Plattform für Wasser, Gas und Wärme
Fachartikel
01. Oktober 2026

Wasserstrategie des Kantons Aargau

Damit das Wasser auch in Zukunft reicht

Die Rekordtrockenheit dieses Hitzesommers machte unmissverständlich deutlich: Wasser kann selbst im Auen- und Flusskanton Aargau knapp werden. Als einer der ersten Kantone der Schweiz hält der Kanton Aargau in einer Strategie fest, wie künftig mit der wichtigen Ressource Wasser umgegangen werden soll. Auch zeigt er Handlungsmöglichkeiten auf.
Sarah C. Sidler 

Es sind traurige Bilder, die wachrütteln: Bäume, deren Blätter sich bereits im Juli braun verfärbten, ausgetrocknete Bach­läufe, dürre Wiesen, überhitzte Seen und Flüsse: Der diesjährige Sommer zeigte auf, was laut den Klimaszenarien CH2025 des Bundes in Zukunft häufiger und über längere Zeit auf die Schweiz zukommen wird: extreme Hitze- und Trockenperioden. Auch intensive Starkniederschläge und daraus resultierende Hochwasser nehmen zu. Dies hat Auswirkungen auf Gewässer, Grundwasser, Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft und Ökosysteme.

Um auf solche Veränderungen besser vorbereitet zu sein, erarbeiten der Bund sowie verschiedene Kantone derzeit Wasserstrategien, die dem Klimawandel angepasst sind. Während für den Umgang mit Starkniederschlägen und Hochwasser bereits etablierte Grundlagen, Instrumente und Massnahmen bestehen, stellt der Umgang mit Trockenheit und Wasserknappheit eine vergleichsweise neue Herausforderung dar.

Der Fluss- und Auenkanton Aargau präsentierte diesen Sommer den ersten Teil seiner kantonalen Wasserstrategie. Diese dient als fachliche Grundlage sowie Orientierungshilfe und zeigt auf, wie die wertvolle Ressource langfristig geschützt, gesichert und nachhaltig genutzt werden kann. Die Strategie definiert Grundsätze, Handlungsfelder sowie Ziele. Im Fokus steht ein sorgsamer Umgang mit dem wertvollen Element, um eine ausreichende Menge und hohe Qualität für alle Nutzenden langfristig sicherzustellen, heisst es in einer Mitteilung des
Regierungsrats.

Verschiedene Akteure miteinbeziehen

«Obwohl oder gerade weil wir mit Aare, Rhein, Reuss und Limmat im Zentrum des Wasserschlosses Schweiz liegen, steht der Kanton Aargau vor der Verpflichtung, die Ressource Wasser angesichts des Klimawandels und zunehmenden Siedlungsdrucks nachhaltig zu nutzen und zu schützen», sagt Natalia Güdel-Krempaska, Projektleiterin kantonale Wasserstrategie bei der Abteilung Landschaft und Gewässer. Deshalb wurde während zweier Jahre in einem breiten partizipativen Prozess der erste Teil der Strategie gemeinsam mit kantonalen Fachstellen erarbeitet. Gleichzeitig wurden betroffene Akteure wie Gemeinden, Bauer- und Fischereiverbände sowie Naturschutzorganisationen in den Prozess einbezogen und ihre Perspektiven in die Erarbeitung integriert. «Externe Meinungen sind uns sehr wichtig. Deshalb haben wir uns darüber gefreut, dass wir mit den verschiedenen Interessengruppen zahlreiche gemeinsame Nenner gefunden haben», sagt Natalia Güdel-Krempaska.

Wasser in der Landschaft mehr Raum geben

Im Zentrum der Strategie steht ein Wassermanagement, das den natürlichen Wasserkreislauf stärkt, die Ressource möglichst in der Landschaft sowie in geeigneten Infrastrukturen zurückhält und die Gewässer als widerstandsfähige Lebensräume schützt. Sie verfolgt einen integralen Ansatz entlang der drei Pfeiler «Wasser nutzen», «Wasser schützen» und «Schutz vor dem Wasser». Ziel ist es, Wasser langfristig in ausreichender Menge und guter Qualität zu sichern sowie wasserbedingten Naturgefahren vorausschauend zu begegnen. Der Schwerpunkt liegt auf präventiven Massnahmen. Um die Folgen von Trockenheit, Hitze, Starkniederschlägen sowie Hochwasser besser zu bewältigen und das System resilienter zu gestalten, treiben Fachleute im Kanton Aargau als proaktive Lösungen beispielsweise die Wiedervernässung von Wäldern, die Wiederherstellung von Auen und die Entsiegelung voran. Entsiegeln bedeutet, dass künstlich bedeckte und undurchlässige Bodenflächen – wie Asphalt, Beton oder dichte Pflasterungen – aufgebrochen und entfernt werden. Freigelegter Boden kann wieder Wasser aufnehmen und seine natürlichen Funktionen erfüllen.

Im Bereich Schwammlandschaft und Schwammstadt gibt es viele Lösungsansätze. Dabei geht es darum, Wasser in der Landschaft und im Siedlungsgebiet zurückzuhalten, um die Bodenwasserspeicher nachhaltig zu füllen und damit einen natürlichen Puffer für Trockenphasen zu schaffen. «Eine Massnahme mit grossem Potenzial stellt die Nutzung von Regen-, Dach- und Oberflächenwasser dar. So könnte beispielsweise Regenwasser gesammelt oder Oberflächenwasser bei starken Niederschlägen in Rückhaltebecken gespeichert werden», führt Natalia Güdel-Krempaska aus. Dieses Brauchwasser könnte nicht nur für die Bewässerung von Feldern oder in Industrieanlagen genutzt werden, sondern auch in Häusern das Trinkwasser für Toilettenspülungen ersetzen.

