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Fachartikel
30. Oktober 2020

Gewässerbelastung mit PSM

Hydraulische Kurzschlüsse

Die schweizerische Agrarlandschaft weist ein dichtes Weg- und Strassennetz auf, dessen Entwässerung oft direkt in Oberflächengewässer führt. Es wirkt damit als hydraulischer Kurzschluss und als Transportpfad für Pflanzenschutzmittel (PSM). Felduntersuchungen und Modellrechnungen zeigen, dass gleich viel Ackerfläche über Kurzschlüsse mit einem Gewässer verbunden ist wie direkt angeschlossen ist. Zusätzlich wurden bedeutende PSM-Konzentrationen in Kurzschlüssen gemessen. Das weist darauf hin, dass Kurzschlüsse erheblich zur Belastung der Schweizer Gewässer mit PSM beitragen.
Urs Schönenberger, Anne Dax, Heinz Singer, Christian Stamm, 

Die Schweizer Agrarlandschaft ist kleinr√§umig gegliedert und von einem dichten Weg- und Strassennetz durchzogen. Vielerorts geht damit ein dicht ausgebautes Entw√§sserungssystem einher, das oberfl√§chlich fliessendes Wasser von Feldern und Strassen in Oberfl√§chengew√§sser leitet. F√ľr den Transport von abgeschwemmten N√§hrstoffen, Bodenmaterial und Pflanzenschutzmitteln (PSM) stellen diese Entw√§sserungssysteme hydraulische Kurzschl√ľsse zwischen Feldern und Gew√§ssern dar.
Die Bedeutung des Gew√§sseranschlusses der landwirtschaftlichen Fl√§chen ist seit L√§ngerem grunds√§tzlich bekannt [1, 2] und es liegt eine schweizweite Gew√§sseranschlusskarte vor [3]. Allerdings ist die empirische Datenbasis zum Vorkommen hydraulischer Kurzschl√ľsse und zu ihrem Einfluss auf den Stofftransport, insbesondere von PSM, sehr begrenzt und vor allem anekdotischer Art.
Neben der Bedeutung f√ľr Abschwemmungsprozesse k√∂nnen Kurzschl√ľsse auch eine wichtige Rolle f√ľr den indirekten Eintrag von Driftdeposition spielen. Das wurde beispielhaft in einer Studie in Rebbergen im Elsass gezeigt [4, 5]. Driftdeposition auf Strassen kann durch Regen mobilisiert werden und via Kurzschl√ľsse ins Gew√§sser gelangen. Die Relevanz dieses Prozesses in der Schweiz ist nicht bekannt. Die vorliegende Studie zielt darauf ab, die oben genannten Wissensdefizite zu verringern, indem sie folgende Ergebnisse liefert:
‚Äď Typisierung hydraulischer Kurzschl√ľsse und quantitative Absch√§tzung ihrer H√§ufigkeit
‚Äď Bedeutung hydraulischer Kurzschl√ľsse f√ľr den PSM-Eintrag in Gew√§sser via Abschwemmung und Drift
‚Äď ausgew√§hlte Messungen von PSM in Kurzschl√ľssen
‚Äď Vorschl√§ge f√ľr allf√§llige Massnahmen

Diese Studie wurde im Zusammenhang mit dem Nationalen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel [6] durchgef√ľhrt. Eine der Massnahmen (Nr. 6.2.1.3) im Aktionsplan besteht darin, die Relevanz der PSM-Eintr√§ge via hydraulische Kurzschl√ľsse zu quantifizieren und allf√§llige Massnahmen zur Reduktion dieser Eintr√§ge zu bestimmen. Die hier vorgestellten Resultate sind Teil der Umsetzung dieser Massnahme.
Es ist an dieser Stelle wichtig, die verwendete Begrifflichkeit zu klären:
‚Äď hydraulische Kurzschl√ľsse:¬†menschgemachte Strukturen, die oberfl√§chlich fliessendes Wasser gezielt einem Oberfl√§chengew√§sser zuf√ľhren;
‚Äď indirekt angeschlossene Fl√§chen: Fl√§chen, die durch Kurzschl√ľsse mit dem Gew√§ssernetz verbunden sind;
‚Äď direkt angeschlossene Fl√§chen: Fl√§chen, von denen Wasser ohne Kurzschl√ľsse oberfl√§chlich ins Gew√§sser fliesst;
‚Äď nicht angeschlossene Fl√§chen: Fl√§chen, bei denen das Wasser versickert, bevor es ins Gew√§sser fliessen kann.

