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11. Mai 2023

VSA-Positionspapier

Drainagen: Sanieren oder Feuchtgebiete reaktiveren?

Der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute fordert Bund und Kantone auf, nur noch Drainagen zu subventionieren, für die im Rahmen einer transparenten Interessenabwägung nachgewiesen wurde, dass die landwirtschaftliche Produktion Vorrang vor Naturschutzinteressen geniesst. Die für die Nahrungsmittelproduktion am besten geeigneten Böden sollen auf lange Sicht für die landwirtschaftliche Produktion gesichert werden. Hingegen sollen sanierungsbedürftige Drainagenetze in vernässten und wenig produktiven Böden nicht mehr systematisch erneuert werden. Flächen mit grossem Potenzial für die Biodiversität sind im Interesse des Natur- und des Gewässerschutzes zu Feuchtstandorten zu renaturieren.

Feuchtgebiete sind Hotspots der Biodiversit√§t. VSA-Direktor Stefan Hasler erkl√§rt: ¬ęAuen bedecken beispielsweise bloss 0.25% der Landesfl√§che, k√∂nnen aber √ľber 80% der einheimischen Tier- und rund 50% aller Pflanzenarten beherbergen¬Ľ. Der gr√∂sste Teil der urspr√ľnglichen Auen- und Moorgebiete ging in der Schweiz durch Gew√§sserkorrekturen und Trockenlegungen verloren. ¬ęDer Bau von Drainagenetzen spielte dabei eine wichtige Rolle¬Ľ, f√ľhrt Hasler aus. Deshalb ist auch die Gew√§sser-Biodiversit√§t sehr stark unter Druck: 60% der einheimischen Fisch- und 70% der Amphibienarten sind auf der Roten Liste; 60% der Wasserpflanzen sind bedroht.

Funktionsfähige ökologische Infrastruktur

Um dem Artenschwund Einhalt zu gebieten, braucht es eine funktionsf√§hige √∂kologische Infrastruktur. ¬ęEine einfache und kosteng√ľnstige Massnahme zur F√∂rderung der Biodiversit√§t liegt auf der Hand¬Ľ, erkl√§rt Hasler die VSA-Position: ¬ęDenn ein wichtiger Baustein der √∂kologischen Infrastruktur sind zus√§tzliche Feuchtgebiete, die u.a. an Standorten mit sanierungsbed√ľrftigen Drainagenetzen geschaffen werden k√∂nnen¬Ľ. Durch die Wiedervern√§ssung der B√∂den k√∂nnen wertvolle Feuchtstandorte geschaffen werden.

Zusatznutzen durch Wasserr√ľckhalt Verminderung der Stoffeintr√§ge in Gew√§sser

Der durch die Wiedervern√§ssung der B√∂den verbundene Wasserr√ľckhalt z√∂gert das Trockenfallen von Fliessgew√§ssern bei langen und heissen Trockenphasen hinaus und d√§mpft bei Starkregen die Hochwasserwelle. Das sind wichtige, positive Auswirkungen vor dem Hintergrund des Klimawandels. Zudem werden durch die Aufgabe der Drainagen N√§hrstoff- und Pestizideintr√§ge in die Gew√§sser reduziert.

Artenreiche Feuchtstandorte statt Drainagesystemen bei wenig produktiven Böden

Der VSA fordert deshalb, dass sanierungsbed√ľrftige Drainagen in wenig produktiven B√∂den aufgegeben werden, insbesondere wenn die Fl√§chen an Gew√§sser angebunden werden k√∂nnen oder im Umkreis von wertvollen Naturschutzgebieten liegen. Die dadurch entstehenden Feuchtstandorte sollen extensiv und standortgerecht bewirtschaftet oder zu naturnahen Fl√§chen umgewandelt werden. Weil Gew√§sser und deren Ufervegetation lineare Landschaftselemente sind, werden die Feuchtstandorte optimal in das Netz der √∂kologischen Infrastruktur eingebunden.

Drainagesysteme erneuern, wo sie volle Leistung bringen

Die f√ľr die Nahrungsmittelproduktion am besten geeigneten B√∂den sollen hingegen weiterhin der landwirtschaftlichen Produktion zur Verf√ľgung stehen. Dort k√∂nnen und sollen bestehende Drainagenetze erneuert werden. In diesem Sinne fordert der VSA, dass Bund und Kantone nur noch Drainagen subventionieren, f√ľr welche die Interessenabw√§gung der landwirtschaftlichen Produktion Vorrang vor Naturschutzinteressen attestiert. Dies entspricht der im Kanton Z√ľrich gelebten Praxis. Die dadurch eingesparten Gelder k√∂nnten zur Revitalisierung von aus Sicht des Naturschutzes m√∂glichst interessanten und vielf√§ltigen Biotopen verwendet werden.

Drainagen

Drainagesysteme werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um den Ertrag durch Ableiten von √ľbersch√ľssigem Bodenwasser zu steigern. Ziel dabei ist eine Produktivit√§tssteigerung durch Erm√∂glichung bzw. Erleichterung der Bewirtschaftung (Befahrung). Auch eine Nutzungs√§nderung bei Umstellung von Gr√ľn- auf Ackerland kann eine Drainage n√∂tig machen.

Ein Grossteil der urspr√ľnglichen Auen- und Moorgebiete sind durch Gew√§sserkorrekturen und Trockenlegungen verschwunden. Gem√§ss Bundesamt f√ľr Landwirtschaft (BLW) werden in der Schweiz rund 192‚Äô000 Hektaren Land oder 18% der landwirtschaftlichen Nutzfl√§che mit Drainageleitungen entw√§ssert. Der Wiederbeschaffungswert der erstellten Drainagenetze betr√§gt zwischen 4 und 5 Milliarden Franken.

Leistungen der Biodiversität, z.B. von Gewässern

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung des United States Geological Survey (USGS) Climate Adaptation Science Centers und des IGB hat herausgearbeitet, welche √Ėkosystemleistungen von der Biodiversit√§t im S√ľsswasser abh√§ngen:

  • Klimaregulation: S√ľsswasser√∂kosysteme sind von entscheidender Bedeutung f√ľr die Speicherung und Bindung von Kohlenstoff und Methan.
  • Wasserhaushalt in der Landschaft: Ufer- und Wasserpflanzen verringern die Wassergeschwindigkeit, verbessern die Uferstabilit√§t und halten Sedimente zur√ľck.
  • Selbstreinigung des Wassers und Stoffkreisl√§ufe: Milliarden von Mikroorganismen, Pflanzen, Algen und Tieren reinigen das Wasser, indem sie √ľbersch√ľssige N√§hrstoffe, Krankheitserreger und Schadstoffe filtern. Das ist u.a. f√ľr die Trinkwassergewinnung von entscheidender Bedeutung.
  • Nahrung: Obwohl wir bei Nahrung aus dem Wasser zuerst an Fische denken, ist die Bandbreite tats√§chlich gross und reicht von Tieren √ľber Pflanzen bis hin zu Mikroorganismen.
  • Freizeitwert Erholung: Freizeitaktivit√§ten, die durch die biologische Vielfalt im S√ľsswasser erm√∂glicht werden, gelten als kulturelle Dienstleistungen. Schwimmen und Bootfahren finden vor allem dort statt, wo die Wasserqualit√§t durch sensorische Erfahrungen wie Geruch und Sicht als gut eingesch√§tzt wird. Die Wasserqualit√§t steht in direktem Zusammenhang mit den Lebewesen im Gew√§sser, die beispielsweise Algenbl√ľten verhindern k√∂nnen.
  • a.mehr

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