Fipronil und Permethrin sind Insektizide, die in der Vergangenheit verbreitet als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln eingesetzt wurden. Während für beide Substanzen in der EU und der Schweiz seit einigen Jahren keine Zulassung mehr im Bereich des Pflanzenschutzes besteht, werden sie in der Veterinärmedizin weiterhin zur Bekämpfung von Ektoparasiten wie Flöhen, Zecken, Läusen und Milben verwendet. Der Einsatz erfolgt sowohl bei Nutztieren als auch bei Heimtieren [1]. Bei Hunden und Katzen werden Tierarzneimittel mit diesen Wirkstoffen typischerweise als topische Antiparasitika appliziert. Diese zur äusserlichen Anwendung bestimmten Mittel sind als Spot-on-Präparate zum Auftropfen, als Spray oder in Form wirkstoffhaltiger Halsbänder erhältlich. Die Behandlung erfolgt prophylaktisch oder therapeutisch und orientiert sich an der saisonalen Aktivität der Parasiten; während Zecken-Expositionen primär zwischen März und November auftreten, stellt ein Flohbefall ein ganzjähriges Risiko dar [2, 3].
Bei einer Standarddosierung von etwa 10 mg/kg Körpergewicht werden bedeutende Mengen an Wirkstoffen auf das Fell der Tiere aufgetragen. Von dort gelangen sie im Wesentlichen über zwei Wege in die aquatische Umwelt:
Wenn behandelte Tiere in Oberflächengewässern schwimmen.
Durch das Waschen der Tiere zuhause in der Badewanne oder beim Hundecoiffeur, das Händewaschen der Tierhalter nach dem Streicheln der Tiere oder durch das Waschen von Liegematten in der Waschmaschine. Dadurch gelangen die Wirkstoffe in die Kanalisation und von dort über die kommunalen Abwasserreinigungsanlagen (ARA) in die Gewässer.
Aktuelle Studien zeigen, dass Haushalte die Hauptquelle für Fipronil‑ und Permethrineinträge in Oberflächengewässer sind [1, 4], während der direkte Eintrag durch badende Tiere nur eine geringe Rolle spielt [2, 4]. Für Permethrin kommen zudem Anwendungen als Biozid sowie als Humanarzneimittel hinzu. Durch letztere Anwendung – etwa in Salben gegen Krätze – gelangt Permethrin ebenfalls über das häusliche Abwasser in die Gewässer.
Insektizide weisen häufig bereits in sehr geringen Konzentrationen eine erhebliche Toxizität gegenüber aquatischen Invertebraten auf. Für Fipronil und Permethrin liegen die chronischen Umweltqualitätskriterien unter 1 ng/l. Besonders kritisch ist bei Fipronil die Bildung von Transformationsprodukten zu bewerten: Fipronil-Sulfon und Fipronil-Sulfid gelten nach einer ersten Ad-hoc-Bewertung des Oekotoxzentrums sogar als noch toxischer als die Muttersubstanz selbst (s. Tab. 1).
| Parameter | CQK | AQK | Herleitung |
| Fipronil | 0,77 ng/l | 3,2 ng/l | Vorschlag, Herleitung nach TGD (EC 2018a) |
| Fipronil-Sulfon | 0,102 ng/l | 0,77 ng/l | ad-hoc (AF50*) |
| Fipronil-Sulfid | 0,092 ng/l | 0,99 ng/l | ad-hoc (AF50*) |
| Permethrin | 0,27 ng/l | 2,5 ng/l | Vorschlag, Herleitung nach TGD (EC 2018a) |
| *Assessment-Factor von 50: Das CQK wurde aus der NOEC [6] und einem Sicherheitsfaktor von 50 berechnet. | |||
Die Ergebnisse des nationalen Messprogramms NAWA Trend MV, wie sie von Barth et al. [2] präsentiert wurden, unterstreichen die flächendeckende Problematik: Fipronil wurde in sämtlichen untersuchten Fliessgewässern mit Abwassereintrag nachgewiesen. Dabei kam es zu regelmässigen Überschreitungen des chronischen Qualitätskriteriums (CQK). Die durchgehenden Nachweise in ARA-Abläufen bestätigen, dass der Eintrag über kommunale Abwassersysteme der vermutlich wichtigste Pfad für die Belastung ist.
Basierend auf den NAWA-Daten wurde eine jährliche Fipronil-Fracht von circa 10 kg über die ARA in die Schweizer Gewässer hochgerechnet [2]. Eine präzise Differenzierung nach Anwendungsbereichen (z. B. Anteil der verschiedenen Produkte von Tierarzneimitteln) ist aufgrund der aktuell vorliegenden Daten jedoch nicht möglich. Eine umfassende nationale Stoffflussbetrachtung stösst derzeit an methodische Grenzen, da für eine Massenbilanz grosse Mengen an zusätzlichen Messdaten und detaillierten Verbrauchsstatistiken erforderlich wären.
