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11. Dezember 2020

Motion 20.4261 - Stickstoffreduktion

Ausbau der ARA bei gleichzeitigen Massnahmen in der Landwirtschaft

Die Abwasserreinigungsanlagen (ARA) leiten rund 20'000 Tonnen Stickstoff pro Jahr (t/a) in die Gewässer ein. Die Landwirtschaft gibt 100'000 t Stickstoff pro Jahr in die Umwelt ab. Mit Reinigungsverfahren hält die ARA 20'000 t Stickstoff pro Jahr zurück, damit können die ARA die Grenzwerte in den Gewässern einhalten. Es sind die Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft, welche im sensiblen Grundwasser seit Jahrzehnten zu umwelt- und humantoxikologisch problematischen Nitratkonzentrationen führen. Trotzdem ist die Abwasserbranche bereit, weitere ARA auszubauen.

Die Motion 20.4261 vom 13.10.2020 verlangt, dass der Bundesrat die Problematik der Stickstoffeinträge aus den Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in die Gewässer rasch angeht und Massnahmen zu deren Reduktion trifft.

Auch werden die schweizerischen Grenzwerte und internationalen Ziele seit l√§ngerer Zeit durch die Landwirtschaft verletzt. Sowohl von den Etappenzielen als auch vom langfristigen Ziel der 50%-Reduktion ist die Landwirtschaft weit entfernt. Die Nitrat-Anforderungen der Gew√§sserschutzverordnung sind im Ackerland bei mehr als 40% aller Grundwassermessstellen √ľberschritten. Das Problem ist f√ľr viele Wasserversorger seit Jahren ungel√∂st, der Handlungsbedarf ist gross.

Der Verband der Schweizerischen Abwasser- und Gew√§sserschutzfachleute VSA begr√ľsst jede Reduktion von Stoffeintr√§gen und unterst√ľtzt das Ziel, die Stickstoffeintr√§ge aus den ARA weiter zu reduzieren. Das ist aber nur vertretbar, wenn gleichzeitig die erheblichen Stickstoffeintr√§ge der Landwirtschaft deutlich reduziert werden.

Die Siedlungsentw√§sserung h√§lt durch in den 1990er Jahren ergriffene Massnahmen die aktuellen Zielwerte der Politik in den Gew√§ssern ein. Eine weitere leichte Reduktion ist durch Aufr√ľsten gr√∂sserer ARA m√∂glich. Dies bringt wohl eine Verbesserung der (bereits guten) Gew√§sserqualit√§t, entlastet jedoch nicht die nitratbelasteten Trinkwasserressourcen (Grundw√§sser): In Ackerbaugebieten sind die Anforderungen der Gew√§sserschutzverordnung bez. Nitrat (NO3) verbreitet √ľberschritten. Dort sind Massnahmen beim Hauptverursacher Landwirtschaft erforderlich. Zus√§tzliche Stickstoffreduktionen in ARA entfalten dort keine Wirkung.

  • Das politisch gesteckte Ziel erf√ľllt die Siedlungsentw√§sserung bereits heute: Die Schweiz verpflichtete sich 1992 in der Oslo-Paris-Konvention zum Schutz der Nordsee f√ľr die Stickstoffreduktion in den ARA: In der Folge hat die Schweiz die Stickstofffracht im Rhein-Einzugsgebiet um 50% reduziert. Die Stickstoff-ARA-Zulauffracht betr√§gt in der Schweiz heute rund 40'000 t/a, davon gehen rund 20'000 t/a in die (Oberfl√§chen-) Gew√§sser, 20'000 t/a werden in den ARA eliminiert.

  • Der Grossteil der ARA geben den Stickstoff in Form von Nitrat in die Oberfl√§chengew√§sser weiter. Das ist unproblematisch, denn Nitrat reichert sich in den Oberfl√§chengew√§ssern nicht an und das sensible Grundwasser ist kaum betroffen. Die gesetzlichen Anforderungen werden nachweislich gut eingehalten.

  • Die Siedlungsentw√§sserung erf√ľllt heute die politisch gesetzten Ziele hinsichtlich Stickstoffreduktion. Aus Sicht VSA macht es dennoch Sinn, die bestehenden Reduktionspotenzale bei Kl√§ranlagen zu nutzen, auch wenn dies auf Grund der gesetzlichen Anforderungen nicht erforderlich w√§re. Heute liegt die Stickstoffreduktionsrate in den ARA bei rund 50%. Die Stickstoffeintr√§ge k√∂nnten mit einem Ausbau ausgew√§hlter ARA um ca. weitere 10% gesenkt werden. Es handelt sich dabei um freiwillige Optimierungsmassnahmen, weil die Anforderungswerte wie erw√§hnt bereits heute eingehalten werden.

  • Umweltrelevant sind hingegen die √ľber 100'000 t/a Stickstoff aus der Landwirtschaft, da sie direkt ins sensible Grundwasser gelangen k√∂nnen. Das Grundwasser fliesst mit wenigen Metern pro Tag sehr langsam und daher reichert sich Nitrat in der wichtigsten Trinkwasserressource an.
    Ebenso umweltrelevant sind die Stickstoffemissionen in Form von Ammoniak in die Luft. 93% der Ammoniakemissionen stammen von der Landwirtschaft und sind insbesondere f√ľr Moorgebiete, W√§lder und Trocken- / Magerwiesen problematisch. Die √úberd√ľngung wirkt sich negativ auf die Biodiversit√§t und Bodenbeschaffenheit aus.

  • Viel dringender und wichtiger sind aus human- und √∂kotoxikologischer Sicht Massnahmen zur Reduktion der Stickstofffrachten aus der Landwirtschaft. Dort sind die Zielwerte der Politik bei weitem nicht erreicht, bisherige Massnahmen scheinen ohne Wirkung zu sein: Die Stickstoffeintr√§ge m√ľssten gegen√ľber 1985 um 50%, d.h. auf rund 65'000 t/a reduziert werden. Sie verharren aber seit mehr als 20 Jahren auf deutlich √ľber 100'000 t/a. Gleiches gilt f√ľr die Ammoniakemissionen in die Luft: Auch hier stagnieren die Emissionen aus der Landwirtschaft seit 20 Jahren auf einem Niveau, welches doppelt so hoch ist wie der Zielwert.

Die folgende Abbildung aus den Kantonen BE und SO zeigt exemplarisch, dass die Siedlungsentwässerung ihren ARA-Park fortlaufend optimiert, auch wenn die gesetzlich festgelegten Ziele längstens erreicht sind.

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Kommentare (1)

Samuel Besse am 18.12 2020 um 12:12

motion 20.4261

Bonjour, En Suisse romande je pense qu'en termes de protection des eaux, évacuation et épuration, il y a un potentiel d'amélioration énorme. Beaucoup de temps a été perdu. En connaissance des exigences de l'OEaux de 1998 et de la réalité sur le terrain, je n'oserais jamais me permettre de formuler des exigences à d'autres milieux. Crédibilité? La situation et probablement différente en suisse alémanique. Meilleures salutations Samuel Besse Condémines 21 1950 Sion

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