Methodisches Vorgehen

Die Studie beinhaltete zwei Feldstudien sowie zwei darauf aufbauende, modellbasierte Teile. In diesem Artikel werden die wichtigsten Ergebnisse aus allen Teilen (a‚Äďd) sowie die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen f√ľr die Praxis vorgestellt.

(a) Feldstudie zur Quantifizierung der H√§ufigkeit von Kurzschl√ľssen

Zwanzig hydrologische Einzugsgebiete im Mittelland und Jura (durchschnittlich 3,5‚ÄČkm2) wurden ausgew√§hlt, um die vorhandenen Kurzschl√ľsse zu erfassen (Fig.¬†1). Die Gebietsauswahl erfolgte zuf√§llig anhand eines GIS-Datensatzes der hydrologischen Einzugsgebiete der Schweiz [7]. Die Wahrscheinlichkeit der Auswahl wurde an die Ackerfl√§che im Gebiet gekoppelt (weitere Details s. [8]).
Die Kurzschl√ľsse wurden mit drei komplement√§ren Methoden erfasst. (i) Mit durch Drohnen aufgenommenen, hochaufgel√∂sten Luftbildern. (ii) Mit Pl√§nen der Strassenentw√§sserung und der Drainagesysteme, sofern vorhanden. (iii) Durch Kartierungen w√§hrend Begehungen zu Fuss, die in allen Gebieten auf Teilfl√§chen durchgef√ľhrt wurden. Diese Kartierungen stellten die Grundlage f√ľr die Typisierung der Kurzschl√ľsse dar.
Die Resultate der einzelnen Erhebungsmethoden zeigen, dass mit dem Vorgehen nicht alle Kurzschl√ľsse vollst√§ndig erfasst werden konnten. Die gefundene Anzahl Kurzschl√ľsse entspricht somit der unteren Grenze der tats√§chlichen Anzahl.

(b) Modellierung des relativen Anteils Abschwemmung durch Kurzschl√ľsse

Anhand der kartierten Kurzschl√ľsse und einer topografischen Analyse wurden f√ľr die 20 Testgebiete die jeweiligen Anteile direkt, indirekt und nicht angeschlossener Fl√§chen ermittelt. Um diese Ergebnisse auf das ganze Mittelland und den Jura zu √ľbertragen, wurde ein statistisches Modell erstellt. Dieses prognostiziert die Fl√§chenanteile in den Einzugsgebieten basierend auf schweizweit verf√ľgbaren r√§umlichen Daten. Diese Anteile k√∂nnen am besten ausgehend von der bereits existierenden Gew√§sseranschlusskarte hergeleitet werden. Unsere Analyse f√ľhrt damit zu einer Verbesserung der bestehenden Gew√§sseranschlusskarte basierend auf der erweiterten empirischen Datenlage im Feld.

(c) Modellierung des Potenzials f√ľr indirekten Eintrag von Drift

Zur Absch√§tzung des Potenzials f√ľr indirekten PSM-Eintrag in die Gew√§sser via Driftdeposition auf Strassen und Wege wurde ein bestehendes Driftmodell mit r√§umlichen Daten zur Gew√§sser- und Strassendichte und den entsprechenden Abst√§nden zu Feldern kombiniert.

