchstgehalte von Kontaminanten, Änderung vom 8. Dezember 2023.
[17] LINK (Stand: 2.3.2026).
[18] LINK (Stand: 2.3.2026).
[19] LINK (Stand: 2.3.2026).
[20] Thalmann, B. (2022). Schweizer Böden erstmals auf umweltschädliche PFAS untersucht. ZHAW Life Sciences und Facility Management. LINK (Stand: 2.3.2026).
[21] LINK (Stand: 2.3.2026)
[22] Schneiter, R., Götz, Ch., Durisch-Kaiser, E., Niederhauser, P., Zea Escamilla, M., Schneider, N. (2026). Quellen und Eintragspfade von per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) in Fliessgewässer. A&G, Nr. 3, S. 24-30.
[23] Gemäss Empfehlung des BAFU im Bereich Altlasten: PFBA, PFPeA, PFHxA, PFHpA, PFOA, PFNA, PFBS, PFHxS und PFOS (BAFU-9).
[24] Lenz, K., Clara, M. (2025). PFAS in Kläranlagenabläufen und Fließgewässern. 1. Österreichischer PFAS-Tag «PFAS in der Wasserversorgung, Abwasserwirtschaft und Abfallwirtschaft».
[25] Eugster, F., Sommer, M., Czekalski, N. (2026). CC Industrie und Gewerbe: Vollzug fĂĽr PFAS-belastetes Abwasser aus Industrie und Gewerbebetrieben konkretisieren. A&G. LINK (Stand: 3.2.20226).
[26] LINK (Stand: 30.1.2026).
[27] Wunderlin, P., Gulde, R. (2022). Situationsanalyse «Stoffeinträge aus Industrie und Gewerbe in Gewässer». Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA), Glattbrugg. LINK (Stand: 2.3.2026).
«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.
Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.
Kommentare (0)