Die Veranstaltung machte einerseits deutlich, dass für eine optimale, funktionstüchtige und wirtschaftliche Abwasserentsorgung eine enge Verzahnung von lokaler und zentraler Abwasserinfrastruktur erforderlich ist. Andererseits veranschaulichten mehrere Referent/-innen, dass neue lokale Ansätze und Technologien nicht für die reine Entsorgung konzipiert sind, sondern insbesondere auch für die Rückgewinnung von Energie und Rohstoffen.
Abwasserentsorgung im ländlichen Raum
Einleitend präsentierten Stefan Hasler (VSA), Tabea Schutter (SEN Fribourg) sowie Richard Haueter (AWEL Zürich) gesetzliche Rahmenbedingungen und den Vollzug von Bewilligungen und Überwachung der Kleinkläranlagen (KLARA). Danach zeigten Aline Hayoz-Andrey (SAC), Pauline Dayer und Marius Klinger (Aneco) sowie Reto Manser (AWA Bern) Beispiele von KLARA aus der Praxis.
Eine besondere Herausforderung bei KLARA liegt darin, dass Betreiber häufig nur begrenztes Verständnis für ihre Anlagen haben und die stete Funktionstüchtigkeit schwierig sicherzustellen ist. Positiv hervorzuheben ist, dass z.B. im Kanton Zürich dank einem erheblichen Vollzugsaufwand rund 90 % der KLARA die geltenden Anforderungen erfüllen.
Weiterentwicklung lokaler Abwasseranlagen
Wie die Zukunft der Abwasserentsorgung ausschauen könnte, beleuchteten Bastian Etter (VUNA), Kai Udert (Eawag), Christoph Bitterli (AfU Solothurn) und Philipp Beutler (Hunziker Betatech AG).
Ein Trend bei den KLARA geht heute in Richtung Kreislaufsysteme: Internationale Normen wie
ISO 30500 und DIN 30762 berücksichtigen bereits die Wiederverwendung von Ressourcen – etwa als Dünger oder Brauchwasser. Hinsichtlich der in den Normen geforderten Reinigungsleistung liegt der Fokus vor allem auf der Frachtreduktion als entscheidendes Bewertungskriterium. Das Erreichen von bestimmten Ablaufkonzentrationen kann ein zusätzliches Kriterium sein, spielt aber nicht für alle lokalen Abwasseranlagen eine relevante Rolle (z. B. NoMix-WCs oder Trockentrenntoiletten).
Überwachung lokaler Abwasseranlagen
Zukünftig muss die Funktionalität nicht nur bei KLARA im ländlichen Raum, sondern bei lokalen Abwasseranlagen generell (unabhängig ihres Standortes) sichergestellt werden. Lokale Systeme sind insbesondere im Kanalisationsbereich ein relevanter Baustein im Hinblick auf Kreislaufwirtschaft sowie dynamische Abfluss- und Frachtsteuerung in bestehenden Abwassersystemen. Benötigt wird dafür eine angepasste Anschlusspflicht.
Vertiefung in World-Cafés
In World-Cafés diskutierten die Teilnehmer/-innen Schlüsselfragen zur Abwasserentsorgung von morgen. So wurde beispielsweise ein Governance-Modell überwiegend positiv bewertet, bei dem alle Abwasserreinigungsanlagen im Besitz eines Verbandes sind (oder zumindest durch diesen betrieben werden) und eine einheitliche Abwassergebühr für alle gilt. Eher kritisch sieht man die Umsetzung von Trockentoiletten im grossen Stil, insbesondere aufgrund möglicher Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung.
Aus den World-Cafés ergaben sich zudem Empfehlungen für VSA, BAFU und Kantone, die wir in der Folge zusammenfassen.
Empfehlungen für VSA
Vor dem Hintergrund, dass der VSA-Leitfaden «Abwasser im ländlichen Raum» in den nächsten Jahren überarbeitet werden muss, monierten die Teilnehmenden folgende Anpassungen:
Zudem regt ein Teil der Teilnehmenden an, dass der VSA für Wartungsfirmen und Betreiber/innen lokaler Abwasserreinigungsanlagen analog den Situationen in Deutschland und Österreich eine dem Zielpublikum entsprechende Ausbildung aufbaut.
Empfehlungen für Kantone
Die Teilnehmenden stellten fest, dass die Kantone verschiedene Vollzugsfragen sehr unterschiedlich handhaben. Für die Harmonisierung des Vollzugs haben sich die Kantone schon vor vielen Jahren zu einer Interkantonalen Arbeitsgruppe Siedlungsentwässerung resp. ARA organisiert. Weder die eine noch die andere Arbeitsgruppe kümmert sich aktuell um Fragen der Abwasserentsorgung im ländlichen Raum. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich zukünftig eine interkantonale Arbeitsgruppe regelmässig zu Vollzugsfragen austauschen würde, beispielsweise:
Empfehlungen zu Handen des BAFU
Die Teilnehmenden monierten verschiedene Punkte, die im Hinblick auf die nächste Revision des Gewässerschutzgesetzes angegangen werden sollten:

Abb. 1: Lokale Abwasseranlagen werden zukünftig idealerweise mittels einfacher App überwacht, welche die Eigentümer/-in zudem alarmiert, falls eine Messgrösse eine Überwachungsgrösse nicht einhält. Das gezeigte Beispiel wurde mit ChatGPT generiert.
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