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29. März 2018

Schutz und Weiterentwicklung

Unsere Gewässer

Der Schweizer Gewässerschutz ist auf den ersten Blick eine Erfolgsgeschichte. Eine differenzierte Analyse zeigt hingegen erhebliche Defizite beim Umgang mit unseren Gewässern. Sowohl bei der Struktur von Bächen und Flüssen als auch bei der Wasserqualität sind weiterhin grosse Anstrengungen nötig, um einen möglichst vielfältigen Zustand zu erreichen. Nur so kann dieser für die Biodiversität in der Schweiz zentrale Lebensraum mit den künftigen Herausforderungen des Klimawandels fertig werden.
Stephan Müller, Ulrich Sieber, Rémy Estoppey, Susanne Haertel-Borer, Christian Leu, Michael Schärer, 

GEW√ĄSSERKORREKTIONEN

Verändertes Landschaftsbild

Die Stars der Schweizer Romantik w√ľrden ihre Sujets heute nicht mehr wiedererkennen. Weder Johann Heinrich W√ľest, der sein ber√ľhmtestes Bild ¬ęDer Rhonegletscher¬Ľ 1795 malte, noch Alexandre Calame, der es 50 Jahre sp√§ter mit stimmungsvollen Fluss- und Seelandschaften zu Ruhm brachte. Der Rhonegletscher ist heute ein Schatten seiner selbst und die Auenlandschaften, wie sie Calame malte, sind gr√∂sstenteils verschwunden.

Warum die Gletscher schmelzen, wissen wir alle, doch weshalb sich das Gesicht der Schweizer Fluss- und Seelandschaften in den vergangenen 150 Jahren derart ver√§ndert hat, ist uns oft weniger bewusst. Die weitreichendsten Folgen hatten wohl die grossen Gew√§sserkorrektionen im 19. Jahrhundert. Doch wurden im Laufe der Zeit auch Tausende Kilometer kleinere Fl√ľsse und B√§che begradigt, kanalisiert, k√ľnstlich verbaut und in Betonr√∂hren verlegt. Fast ein Viertel aller Flussstrecken und Bachl√§ufe sind heute durch menschliche Eingriffe stark beeintr√§chtigt, im intensiv genutzten Mittelland haben gar 40% der Fliessgew√§sser kaum mehr etwas mit ihrem nat√ľrlichen Zustand zu tun.

Vom Hochwasserschutz zur Landgewinnung

Bereits in Altertum und Mittelalter wurden in der Schweiz Gew√§sserl√§ufe ver√§ndert. So beschloss man 1462 in Nidwalden, die drei Arme der Engelberger Aa einzutiefen. Das Profil des Wildbaches wurde auf Dr√§ngen von Bauern ver√§ndert, deren Felder in der Ebene von Stans bei Hochwasser √ľberflutet wurden. Diese fr√ľhen Eingriffe waren jedoch lokal begrenzt. Das √§nderte sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit der Umleitung der Kander, bei der erstmals eine Gew√§sserkorrektion im grossen Stil erfolgte. Beweggrund war auch hier der Schutz vor wiederkehrenden √úberschwemmungen, genauso wie hundert Jahre sp√§ter, als bei der Linthkorrektion neue Massst√§be im Wasserbau gesetzt wurden.
Doch je l√§nger je mehr ging es nicht bloss um Hochwasserschutz. Durch die Begradigung, Eind√§mmung und Umleitung von Fl√ľssen wurden auch landwirtschaftliche Fl√§chen gewonnen, genauso wie Siedlungsraum f√ľr die stark wachsende Bev√∂lkerung. Das war auch beim gr√∂ssten flussbaulichen Unternehmen der Schweiz der Fall, der Juragew√§sserkorrektion von 1868 bis 1891. Die grossen Gew√§sserkorrektionen des 19. Jahrhunderts waren gewaltige Bauwerke und galten im Zeitalter der Industrialisierung als Zeichen des Fortschritts. M√∂glich wurden sie √ľbrigens nicht zuletzt dank dem Wissen der Ingenieure, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts an der neu gegr√ľndeten Eidgen√∂ssischen Technischen Hochschule ausgebildet wurden [1].