(d) Ereignisbezogene PSM-Messungen in Kurzschl√ľssen

Um erste Messungen von PSM in Kurzschl√ľssen zu erhalten, wurden im Einzugsgebiet des Chr√ľmmlisbachs (Fraubrunnen, BE) im Sommer 2019 w√§hrend einer 141-t√§gigen Periode 19 Regenereignisse beprobt. Rund 150 Einlaufsch√§chte entw√§ssern das 2,8‚ÄČkm2 grosse Einzugsgebiet. Davon wurden vier Einlaufsch√§chte, ein Sammelschacht und der Bach untersucht. W√§hrend die beprobten Einlaufsch√§chte nur durch Oberfl√§chenabfluss gespiesen werden, fliesst im Sammelschacht Wasser von 64 Einlaufsch√§chten und dem Drainagesystem zusammen. In den Einlaufsch√§chten kamen Passivsammler zum Einsatz, an den anderen beiden Stellen aktive Probenehmer. Die Passivsammler bestanden aus luftdichten Flaschen mit einem Wassereinlass und einem Ventil f√ľr den Luftaustritt. Diese Sammler wurden so in die Sch√§chte eingesetzt, dass sie w√§hrend Abflussereignissen eingestaut wurden. Dadurch wurde die Luft aus den Flaschen gepresst und die Sammler f√ľllten sich in wenigen Stunden. Die aktiven Probenehmer wurden √ľber Wasserstandsonden in den Einlaufsch√§chten gesteuert, um eine koh√§rente Probenahme zwischen den Stellen sicherzustellen.
Die gesammelten Proben wurden im Labor auf eine breite Palette von 52 Substanzen hin untersucht. Die Substanzauswahl wurde so weit wie möglich an den im Gebiet verwendeten PSM ausgerichtet und setzte sich hauptsächlich aus Herbiziden und Fungiziden zusammen sowie einigen Insektiziden und Metaboliten.
Die Substanzen wurden mittels Fl√ľssigchromatographie gekoppelt an hochaufl√∂sende Massenspektrometrie (HRMS/MS, Orbitrap-Technologie) gemessen. F√ľr die Quantifizierung der Stoffe wurden Referenzstandards und zus√§tzlich Isotopen-markierte Standards verwendet. Die Wiederfindungsrate der nachgewiesenen Substanzen lag in 95% der F√§lle zwischen 80 und 120%, was die hohe Genauigkeit und Pr√§zision der erhaltenen Messwerte best√§tigt.

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H√ĄUFIGKEIT HYDRAULISCHER KURZSCHL√úSSE

Die bei den Feldkartierungen gefundenen Kurzschl√ľsse k√∂nnen wie folgt kategorisiert werden:
1) Einlaufschächte, die entlang von Strassen und Feldwegen oder direkt auf landwirtschaftlichen Flächen liegen.
2) Kontrollsch√§chte, die in der Regel keine Entw√§sserungsfunktion wahrnehmen. Sie k√∂nnen jedoch in Einzelf√§llen als Kurzschl√ľsse agieren, wenn sie in
einer Senke liegen und bei starkem Niederschlag eingestaut werden.
3) Einlaufrinnen und Entwässerungsgräben entlang von Strassen und Feldwegen.

Einlaufsch√§chte sind die am h√§ufigsten gefundenen Kurzschl√ľsse. Das Vorkommen variierte aber stark zwischen den Gebieten. Ihre r√§umliche Dichte schwankte zwischen 0,34 und 1,6 Einlaufsch√§chten/ha (Fig.¬†2). Der Durchschnitt lag bei 0,84 Einlaufsch√§chten/ha. Die meisten Einlaufsch√§chte lagen an Strassen oder befestigten Wegen und nur etwa 3% direkt auf landwirtschaftlichen Fl√§chen. Der √ľberwiegende Teil dieser Sch√§chte ist direkt (87%) oder via Kl√§ranlage (12%) ans Gew√§ssernetz angeschlossen.
In einzelnen Gebieten wurde zudem eine hohe Dichte an Einlaufrinnen und Entwässerungsgräben entlang des Strassennetzes festgestellt. Besonders in Rebbaugebieten scheinen solche Strukturen weit verbreitet zu sein [10].

