Im Gegensatz zur klassischen kĂĽnstlichen Intelligenz, die zur Steuerung und Optimierung von Betriebsprozessen eingesetzt wird, greift das generative Design direkt in die Konstruktionsphase ein. „KI ist ein Werkzeug. Der Benutzer liefert die Daten, definiert die Regeln und Einschränkungen. Die KI-Algorithmen werden dann verwendet, um eine Vielzahl von Möglichkeiten zu generieren”, erklären die beiden Ingenieurinnen.Â
Dieser Ansatz ermöglicht es, Ergebnisse zu generieren, die einem strengen und kontrollierten Rahmen entsprechen und somit optimierte Entwürfe liefern. Charlotte Eyssautier und Soline Jeanthon weisen auf einen wichtigen Unterschied hin: „Im Gegensatz zur herkömmlichen KI, deren Zuverlässigkeit von der Qualität und Quantität der für ihr Training bereitgestellten Daten abhängt, stützt sich das generative Design auf physikalische und mathematische Modelle. KI-Algorithmen werden hier ausschließlich zur Generierung von Gestaltungsoptionen verwendet.“
Eine spezielle Plattform fĂĽr generatives Design
WSP arbeitet daher mit Transcend zusammen, einer generativen Designplattform fĂĽr kritische Infrastrukturen wie Pumpstationen oder elektrische Anlagen. Das Tool verspricht eine erhebliche Reduzierung des Zeitaufwands fĂĽr Machbarkeitsstudien, insbesondere fĂĽr die Phase 2 SIA (Vorstudien).
Der Prozess läuft wie folgt ab: Der Ingenieur gibt die Projektdaten ein (Abwasserqualität, zu behandelndes Wasser, Grundstücksbeschränkungen usw.), dann generiert die Software Lösungen und schätzt für jede davon die Ausrüstungslisten, die Daten für den Tiefbau und damit die Investitionskosten. „Mit diesem Tool lässt sich die Auswahlmatrix der Machbarkeitsstudie zu mehr als 70 % ausfüllen, was diese Phase erheblich erleichtert“, erklären die beiden Ingenieurinnen.
Umfassende technische Dokumentation mit wenigen Klicks
Einer der grössten Vorteile des generativen Designs liegt in der Vielfalt und Qualität der damit erstellten Dokumentation. Die Software bietet Darstellungen und Dokumente in nutzbaren Formaten (Excel, Word, AutoCAD), darunter vorgefertigte technische Berichte, PID-Diagramme, AusrĂĽstungslisten mit Schätzungen der Energiekosten, Mengenangaben fĂĽr den Tiefbau und sogar eine CO2-Bilanz des Bauvorhabens.Â
Durch diese Automatisierung sich wiederholender Prozesse können Ingenieure ihren Denkhorizont erweitern und ihren Kunden eine grössere Auswahl anbieten, während sie gleichzeitig wertvolle Zeit sparen.Â
Der Ingenieur bleibt unverzichtbar
Trotz dieser unbestreitbaren Vorteile betonen Charlotte Eyssautier und Soline Jeanthon die Grenzen des Tools. „Der grösste Nachteil der Software besteht darin, dass sie nicht alle realen Einschränkungen berücksichtigen kann, denen ein Projekt unterliegt. Ausserdem sind die Dimensionierungsmöglichkeiten manchmal begrenzt“, betonen sie.
Generatives Design funktioniert gut fĂĽr Standard- und klassische Fälle, hat jedoch Schwierigkeiten mit besonderen Situationen, die jedoch am häufigsten vorkommen. „Der Ingenieur bleibt also weiterhin notwendig“, schlussfolgern die beiden Expertinnen. Die Technologie positioniert sich somit als leistungsstarker Assistent, der bestimmte Phasen des Projekts beschleunigen kann, aber keinesfalls das menschliche Fachwissen und die Fähigkeit zur Anpassung an die einzigartigen Herausforderungen jeder Anlage ersetzt.Â
Quelle
Interview gefĂĽhrt am 6. Februar 2026 bei Aqua Pro
Artikel erstellt von blueark (www.blueark.ch)
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