Gewässerkorrektionen auf Kosten der Natur

Doch die Z√§hmung der Gew√§sser kannte nicht nur Gewinner, sondern auch eine gewichtige Verliererin: die Natur. Noch Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Flussebenen in der Schweiz grossfl√§chige Flachmoor- und Auenlandschaften, landwirtschaftlich nicht nutzbar und mit Malaria verseucht. Doch diese Gebiete stellten einen einzigartigen Lebensraum f√ľr Flora und Fauna dar. Das hat sich gr√ľndlich ver√§ndert. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden praktisch alle gr√∂sseren Schweizer Gew√§sser korrigiert. Unter anderem f√ľhrte dies zwar zum Verschwinden der Malaria, brachte aber vor allem einen dramatischen Verlust von Auen mit sich. So wurden bis zu 90 Prozent der urspr√ľnglichen Fl√§chen zerst√∂rt. Durch die Tockenlegung der Feuchtgebiete wurden auch die Best√§nde von wasserliebenden Pflanzen und Tieren stark dezimiert.
√Ėkosysteme an der Schnittstelle von Wasser und Land sind ein Hotspot der Artenvielfalt ‚Äď ihr Verlust wirkt sich deshalb besonders negativ auf die Biodiversit√§t aus. Wie ein Blick auf die Roten Listen zeigt, sind √ľber ein F√ľnftel der vom Aussterben bedrohten oder bereits ausgestorbenen Arten an Gew√§sser gebunden, ein weiteres F√ľnftel an Ufer und Feuchtgebiete. 60 Prozent der Wasserpflanzen gelten als bedroht ‚Äď mit Abstand der h√∂chste Wert aller Pflanzengruppen. Bei den Fischen und Rundm√§ulern gilt nur rund ein Viertel als ¬ęnicht gef√§hrdet¬Ľ, neun Arten sind ausgestorben, f√ľnf Arten haben den Status ¬ęvom Aussterben bedroht¬Ľ [2]. Kurz: Die √∂kologischen Defizite der Gew√§sser sind zu einem guten Teil daf√ľr verantwortlich, dass die Biodiversit√§t in der Schweiz stark gef√§hrdet ist.

√ĖKOLOGISCHE AUFWERTUNG

Hochwasserschutz im Dienst der ökologischen Aufwertung

In den 1990er-Jahren setzte beim Hochwasserschutz ein Umdenken ein. Das 1991 erlassene Bundesgesetz √ľber den Wasserbau [3] zeugt von einer eigentlichen Neuausrichtung. Der Hochwasserschutz, so die neue Devise, sei m√∂glichst naturnah zu realisieren. Die Gew√§sser sollen als Lebensr√§ume und Landschaftselemente respektiert werden. Nachhaltiger Hochwasserschutz sei nur m√∂glich, wenn er auch dazu beitrage, √∂kologische Defizite zu beheben. Konkret: Hochwasserschutzprojekte m√ľssen von nun an den B√§chen und Fl√ľssen gen√ľgend Raum lassen, eine nat√ľrliche Strukturvielfalt in den aquatischen, amphibischen und terrestrischen Lebensr√§umen auszubilden. Inzwischen werden Projekte von Bund und Kantonen nur noch finanziert, wenn sie auch zu einer √∂kologischen Aufwertung der Gew√§sser beitragen.
Zur√ľck zu den grossen Gew√§sserkorrektionen des 19. Jahrhunderts. Was der Schweiz durch den Verlust an nat√ľrlichen Gew√§ssern verloren gegangen ist, l√§sst sich nicht nur anhand historischer Gem√§lde nachvollziehen. Eine Ahnung von ausgedehnten Auenlandschaften vermitteln auch einige grosse Revitalisierungsprojekte der letzten Jahre: Die √∂kologische Aufwertung des Chly Rhy bei Koblenz im Kanton Aargau zum Beispiel, bei der ein zugesch√ľtteter Seitenarm des Rheins wieder freigelegt wurde. Oder die Thurauen beim z√ľrcherischen Ellikon, dem gr√∂ssten Auenschutzgebiet der Schweiz, wo der Fluss allm√§hlich wieder einen nat√ľrlich gewundenen Lauf annimmt, nachdem Uferverbauungen entfernt und Ausbuchtungen ausgebaggert wurden.
Gemessen an den einst in der Schweiz vorhandenen Auenlandschaften stellen diese Revitalisierungen erst einen bescheidenen Anfang dar auf dem Weg zu wieder naturnaheren und vielf√§ltigeren B√§chen, Fl√ľssen und Seen. Doch sie zeigen, wie sich unser Blick auf die Gew√§sser in den vergangenen 20 Jahren ver√§ndert hat. Sie werden nicht mehr ausschliesslich als Gefahr gesehen, die es zu b√§ndigen gilt. Immer st√§rker r√ľckt ihre √∂kologische Bedeutung in den Fokus, aber auch der Mehrwert, den naturnahe Fl√ľsse, B√§che und Seen f√ľr die erholungssuchende Bev√∂lkerung darstellen. Zudem hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Revitalisierungen h√§ufig grosse Synergien f√ľr den Hochwasserschutz mit sich bringen.