EINTR√ĄGE VIA ABSCHWEMMUNG

Modellierung von 20 Einzugsgebieten

Die topografische Analyse ergab, dass knapp zwei Drittel der landwirtschaftlichen Fl√§chen ans Gew√§sser angeschlossen sind. Von den angeschlossenen Fl√§chen ist in 13 der 20 Einzugsgebiete mehr als die H√§lfte √ľber Kurzschl√ľsse mit dem Gew√§sser verbunden (Fig.¬†2). Im Mittel aller Einzugsgebiete waren dies 55%. Wiederum ist die Variabilit√§t zwischen den Gebieten sehr ausgepr√§gt. Die Sch√§tzungen f√ľr die verschiedenen Gebiete variieren zwischen 20 und 95%. Der Anteil indirekt angeschlossener Fl√§chen h√§ngt dabei nur sehr schwach mit der r√§umlichen Dichte an Einlaufsch√§chten zusammen. Ob eine hohe Anzahl an Kurzschl√ľssen zu einem hohen indirekten Anschlussgrad f√ľhrt, h√§ngt von der Topografie des Einzugsgebietes (Hanglage, Gew√§sserdichte usw.) und von der Lage der Kurzschl√ľsse (entlang von Strassen, Tiefenlinien usw.) ab.
In einem weiteren Schritt wurden verschiedene Einflussfaktoren f√ľr das Auftreten von Abschwemmung (z.‚ÄČB. Hangneigung oder topografischer Vern√§ssungsindex der B√∂den) berechnet. Dabei wurden keine systematischen Unterschiede zwischen direkt und indirekt angeschlossenen Fl√§chen gefunden. Der direkte und indirekte Eintrag von PSM via Abschwemmung ist folglich proportional zur direkt und indirekt angeschlossenen Fl√§che. Daraus kann gefolgert werden, dass der indirekte PSM-Eintrag durch Abschwemmung ungef√§hr von gleicher Bedeutung wie der direkte Eintrag ist.

Hochrechnung aufs Mittelland

Werden die Ergebnisse der 20 Testgebiete durch das statistische Modell auf das Mittelland und den Jura hochgerechnet (Fig.¬†3), entw√§ssern ebenfalls rund 55% der angeschlossenen Landwirtschaftsfl√§chen via Kurzschl√ľsse in die Gew√§sser. Eine wichtige Rolle f√ľr den indirekten Gew√§sseranschluss spielen Kurzschl√ľsse insbesondere in Gebieten, in denen aufgrund nat√ľrlicher (Karst) oder menschlicher Einfl√ľsse (Eindolung) nur ein geringer Teil des Gew√§ssernetzes oberfl√§chlich verl√§uft. Hohe PSM-Eintr√§ge via Kurzschl√ľsse sind jedoch vor allem in Gebieten zu erwarten, die nebst einem hohen Anschlussgrad auch einen intensiven Einsatz von PSM aufweisen. Beispielsweise sind daher die gelb-roten Fl√§chen in der Region Franches-Montagnes (A) f√ľr den absoluten Eintrag von PSM via Kurzschl√ľsse deutlich weniger wichtig als jene im Berner Seeland (B) (s. auch Fig. 1).

EINTR√ĄGE VIA DRIFT

Die r√§umliche Modellierung der Driftdeposition zeigt f√ľr die 20 Testgebiete, dass potenziell viermal mehr PSM auf entw√§sserten Strassen abgelagert werden als durch Drift in Fliessgew√§sser gelangen. Bei einer groben Absch√§tzung auf nationaler Skala reduzierte sich dieses Verh√§ltnis auf einen Faktor zwei.
Bei dieser Modellierung wurden verschiedene Einflussfaktoren wie beispielsweise Effekte von W√§ldern und Hecken nicht ber√ľcksichtigt. Um zudem abzusch√§tzen, welcher Anteil der auf entw√§sserten Strassen abgelagerten Driftdeposition bei Regenereignissen mobilisiert werden kann, sind weitere Untersuchungen n√∂tig.