Solche und ähnliche Handlungsmöglichkeiten finden sich in den sieben erarbeiteten Handlungsfeldern der Aargauer Wasserstrategie (s. Box). Sie zeigen auf, welche Ansätze sich für die Umsetzung anbieten und wo Handlungsbedarf besteht. «Der Kanton sieht vor, Gemeinden und Bauherrschaften bei der
Regenwasserbewirtschaftung zu unterstützen», so die Fachfrau.

Grundsatz: Vorbeugen statt bewältigen

Die Strategie setzt darauf, bestehende Strukturen zu stabilisieren, natürliche Funktionen zu stärken und die Anfälligkeit gegenüber Extremereignissen zu reduzieren. «Bestehendes soll erhalten bleiben und gestärkt werden. Dort, wo es notwendig ist, folgen bauliche Massnahmen, um die Strukturen an künftige Anforderungen anzupassen», erklärt die Projektleiterin. Massnahmen nach dem oben genannten Schwammstadt- und Schwammlandschaftsprinzip sowie Revitalisierungen von Gewässern und Auen sind Beispiele für diesen Ansatz. Reichen diese Massnahmen nicht aus, soll die Infrastruktur gezielt erweitert werden, um die Effizienz zu steigern. Dazu zählen etwa der Ausbau von separaten Brauchwasserstrukturen oder Speicher- und Verteilanlagen. Als weiteres Beispiel nennt die Strategie smarte Be- und Entwässerungssysteme mit Speichermöglichkeiten. Für Situationen, in denen Extremwetterereignisse eine unmittelbare Bewältigung erfordern, kommen entsprechende Konzepte zum Einsatz. Diese regeln, wie das knappe Gut verwendet werden darf. Die Warnstufen des Bundes dienen dabei als ergänzende Orientierung für die Bewältigung der jeweiligen Situation.

Der zweite Teil der Wasserstrategie – der Massnahmenplan – folgt bis 2027. Dieser konkretisiert unter anderem die kantonalen Handlungsmöglichkeiten in konkreten Projekten. Auch bei diesem Prozess werden die verschiedenen Interessengruppen wieder miteinbezogen, damit alle möglichst am selben Strick ziehen. «Ich hoffe, dass wir nun an einem Wendepunkt stehen und neue Standards im Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser gesetzt werden», so Natalia Güdel-Krempaska. Der Zeitpunkt wäre da. Das Niederschlagsdefizit liegt laut einer Mitteilung von MeteoSchweiz Ende Juli 2026 im Rekordbereich: Unabhängig von den Prognosen wird es mehrere Monate dauern, bis sich die Gewässer und das Grundwasser wieder erholen.

Die sieben Handlungsfelder

In den sieben Handlungsfeldern der kantonalen Wasserstrategie werden Stossrichtungen zum Umgang mit der Ressource Wasser festgelegt und für Fachpersonen konkrete Umsetzungsvorschläge aufgezeigt. Darauf aufbauend wird der Massnahmenplan (Teil II der Wasserstrategie – in Erarbeitung) definiert.

Wasserqualität

Das Handlungsfeld Wasserqualität fokussiert auf die Erhaltung der ökologischen Qualität und Nutzbarkeit der Aargauer Grund- und Oberflächengewässer.

Lebensräume und Feuchtgebiete

Das Handlungsfeld Lebensräume und Feuchtgebiete fokussiert auf die Erhaltung, Revitalisierung und ökologische Aufwertung von Gewässern und Feuchtgebieten, um ihre Funktionen sicherzustellen und die Klimaanpassung zu stärken.

Energetische Wassernutzung

Im Handlungsfeld zur energetischen Wassernutzung geht es darum, wie Wasser als erneuerbare Energiequelle zur Versorgungssicherheit unter Berücksichtigung der ökologischen Tragbarkeit beitragen kann.

Wasserversorgung

Das Handlungsfeld Wasserversorgung fokussiert auf die Sicherstellung der Wasserversorgung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Qualitätsanforderungen für alle Anspruchsgruppen.

Wasserspeicherung

Das Handlungsfeld Wasserspeicherung fördert nachhaltige Rückhalt- und Speichermassnahmen, welche den natürlichen Wasserkreislauf fördern, die Wasserversorgung sichern und die klimaangepasste Siedlungs- und Landschaftsentwicklung unterstützen.

Trockenheit und Hochwasser

Das Handlungsfeld Trockenheit und Hochwasser fokussiert auf die koordinierte und effektive Bewältigung von Hochwasser- und Trockenheitsereignissen im Zeichen künftiger Herausforderungen wie dem Klimawandel.

Landwirtschaft und Industrie

Das Handlungsfeld Landwirtschaft und Industrie fördert eine effiziente und nachhaltige Wassernutzung in Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe und entwickelt dazu die bestehenden Rahmenbedingungen weiter.

(Quelle: Website Kt. Aargau)

Kommentar erfassen

Kommentare (0)

e-Paper

«AQUA & GAS» gibt es auch als E-Paper. Abonnenten, SVGW- und/oder VSA-Mitglieder haben Zugang zu allen Ausgaben von A&G.

Den «Wasserspiegel» gibt es auch als E-Paper. Im SVGW-Shop sind sämtliche bisher erschienenen Ausgaben frei zugänglich.

Die «gazette» gibt es auch als E-Paper. Sämtliche bisher erschienen Ausgaben sind frei zugänglich.