Wasserkraftnutzung tr√§gt zur Zerst√ľckelung von Lebensr√§umen bei

Ein Zeichen daf√ľr, dass die Dinge in Bewegung geraten sind, ist auch die ¬ęLandschaft des Jahres 2017¬Ľ. Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz hat mit ihrem letztj√§hrigen Preis nicht etwa ein idyllisches Bergtal ausgezeichnet, sondern die ¬ęEnergieinfrastrukturlandschaft¬Ľ am Aare-Hagneck-Kanal, wo, wie sie schreibt, ein ¬ęfragiles Gleichgewicht zwischen Nutzen und Sch√ľtzen¬Ľ entstanden sei. So seien durch die Juragew√§sserkorrektion und den Bau von Kraftwerksanlagen zwar Lebensr√§ume und Arten verloren gegangen, doch andererseits auch neue interessante Lebensr√§ume entstanden. Vor allem aber untern√§hmen die Betreiber der Kraftwerke wegweisende √∂kologische Aufwertungsmassnahmen [4].
Bei allem Lob f√ľr die Kraftwerksbetreiber darf man nicht vergessen, dass die Wasserkraftnutzung ab dem 19. Jahrhundert entscheidend zur Zerst√ľckelung des Lebensraums von Arten beigetragen und die strukturellen Defizite unserer Gew√§sser mitverursacht hat. Die negativen Folgen der Stromproduktion reichen von ungen√ľgenden Restwassermengen und unzureichender Fischg√§ngigkeit √ľber Defizite im Geschiebehaushalt bis zur Schwall-Sunk-Problematik. So behindern zum Beispiel 1000 Hindernisse von Wasserkraftanlagen die Fischwanderung und ca. 100 Wasserr√ľckgaben f√ľhren zu grossen k√ľnstlichen Abflussschwankungen der Gew√§sser.

Neues Gew√§sserschutzgesetz: Kompromiss zwischen nutzen und sch√ľtzen

Die Tatsache, dass sich unser Umgang mit Fl√ľssen, B√§chen und Seen ver√§ndert hat, zeigt nicht zuletzt die 2011 in Kraft getretene √Ąnderung des Gew√§sserschutzgesetzes [5]. Es verfolgt einen Kompromiss zwischen Nutzen und Sch√ľtzen und setzt dabei auf folgende Kernelemente: die Revitalisierung von Fl√ľssen und B√§chen, mehr Raum f√ľr die Gew√§sser sowie eine Reduktion der negativen Auswirkungen der Wasserkraftnutzung. Das Gesetz fordert eine allgemeine Verbesserung des schlechten Gew√§sserzustands. Sein konkretes Ziel, die Defizite bei Raumbedarf und √Ėkomorphologie der Fliessgew√§sser zu beseitigen, stellt eine Mehrgenerationenaufgabe dar. Bis 2030 muss die √∂kologische Sanierung der Wasserkraftproduktion abgeschlossen sein, und bis 2090 gilt es, 4000 Kilometer Gew√§sser zu revitalisieren. Beschlossen wurde die √Ąnderung des Gew√§sserschutzgesetzes 2009 vor dem Hintergrund der Volksinitiative ¬ęLebendiges Wasser¬Ľ, die eine Revitalisierung aller Schweizer Fliessgew√§sser bewirken wollte.
Bestandteil des neuen Gesetzes ist nicht zuletzt das Bestreben, den Gew√§ssern einen Teil des Raums zur√ľckzugeben, der ihnen in den vergangenen 150 Jahren abhandengekommen ist. Dazu m√ľssen die Kantone einen sogenannten Gew√§sserraum ausscheiden. Dabei handelt es sich um Landstreifen entlang beider Ufer, in dem sich durch die Dynamik der Gew√§sser vielf√§ltige Lebensr√§ume mit unterschiedlichen Bereichen bilden k√∂nnen. Die Ausdehnung dieses Korridors ist von der Breite des Baches oder Flusses abh√§ngig. Der Streifen kann landwirtschaftlich weiter extensiv bewirtschaftet werden und gilt als Biodiversit√§tsf√∂rderfl√§che. Der Gew√§sserraum dient nicht nur der √∂kologischen Aufwertung, sondern tr√§gt auch zum Hochwasserschutz bei. B√§che und Fl√ľsse, denen gen√ľgend Raum zur Verf√ľgung steht, bremsen Hochwasser aufgrund ihres nat√ľrlichen Gew√§sserverlaufs und ihrer Vegetation. Und der zus√§tzliche Raum kann das Wasser zur√ľckhalten und den Abfluss bremsen. Hochwasserspitzen werden dadurch abgeschw√§cht.

Finanzierung der Aufwertungsmassnahmen gesichert

Das neue Gew√§sserschutzgesetz ist mit der Gesetzgebung in den umliegenden L√§ndern vergleichbar. Die Voraussetzungen f√ľr seine Umsetzung sind g√ľnstig, da das Parlament auch die entsprechenden finanziellen Grundlagen bewilligt hat. So werden die Revitalisierungen zu einem namhaften Teil vom Bund finanziert, der daf√ľr 40 Mio. Franken pro Jahr bereitstellt und durchschnittlich zwei Drittel der Revitalisierungskosten √ľbernimmt. Bei der Sanierung der Wasserkraftanlagen hingegen finanzieren die Verursacher sogar 100 Prozent der Kosten. Das heisst, wir Konsumenten bezahlen alle einen Zuschlag von 0,1 Rappen pro Kilowattstunde auf die √úbertragungskosten der Hochspannungsnetze, wodurch j√§hrlich rund 50 Mio. Franken zusammenkommen.
Obwohl ein Umdenken im Gang ist, steht es in der Schweiz ‚Äď so ein kleines Zwischenfazit ‚Äď um den Zustand der Gew√§sser in mancher Hinsicht nach wie vor schlecht. Eint√∂nige Morphologie, fehlende Dynamik und Hindernisse als Folge von Wasserkraftnutzung, Hochwasserschutz und Landgewinnung haben die Gew√§sser als Lebensraum f√ľr viele angestammte Arten zerst√∂rt. Unter anderem leiden rund 2000 Gew√§sserkilometer wesentlich unter den Folgen eines Geschiebedefizits. Will heissen: Wo Staumauern, Kiessammler oder andere Hindernisse den nat√ľrlichen Geschiebehaushalt in Fl√ľssen und B√§chen behindern, fehlen flussabw√§rts auf der Gew√§ssersohle Kies und Sand. Dadurch geht wichtiger Lebensraum f√ľr Tiere und Pflanzen verloren.