PSM-MESSUNGEN IN EINLAUFSCH√ĄCHTEN

Durch die vier untersuchten Einlaufsch√§chte im Einzugsgebiet des Chr√ľmmlisbachs floss an 14, 20, 26 und 35 Tagen der 141-t√§gigen Untersuchungsperiode Oberfl√§chenabfluss von den umliegenden Feldwegen oder landwirtschaftlichen Fl√§chen in den Bach. Die daf√ľr ben√∂tigte Regenmenge unterschied sich stark zwischen den Sch√§chten. W√§hrend einer der Sch√§chte bei jedem Regenereignis mit mehr als 3‚ÄČmm Ereignisniederschlag mit Oberfl√§chenabfluss gespiesen wurde, war dies bei einem anderen erst bei 15‚ÄČmm der Fall.
Von den 52 untersuchten PSM wurden 37 in mindestens einem Einlaufschacht nachgewiesen. Pro Regenereignis wurden in den Einlaufsch√§chten zwischen zwei und 27 verschiedene Substanzen gefunden (Durchschnitt: 11 Substanzen). Einige der PSM kamen in sehr hohen Konzentrationen vor (bis zu 62‚ÄČ000‚ÄČng/l). Im Vergleich dazu wurden im Sammelschacht und im Bach mehr Substanzen gefunden (Durchschnitt: 21 resp. 29 Substanzen). Die maximalen Konzentrationen waren jedoch tiefer (8000 resp. 35‚ÄČ000‚ÄČng/l).

√Ėkotoxikologische Relevanz

Um die √∂kotoxikologische Relevanz der Befunde einzuordnen, wurden die gemessenen Konzentrationen mit f√ľr Oberfl√§chengew√§sser geltenden akuten √∂kotoxikologischen Qualit√§tskriterien [11] verglichen. Solche Werte liegen f√ľr 21 der untersuchten Substanzen vor. Das Verh√§ltnis zwischen Messwert und Anforderungswert ergibt den sogenannten Risikoquotienten. Bei 30% der Einlaufschachtproben √ľberstieg der Risikoquotient mindestens einer Substanz den Wert von Eins. Der h√∂chste gemessene Risikoquotient betrug rund 50. Das Wasser aus diesem Schacht muss also mit mindestens der 50-fachen Menge an unbelastetem Wasser verd√ľnnt werden, um kein akutes √∂kotoxikologisches Risiko im Bach darzustellen.
Der Oberfl√§chenabfluss, der durch einen einzelnen Einlaufschacht fliesst, tr√§gt nur zu einem kleinen Teil zum gesamten Abfluss im Bach bei. Daher ist eine Verd√ľnnung um diesen Faktor durchaus wahrscheinlich. Eine Sch√§tzung aufgrund topografischer Daten zeigt jedoch, dass bei Regenereignissen deutlich mehr als die H√§lfte des Gesamtabflusses im Einzugsgebiet des Chr√ľmmlisbachs von den Kulturfl√§chen stammt. Von diesen Fl√§chen sind mehr als 80% durch einen Einlaufschacht ans Gew√§sser angeschlossen. Durch die grosse Anzahl an Kurzschl√ľssen und ihren grossen Beitrag zum Gesamtabfluss ist folglich anzunehmen, dass der PSM-Eintrag via Kurzschl√ľsse im Einzugsgebiet des Chr√ľmmlisbachs w√§hrend Regenereignissen ein akutes √∂kotoxikologisches Risiko darstellen kann.

Räumliche Variabilität

F√ľr vier Regenereignisse wurden die Proben an allen Messstellen analysiert und direkt verglichen. Die Resultate zeigen grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Einlaufsch√§chten auf (Fig. 4). W√§hrend in zwei der Sch√§chte hohe Summenkonzentrationen gefunden wurden (Sch√§chte 1 und 2), lagen sie bei den anderen beiden auf tiefem Niveau (Sch√§chte 3 und 4). Die Spanne der maximalen Summenkonzentrationen lag dabei zwischen 800 und 75‚ÄČ000‚ÄČng/l. In den ersten beiden Sch√§chten √ľberschritten mehrere Substanzen die akuten √∂kotoxikologischen Anforderungswerte, bei den zweiten beiden Sch√§chten war dies bei keinem Regenereignis in der gesamten Untersuchungsperiode der Fall. Unterschiede in den gemessenen Konzentrationen k√∂nnen dabei meist durch die r√§umliche Lage der Sch√§chte und die Anwendung von PSM in ihrer unmittelbaren Umgebung erkl√§rt werden.
Die Summenkonzentrationen, die im Sammelschacht und Chr√ľmmlisbach gefunden wurden, liegen zwischen den in den Einlaufsch√§chten gemessenen
Konzentrationen.