Mikroverunreinigungen ‚Äď die neue Herausforderung

Doch wie ist es um die Wasserqualit√§t bestellt, geht es unseren Gew√§ssern wenigstens in dieser Hinsicht gut? Die Kurzversion einer entsprechenden Bilanz: Die Schweiz hat beim Schutz ihrer Gew√§sser in der Vergangenheit viel erreicht. Doch heute warten neue Herausforderungen, vor allem der Eintrag von Mikroverunreinigungen, dazu z√§hlen unter anderem R√ľckst√§nde von Medikamenten, Reinigungsmitteln, Pestiziden und Pflegeprodukten. In den kleinen Fliessgew√§ssern ist die Situation hinsichtlich der Konzentrationen von Pflanzenschutzmitteln (PSM) kritisch und der Handlungsbedarf besonders gross.

Vielschichtiges Bild

Ein genauerer Blick zeigt ein vielschichtiges Bild der gegenw√§rtigen Situation der Wasserqualit√§t in unseren Gew√§ssern. Da sind auf der einen Seite die unbestrittenen Erfolge im Schweizer Gew√§sserschutz. Dank grosser Investitionen bei der Siedlungsentw√§sserung und der Abwasserreinigung werden heute viele Schmutz- und Schadstoffe von den Gew√§ssern ferngehalten. In der Schweiz sind √ľber 97 Prozent der Bev√∂lkerung an eine ARA angeschlossen, ein Wert, der in der OECD nur noch in den Niederlanden √ľbertroffen wird [7]. Die Bilder von sch√§umenden B√§chen und algenverseuchten Seen, welche die Schweiz noch in den 1980er-Jahren aufr√ľttelten, sind dank dem technischen Gew√§sserschutz verschwunden. Unter anderem konnten die hohen Phosphorwerte in Fliessgew√§ssern und Seen stark gesenkt werden. Sie haben sich inzwischen vielerorts wieder an die Konzentrationen der 1950er-Jahre angen√§hert. Allerdings sind einzelne Seen in Gebieten mit intensiver Viehmast noch immer allzu stark belastet, zum Beispiel der Baldegger- und der Zugersee. Das Problem dabei: Phosphor f√ľhrt zu starkem Algenwachstum und beim Abbau der Algen wird nach ihrem Absterben viel Sauerstoff verbraucht, der den Seen und seinen Fischen in der Folge fehlt und zu einer Verarmung der Artenvielfalt f√ľhrt. Als Gegenmassnahme werden verschiedene Gew√§sser k√ľnstlich bel√ľftet ‚Äď zum Teil seit Jahrzehnten.
Der fehlende Sauerstoffgehalt macht aber nicht nur phosphorbelasteten Gew√§ssern zu schaffen. Rund die H√§lfte der gr√∂ssten Seen erf√ľllt die gesetzlichen Vorgaben zum Sauerstoffgehalt noch nicht. Denn von entscheidender Bedeutung f√ľr die Sauerstoffversorgung der Seen ist auch die zunehmend gest√∂rte Zirkulation ‚Äď ein Problem, das k√ľnftig an Bedeutung gewinnen k√∂nnte. So schr√§nken steigende Wassertemperaturen als Folge des Klimawandels und weiterer Faktoren den Austausch von Oberfl√§chen- und Tiefenwasser ein. Dadurch fehlt in der Tiefe zunehmend der Sauerstoff und es gehen Lebensr√§ume verloren. Zudem werden bei Sauerstoffmangel aufgrund chemischer Prozesse unerw√ľnschte Stoffe wie Schwermetalle und N√§hrstoffe aus dem Sediment gel√∂st.

Allzu positive Beurteilung

Bei der Beurteilung der Wasserqualit√§t ist auch die Einsch√§tzung der Bev√∂lkerung von Belang. Wie eine Untersuchung der Eawag, des Wasserforschungsinstitutes der ETH, zeigt, erachten √ľber 80 Prozent der Befragten diese als ¬ęsehr gut¬Ľ oder ¬ęgut¬Ľ [8]. Dass diese subjektive Sicht viel zu positiv ausf√§llt, √ľberrascht nicht. Allen Defiziten zum Trotz ist die hygienische Wasserqualit√§t der Schweizer Seen und Fl√ľsse dank gut ausgebauter Abwasserreinigung ¬ęsehr gut¬Ľ, wie das Bafu in seinen Informationen zur Badewasserqualit√§t festh√§lt. Das bedeutet, dass die Belastung der Badegew√§sser mit krankheitserregenden Keimen gering ist. Zu Recht also baden wir Sommer f√ľr Sommer mit gr√∂sstem Vergn√ľgen in Bodensee, Aare und Lago Maggiore ‚Äď und dies oft mitten in der Stadt.
Bei der Analyse des Gew√§sserzustands muss also stark differenziert werden. Aus biologischer Sicht ist der Zustand der Schweizer Fliessgew√§sser unterschiedlich gut. Die Resultate der Nationalen Beobachtung der Oberfl√§chengew√§sserqualit√§t (NAWA) zeigen, dass an mindestens 30 Prozent der Messstellen die √∂kologische Funktionsf√§higkeit der Gew√§sser ungen√ľgend ist. Dieses Monitoring liefert die Grundlagen, um den Zustand und die Entwicklung der Schweizer Gew√§sser auf nationaler Ebene beurteilen zu k√∂nnen. Defizite, so der letzte NAWA-Bericht, gibt es besonders im intensiv genutzten Mittelland, wo die Gew√§sser strukturell und stofflich beeintr√§chtigt sind [9].

Kleine Fliessgewässer besonders stark belastet

Mit dem gereinigten Abwasser und via diffuse Eintr√§ge aus Quellen wie der Landwirtschaft gelangen Mikroverunreinigungen in die Gew√§sser. Dabei handelt es sich unter anderem um R√ľckst√§nde von Pestiziden, Medikamenten, Kosmetikprodukten oder Holzschutzmitteln, die sich bereits in tiefen Konzentrationen negativ auf aquatische Lebensgemeinschaften auswirken k√∂nnen. Denn viele Wasserlebewesen reagieren weit empfindlicher auf die Belastung mit Mikroverunreinigungen als wir Menschen. Die Bedingungen f√ľr diese Tiere und Pflanzen sind schlecht und ihr √úberleben ist mancherorts gef√§hrdet.
Eine 2017 publizierte Studie der Eawag kommt zum Schluss, dass die kleinen Fliessgew√§sser in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit einer Vielzahl von Pflanzenschutzmitteln (PSM) belastet sind. Selbst Stoffkonzentrationen, die f√ľr Gew√§sserorganismen als akut toxisch gelten, sind √ľberschritten worden [10, 11]. Problematisch ist weiter, dass die Wasserlebewesen lang anhaltend durch unterschiedliche PSM beeintr√§chtigt werden. Die kleinen B√§che sind √∂kologisch von spezieller Bedeutung. Sie stellen R√ľckzugsorte sowie Brut- und Aufzuchtst√§tten f√ľr Wasserlebewesen ‚Äď insbesondere f√ľr Fische ‚Äď dar.

Grundwasser unter Druck

Neben dem Zustand von Seen und Fl√ľssen ist auch die Qualit√§t des Grundwassers von unmittelbarer und grosser Bedeutung f√ľr die Schweiz. Verborgen im Untergrund, ist es unsere wichtigste Trinkwasserressource ‚Äď mehr als 80 Prozent des Trinkwassers werden aus Grundwasser gewonnen. Die Daten der Nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) zeigen den Zustand der Grundwasserressourcen an mehr als 600 Messstellen in der Schweiz.
Substanzen, die besonders langlebig und gleichzeitig sehr mobil sind, können auch bis ins Grundwasser gelangen. So finden sich hauptsächlich in Ballungsräumen und landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten Spuren von Fremd- und Schadstoffen im Grundwasser. Vor allem Nitrat sowie PSM-Abbauprodukte gelangen durch den Boden ins Grundwasser und beeinträchtigen die Wasserqualität.
Das Grundwasser kommt auch aus anderen Gr√ľnden zunehmend unter Druck. So wird durch die Zunahme von Siedlungsfl√§chen und Verkehrswegen laufend Boden √ľberbaut, der in der Folge seine Reinigungswirkung f√ľr verschmutztes Regenwasser verliert. Und aus Platzmangel werden Siedlungen, Strassen und Bahnlinien immer h√§ufiger in den Untergrund ‚Äď also ins Grundwasser ‚Äď gebaut. Damit nimmt die Gef√§hrdung unserer wichtigsten Trinkwasserressource durch Eintr√§ge von Fremdstoffen und Pathogenen zu. Hinzu kommen die zunehmend fehlenden offenen Fl√§chen f√ľr Schutzzonen, weswegen immer mehr Trinkwasserfassungen aufgehoben werden. Auch wird es immer schwieriger, neue ergiebige Trinkwasserfassungen zu erstellen. Zwar sind viele gesetzeskonform gesch√ľtzt, doch insbesondere bei kleinen Fassungen werden die Schutzbestimmungen nicht umgesetzt. Wollen wir auch k√ľnftigen Generationen eine sichere Wasserversorgung gew√§hrleisten, m√ľssen diese negativen Entwicklungen gestoppt werden.

 

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NEUE HERAUSFORDERUNGEN

Massnahmen bei Mikroverunreinigungen‚ÄČ...¬†

Der Schweizer Gew√§sserschutz hat bei der Wasserqualit√§t viele seiner Ziele erreicht. Doch was ist zu tun, damit diese Geschichte auch erfolgreich weitergeschrieben wird? Handlungsbedarf besteht vor allem in zwei grossen Bereichen: Einerseits m√ľssen wir etwas gegen die Mikroverunreinigungen aus den dicht besiedelten Gebieten tun. Andererseits geht es um die R√ľckst√§nde von PSM, die direkt von den Feldern in Fl√ľsse und B√§che und ins Grundwasser eingetragen werden.