Zeitliche Variabilität

Die PSM-Konzentrationen in den Sch√§chten unterscheiden sich auch zeitlich sehr stark. W√§hrend eines Regenereignisses im Juni schwankte beispielsweise die Konzentration des Herbizids Terbuthylazin im Sammelschacht innerhalb weniger Stunden um zwei Gr√∂ssenordnungen (Fig.¬†5). Gleichzeitig wurden in einem der Einlaufsch√§chte, die in den Sammelschacht entw√§ssern, Konzentrationen gemessen, die um eine Gr√∂ssenordnung h√∂her sind als im Sammelschacht. Ein Teil der im Sammelschacht und im Bach gemessenen Konzentrationen wurde folglich durch den Transport von Oberfl√§chenabfluss via Kurzschl√ľsse verursacht. Wie gross dieser Anteil ist, kann nicht abschliessend beurteilt werden. Die hohe zeitliche Dynamik weist jedoch auf schnelle Transportprozesse als Ursache hin. Dabei k√∂nnte es sich nebst Oberfl√§chenabfluss via Kurzschl√ľsse auch um Makroporenfluss ins Drainagesystem sowie (bei den im Bach gemessenen Konzentrationen) um direkten Oberfl√§chenabfluss in den Bach handeln.

GESAMTEINSCH√ĄTZUNG Und EMPFEHLUNGEN

Die Feldbeobachtungen und -messungen deuten darauf hin, dass hydraulische Kurzschl√ľsse einen erheblichen Beitrag zur PSM-Belastung in landwirtschaftlichen Einzugsgebieten liefern. Die Resultate zeigen, dass die Fl√§chen, von denen ein PSM-Eintrag via Abschwemmung durch Kurzschl√ľsse erfolgen kann, ungef√§hr gleich gross sind wie die Fl√§chen, von denen ein direkter Eintrag m√∂glich ist. Auch die durch Drift auf entw√§sserten Strassen abgelagerte Menge an Pflanzenschutzmitteln liegt mindestens in der gleichen Gr√∂ssenordnung wie die direkt ins Gew√§sser eingetragene
Menge. Aufgrund hydraulischer Kurzschl√ľsse sind somit auch Landwirtschaftsfl√§chen, die bisher bei Massnahmen zur Reduktion der Eintr√§ge via Abschwemmung und Drift meist vernachl√§ssigt wurden, f√ľr die Gew√§sserbelastung relevant. So gelten beispielsweise Abschwemmungsauflagen im Rahmen der PSM-Zulassung nur f√ľr Felder innerhalb eines Puffers von 100‚ÄČm zum Gew√§sser. Auch Driftmassnahmen ber√ľcksichtigen nur den direkten Eintrag. Die hier vorgestellte r√§umliche Analyse zeigt jedoch, dass auch Fl√§chen mit gr√∂sserer Entfernung zum Gew√§sser zum PSM-Eintrag beitragen k√∂nnen. Eine zentrale Schlussfolgerung aus dieser Studie ist deshalb, dass f√ľr die Planung von Risikoreduktionsmassnahmen grunds√§tzlich das ganze Einzugsgebiet ber√ľcksichtigt werden sollte.
Bei der Massnahmenplanung kann zwischen zwei Ans√§tzen unterschieden werden. Einerseits kann versucht werden, durch kulturtechnische Massnahmen die hydraulischen Kurzschl√ľsse zu unterbinden. M√∂gliche Optionen w√§ren beispielsweise die gezielte Versickerung √ľber die Schulter oder durch den Boden der Einlaufsch√§chte. Wo und in welchem Ausmass solche Massnahmen umgesetzt werden k√∂nnen, bleibt zu pr√ľfen. Bei Situationen, von denen ein besonders hohes Risiko ausgeht (z.‚ÄČB. Einlaufsch√§chte direkt im Feld), sollte eine Entfernung des Kurzschlusses in Erw√§gung gezogen werden.
Andererseits k√∂nnen Massnahmen darauf abzielen, den PSM-Eintrag via Kurzschl√ľsse zu verringern. Dies kann mit den gleichen Mitteln erfolgen, die auch zur Eintragsreduktion durch Abschwemmung und Drift direkt in die Gew√§sser eingesetzt werden (s. z.‚ÄČB. [12]). Dazu geh√∂ren Abstandsauflagen zu entw√§sserten Wegen und Strassen und entsprechende Pufferzonen sowie infiltrationsf√∂rdernde Bodenbearbeitung. Hierbei ist zu beachten, dass grosse Fl√§chen von solchen Massnahmen betroffen w√§ren. In den zwanzig Untersuchungsgebieten dieser Studie w√ľrde eine Erweiterung der Abschwemmungsauflagen auf Felder innerhalb eines Puffers von 100‚ÄČm um entw√§sserte Wege und Strassen zu einer Verdreifachung der von Auflagen betroffenen Fl√§chen f√ľhren.