Bei den Mikroverunreinigungen aus den dicht besiedelten Gebieten liegt der Weg bereits klar vor uns. Wie vom Parlament beschlossen, werden die Abwasserreinigungsanlagen technisch aufger√ľstet. Dank einer vierten Reinigungsstufe sollen zus√§tzlich zu Stickstoff und Phosphor auch Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser entfernt werden. In den kommenden rund 20 Jahren werden die wichtigsten der etwa 800 Schweizer Anlagen entsprechend ausgebaut. So lassen sich k√ľnftig bei fast zwei Dritteln aller Abw√§sser Mikroverunreinigungen eliminieren. Bereits sind drei mit Ozonungs- oder Pulveraktivkohletechnologie aufger√ľstete ARA in Betrieb, neun weitere Anlagen befinden sich im Bau. Insgesamt d√ľrfte diese Aufr√ľstung 1,2 Milliarden Franken kosten. Finanziert wird sie haupts√§chlich √ľber eine bei allen ARA erhobene Abwasserabgabe von j√§hrlich maximal 9 Franken pro angeschlossenen Einwohner.¬†
Zudem hat der Bundesrat 2017 einen Bericht verabschiedet, der aufzeigt, wie sich Mikroverunreinigungen an der Quelle reduzieren lassen. Vor allem m√ľssen die heute bestehenden Regelungen konsequenter umgesetzt werden. Auch m√ľssen die umweltschonende Anwendung und die Entsorgung von Produkten wie Arzneimitteln oder Pestiziden gef√∂rdert werden. Auf einer speziellen Internetplattform [12] stellt der Verband Schweizer Abwasser- und Gew√§sserschutzfachleute VSA Informationen √ľber die Verfahrenstechnik zur Entfernung von Mikroverunreinigungen in kommunalen ARA zur Verf√ľgung.

...‚ÄČund Pflanzenschutzmitteln

Deutlich schwieriger sieht die Situation bei den PSM aus. Um zu verhindern, dass kleinere und mittlere B√§che sowie Fl√ľsse stark belastet werden, braucht es grosse Anstrengungen. Denn die Risikoreduktion ist in der Schweiz aufgrund der strukturellen, topographischen und klimatischen Gegebenheiten und eines verh√§ltnism√§ssig hohen Anteils an PSM-intensiven Spezialkulturen anspruchsvoll. PSM werden in grossen Mengen in unterschiedlichen Kulturen eingesetzt und gelangen durch zahlreiche Eintragspfade in die Gew√§sser. Deshalb l√§sst sich die PSM-Belastung in Gew√§ssern nur mit einem B√ľndel von Massnahmen nachhaltig senken.
Der Bundesrat hat den Handlungsbedarf erkannt und im September 2017 einen Aktionsplan zur Risikoreduktion und zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln verabschiedet [13]. Das generelle Ziel des Aktionsplans, der rund 50 Massnahmen umfasst, ist es, die mit PSM verbundenen Risiken zu halbieren. Zus√§tzlich wurden auch spezifische Ziele f√ľr Grund- und Oberfl√§chengew√§sser definiert.
Der Aktionsplan basiert auf drei Grundpfeilern: Zum einem sollen die Anwendung von PSM und die damit verbundenen Emissionen reduziert, zum anderen der Schutz der Kulturen sichergestellt werden. Um eine Anwendungsreduktion zu erreichen, muss insbesondere der nicht chemische Pflanzenschutz bzw. der integrierte Pflanzenschutz weiterentwickelt werden. Eine Reduktion der Emissionen (Eintrag von applizierten PSM in die Gewässer) bedingt Massnahmen auf Hof und Feld. 
F√ľr eine erfolgreiche Umsetzung des Aktionsplans ist es unerl√§sslich, dass die Massnahmen durch begleitende Instrumente wie Forschung, Bildung/Beratung, Monitoring und Information der betroffenen Kreise unterst√ľtzt und erg√§nzt werden. Ein weiteres zentrales Element stellt die Zulassung der PSM dar. Sie schafft die Voraussetzung daf√ľr, dass PSM bei sachgem√§sser Anwendung keine unannehmbaren Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben.¬†
Die Umsetzung des Aktionsplans erfordert ein gemeinsames und starkes Engagement aller Akteure. Zudem braucht es Rahmenbedingungen, welche die Reduktion des Einsatzes von PSM unterst√ľtzen. Deshalb ist beispielsweise die Ausgestaltung der Agrarpolitik von grosser Bedeutung. Mit der Agrarpolitik 2022, die gegenw√§rtig erarbeitet wird, strebt der Bundesrat eine nachhaltigere Produktion an.

Grundwasser als Trinkwasserressource sch√ľtzen

Handlungsbedarf besteht aber auch beim Schutz unserer wichtigsten Trinkwasserressource, des Grundwassers. Weil die Siedlungsentwicklung weitgehend ungebremst voranschreitet, kommen Grundwasserfassungen, wie geschildert, immer st√§rker unter Druck. Daher muss die Wasserversorgung vorausschauend geplant und das Grundwasser konsequent gesch√ľtzt werden. Und schliesslich m√ľssen wir auch daf√ľr sorgen, dass die Infrastruktur unterhalten wird, die uns mit Trinkwasser versorgt ‚Äď und unser Abwasser beseitigt. Die Investitionen in das Innenleben des Wasserschlosses Schweiz gewissermassen.
Ein weiteres Aktionsfeld muss die Reduktion des Nitrateintrags ins Grundwasser und in unsere Gew√§sser sein ‚Äď dies vor allem zum Schutz unseres Trinkwassers und auch mit Blick auf die Probleme, die wir damit in der Nordsee verursachen. Die R√ľckst√§nde des D√ľngers, der bei uns auf die Felder kommen, f√∂rdern im Meer das Algenwachstum auf kritische Weise.¬†

Gewässerschutz, Klimawandel und standortfremde Arten

Mit Blick auf die Zukunft des Gew√§sserschutzes gilt es noch weitere Aspekte zu beachten: die Folgen des Klimawandels. Die damit verbundenen steigenden Temperaturen ver√§ndern die aquatischen √Ėkosysteme. Auch vor diesem Hintergrund m√ľssen unsere B√§che, Fl√ľsse und Seen naturn√§her und damit widerstandsf√§higer werden. Nur in gutem Zustand k√∂nnen die Gew√§sser alle ihre Funktionen erf√ľllen. Sei es als Trinkwasserlieferanten, als Naherholungsgebiete f√ľr die Bev√∂lkerung oder als Lebensr√§ume f√ľr Pflanzen und Tiere.
Und schliesslich haben auch standortfremde Arten (Neozoen) einen wachsenden Einfluss auf die Fluss- und See√∂kosysteme. Ihre Ausbreitung geht weitgehend unbemerkt vor sich. Die nat√ľrlichen Verbreitungsgrenzen der Fischarten sind sowohl durch fischereiliche Praktiken (u.‚ÄČa. Fischbesatz), den Bau von Kan√§len, den Bootsverkehr und √∂kologische Ver√§nderungen in den Gew√§sserlebensr√§umen stark aufgeweicht worden. So besiedelt etwa der Stichling, dessen Vorkommen Mitte des 19. Jahrhunderts in der Schweiz auf die Region Basel beschr√§nkt war, heute als gebietsfremde Art praktisch das gesamte Mittelland. Im Bodensee ist er gar die wohl h√§ufigste Fischart im See geworden.¬†
Und seit bald 20 Jahren breiten sich mehrere Grundelarten aus dem Schwarzmeerraum explosionsartig im Rhein unterhalb von Basel aus. 2011 tauchten sie erstmals in Basel auf, inzwischen machen sie dort die Mehrheit der Fische aus. Die Ausbreitung rheinaufw√§rts schreitet stetig voran. Die Auswirkungen auf das √Ėkosystem sind derzeit erst in Ans√§tzen bekannt. Aufgrund von Erfahrungen in anderen L√§ndern sind aber durch Konkurrenz um Lebensraum und Nahrung sowie durch den Frass von Eiern und Jungfischen massive Auswirkungen auf die lokale Fischfauna zu bef√ľrchten.
Ganz allgemein ist das Wissen √ľber die komplexen Zusammenh√§nge in See√∂kosystemen noch sehr l√ľckenhaft. Doch in den kommenden Jahren k√∂nnte sich das durch ein wegweisendes Projekt [14] am Bodensee √§ndern. Dieses ¬ęSeewandel¬Ľ genannte, grenz√ľbergreifende Forschungsvorhaben zielt darauf ab, das komplexe Wirkungsgef√ľge sowie das Zusammenspiel der gegenw√§rtig sehr schnellen Ver√§nderungen der See√∂kosysteme besser zu verstehen. Untersucht werden unter anderem die Auswirkungen steigender Wintertemperaturen auf die Zirkulation des Seewassers. Beobachtungen deuten n√§mlich darauf hin, dass die zunehmend w√§rmeren Winter zu einer schlechteren Sauerstoffversorgung des Tiefenwassers gef√ľhrt haben. Diese Entwicklung k√∂nnte sich sowohl auf die Biodiversit√§t wie auf die Trinkwassernutzung negativ auswirken.