Bibliographie

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[2] Prasuhn, V.; Gr√ľnig, K. (2001): Evaluation der √Ėkomassnahmen ‚Äď Phosphorbelastung der Oberfl√§chengew√§sser durch Bodenerosion. Schriftenreihe der FAL.; 37: 1‚Äď152
[3] Alder, S. et al. (2015): A high-resolution map of direct and indirect connectivity of erosion risk areas to surface waters in Switzerland ‚Äď A risk assessment tool for planning and policy-making. Land Use Policy. 48: 236‚Äď49
[4] Lefrancq, M. et al. (2013): Kresoxim methyl deposition, drift and runoff in a vineyard catchment. Sci Total Environ. 442(0): 503‚Äď8
[5] Lefrancq, M. et al. (2014): Fungicides transport in runoff from vineyard plot and catchment: contribution of non-target areas. Environmental Science and Pollution Research. 21(7): 4871‚Äď82
[6] WBF (2017): Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Eidgen√∂ssisches Departement f√ľr Wirtschaft Bildung und Forschung: 1‚Äď76
[7] BAFU (2012): Einzugsgebietsgliederung Schweiz, EZGG-CH. Bundesamt f√ľr Umwelt, Bern
[8] Schönenberger, U.; Stamm, C. (2020): Hydraulic Shortcuts Increase the Connectivity of Arable Land Areas to Surface Waters. Hydrol Earth Syst Sci Discuss. in review, https://doi.org/10.5194/hess-2020-391
[9] BFS (2014): Arealstatistik nach Nomenklatur 2004. Bundesamt f√ľr Statistik, Neuch√Ętel
[10] Simon, J. (2019): Pestizideintrag in Oberfl√§chengew√§sser via Kurzschl√ľsse in Rebbergen. Universit√§t Freiburg i.Br.
[11] Junghans, M. (2020): Qualitätskriterienvorschläge Oekotoxzentrum 2020.
Verf√ľgbar unter: https://www.oekotoxzentrum.ch/expertenservice/qualitaetskriterien/qualitaetskriterienvorschlaegeoekotoxzentrum/
[12] Prasuhn, V. et al. (2018): Pflanzenschutzmitteleintr√§ge durch Erosion und Abschwemmung reduzieren. Agrarforschung Schweiz. 9(2): 44‚Äď51

Danksagung

Die Autoren m√∂chten den zahlreichen Personen danken, die an dieser Arbeit beteiligt waren. F√ľr die Hilfe bei den Drohnen-Aufnahmen und Feldkartierungen m√∂chten wir uns bei Michael D√∂ring, Diego Tonolla und Janine Simon bedanken.

Ein grosses Dankesch√∂n f√ľr die Unterst√ľtzung mit den Probenahme-Installationen, der Feldarbeit und der Analytik geht an Birgit Beck, Bernadette Vogler, Simon Dicht, Christian Ebi, Christian F√∂rster, Michael Patrick, Simon Wullschleger sowie Andreas Raffainer (und Team). In diesem Zusammenhang geht unser Dank auch an alle Beteiligten des Berner Pflanzenschutzprojektes, insbesondere an die involvierten Landwirte, an Sandra Ott, Dominik F√ľglistaller, Matthias Ruff, Claudia Minkowski, Elvira Rudin und Urs Berger.

Herzlichen Dank auch an Lorenz Ammann, Volker Prasuhn, Max Maurer, Nicole Munz und Fabian Soltermann f√ľr die wertvollen Kommentare und Diskussionen. Finanziert wurde das Projekt durch das Bundesamt f√ľr Umwelt.

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