Innovative Beiträge von allen Akteuren nötig

Ist das Glas Wasser vor dem Hintergrund des Erreichten und der neuen Herausforderungen beim Gewässerschutz nun halb voll oder halb leer?
Auch auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Doch zusammenfassend l√§sst sich sagen: Es braucht sowohl Massnahmen an der Quelle wie technische L√∂sungen. Und der Gew√§sserschutz funktioniert in der Schweiz dann am besten, wenn alle Akteure auf den verschiedenen Ebenen zusammenarbeiten ‚Äď von Industrie und Gewerbe √ľber die Forschung bis zu Beh√∂rden und Interessenverb√§nden. All diese Akteure k√∂nnen durch ihre innovativen Beitr√§ge zu weiteren Verbesserungen im Gew√§sserschutz beitragen.¬†
Ganz allgemein gilt es, den erfolgreich eingeschlagenen Weg bei Schutz und Aufwertung der Gew√§sser weiterzugehen und konsequent die Interessen der Natur zu vertreten. Anders l√§sst sich das Ziel der Gew√§sserschutzpolitik, der Schweiz wieder zu m√∂glichst vielf√§ltigen Gew√§ssern zu verhelfen, nicht erreichen. Oder anders gesagt: Unsere B√§che, Fl√ľsse und Seen m√ľssen wieder ihre nat√ľrlichen Funktionen √ľbernehmen k√∂nnen. Dazu sollte nicht zuletzt die Agrarpolitik ihre Beitr√§ge liefern. Und gemeinsam mit der Landwirtschaft m√ľssen wir sicherstellen, dass der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel engagiert umgesetzt wird.

Bibliographie

[1] Vischer, D. (2003): Die Geschichte des Hochwasserschutzes in der Schweiz ‚Äď Von den Anf√§ngen bis ins 19. Jahrhundert, Berichte des BWG, Serie Wasser Nr. 5
[2] Gattlen, N.; Klaus, G.; Listios, G. (2017): Biodiversit√§t in der Schweiz: Zustand und Entwicklung. Ergebnisse des √úberwachungssystems im Bereich Biodiversit√§t, Stand 2016. Bundesamt f√ľr Umwelt, Bern. Umwelt-Zustand Nr. 1630
[3] Bundesgesetz √ľber den Wasserbau vom 21. Juni 1991¬†
[4] Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (2017): Landschaft des Jahres 2017: Energieinfrastrukturlandschaft am Aare-Hagneck-Kanal, Medienmitteilung vom 25. April 2017
[5] Bundesgesetz √ľber den Schutz der Gew√§sser (Gew√§sserschutzgesetz, GSchG) vom 24. Januar 1991
[6] Verband der Schweizer Abwasser und Gewässerschutzfachleute (2017): Moderne Siedlungshygiene verdoppelt die Lebenserwartung, Medienmitteilung vom 22. März 2017
[7] OECD (2017): Environmental Performance Review: Switzerland 2017
[8] Logar, I. et al. (2014): Cost-benefit analysis of the Swiss national policy on reducing micropollutants in treated wastewater. Environmental Science & Technology
[9] Kunz, M.; Schindler Wildhaber, Y.; Dietzel, A. (2016): Zustand der Schweizer Fliessgew√§sser. Ergebnisse der Nationalen Beobachtung Oberfl√§chengew√§sserqualit√§t (NAWA) 2011‚Äď2014. BAFU Bern. Umwelt-Zustand Nr. 1620
[10] Doppler, T.; Mangold, S. (2017): Hohe PSM-Belastung in Schweizer Bächen, Aqua & Gas Nr. 4
[11] Langer, M.; Junghans, M. (2017): Hohe ökotoxikologische Risiken in Bächen, Aqua & Gas Nr. 4
[12] www.micropoll.ch
[13] Schweizerische Eidgenossenschaft (2017), Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln, Bericht des Bundesrates, 6. September 2017
[14] www.seewandel.org; www.youtube.com/watch?v=utXIdDUm9fQ&feature=youtu.b

Wasserqualit√§t ‚Äď ein kurzer Blick zur√ľck

Die Gew√§sser wurden in der Vergangenheit auch zur Entsorgung unserer Abw√§sser aus Haushalten, Industrie- und Gewerbebetrieben missbraucht. √úber Jahrhunderte waren die St√§dte von Gestank erf√ľllt und Epidemien wie Typhus an der Tagesordnung. Dementsprechend tief war die Lebenserwartung. Erst im 19. Jahrhundert verlangten √Ąrzte, Stadtplaner und Architekten, die Abw√§sser m√ľssten kontrolliert abgef√ľhrt werden. Eine Forderung, die unter anderem zur Z√ľrcher Kloakenreform von 1867 f√ľhrte. Dank der verbesserten Siedlungshygiene und dem Ausbau der Abwasserinfrastrukturen verdoppelte sich unsere Lebenserwartung seither von 40 auf √ľber 80 Jahre [6].
Den verbesserten hygienischen Bedingungen im 19. Jahrhundert zum Trotz wurden die Gew√§sser in der Folge immer st√§rker mit Schmutzwasser belastet, was zu grossen Defiziten bei der Wasserqualit√§t f√ľhrte. Die Situation verbesserte sich erst nachhaltig, als zwischen Mitte und Ende des 20. Jahrhunderts fl√§chendeckend Siedlungsentw√§sserungsinfrastrukturen und Abwasserreinigungsanlagen (ARA) gebaut wurden. Nach wie vor leistet die Siedlungsentw√§sserung, von der √Ėffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen, einen wichtigen Beitrag zur allgemeinen Gesundheit. Gelangt aber einmal ungereinigtes Abwasser ins Trinkwasser, hat dies gravierende Auswirkungen. So f√ľhrte etwa ein Verschmutzungsereignis 2015 in Le Locle zu 1000 Krankheitsf√§llen.

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