Die Frachtermittlung von Permethrin ist schwierig, da der Stoff stark an Partikel gebunden vorliegt (logKow = 7,4). Der Verbrauch als Tierarzneimittel wird auf ca. 160 kg/a geschätzt [8]. Beschränkt sich die Analyse einer Probe auf die wässrige Phase, wird nicht die Gesamtkonzentration erfasst, sondern lediglich der gelöste Anteil. Je nachdem, ob die Proben vor der Analyse filtriert wurden oder nicht, erhält man stark variierende Konzentrationen, was eine Berechnung von Frachten sowie den Vergleich verschiedener Studien erheblich erschwert. Tabelle 2 fasst die Schätzungen der Verbrauchsmengen und der ARA-Frachten sowie die Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizienten von Fipronil und Permethrin zusammen.
| Â | Fipronil | Permethrin |
| Verkaufsmenge Tierarzneimittel (CH) [8] | unbekannt | ca. 160 kg/a |
| Verkaufsmenge Biozidprodukte (CH) [8] | keine Zulassung | 1500–2000 kg/a (Holzschutz) |
| Geschätzte ARA-Fracht (NAWA) | ca. 10 kg/a | nicht quantifizierbar |
| Detektionsrate | hoch (nahezu 100% in ARA-Nähe) | gering/unregelmässig (Sorption) |
| logKow [6,7] | 3,5Â - 4,0 | 7,4 |
Das Furttal bietet aufgrund seines topografisch klar abgegrenzten Einzugsgebiets und der hohen Belastung des Furtbachs mit Abwasser ideale Voraussetzungen, um Stoffflüsse zu analysieren. Der Furtbach, dessen Ursprung im Katzensee liegt, weist im Oberlauf nahezu keine Vorbelastung auf, was eine präzise Bilanzierung der stromabwärts erfolgenden Einträge ermöglicht.
Das Gewässer nimmt das gereinigte Abwasser von drei ARA auf: Regensdorf, Buchs und Otelfingen. Seit 2024 sind zwei dieser Anlagen mit einer 4. Reinigungsstufe zur Elimination von Mikroverunreinigungen ausgestattet: Während in der ARA Regensdorf eine Filtration über granulierte Aktivkohle (GAK) zum Einsatz kommt, setzt die ARA Buchs auf ein Verfahren mittels Ozonung mit nachgeschalteter Sandfiltration. Die ARA Otelfingen verfügt derzeit über keine weitergehende Verfahrensstufe. Die Untersuchungen im Furtbach erfolgten an der NAWA-Messstelle «Furtbach bei Würenlos», die vor der Einmündung des Furtbachs in die Limmat liegt (Fig. 2).
Das Erhebungskonzept beinhaltet die Erfassung der Frachten im Furtbach sowie die Bilanzierung der ARA-Einträge.
Im Zeitraum von 2023 bis 2025 wurden an der NAWA-Messstelle «Furtbach bei Würenlos» in den Kalenderwochen 20 bis 30 jeweils 3,5-Tages-Mischproben entnommen und auf Fipronil sowie Permethrin analysiert. Die Berechnung der Frachten erfolgte unter Einbezug der hochaufgelösten Abflussdaten der Messstelle.
In den ARA Regensdorf, Buchs und Otelfingen wurden 2025 im Rahmen der Quartalskontrollen 48‑Stunden‑Sammel-proben aus Zu- und Ablauf der ARA erhoben und analysiert. Um die Abbauleistungen der ARA zu quantifizieren, wurden aus den Konzentrationen und den täglichen Abwassermengen die Frachten berechnet.
Die Proben wurden gekühlt, lichtgeschützt und in Glasflaschen transportiert. Abwasserproben wurden vor der Analyse über 0,7‑µm‑Glasfaserfilter filtriert; für Permethrin wurden zusätzlich ungefilterte Zu- und Ablaufproben untersucht. Proben aus Fliessgewässern blieben unbehandelt. Die Wasser- und Abwasserproben wurden mittels Flüssig‑Flüssig‑Extraktion um den Faktor 500 (ARA) bzw. 2500 (Fliessgewässer) konzentriert und anschliessend per GC‑APCI‑MS/MS quantifiziert. Die Bestimmungsgrenzen betrugen 0,05 ng/l für Fipronil sowie 0,1 ng/l für Fipronil‑Sulfon und Permethrin.
Figur 3 zeigt die in den 48‑h‑Sammelproben der Zu- und Abläufe der ARA Regensdorf, Buchs und Otelfingen gemessenen Konzentrationen. In allen drei Zuläufen traten vergleichbare Werte auf. Permethrin lag in den filtrierten Proben mit rund 20 ng/l im Mittel etwa fünfmal höher als Fipronil (ca. 4 ng/l). Fipronil‑Sulfon wurde in Konzentrationen unter 1 ng/l nachgewiesen.
In den nicht filtrierten ARA-Zulaufproben fallen die Permethrin‑Konzentrationen deutlich höher aus. Diese Differenz ist auf die Sorption von Permethrin an organisches Material zurückzuführen, wodurch der Stoff in den ARA-Zuläufen, die hohe organische und partikuläre Frachten aufweisen, überwiegend feststoffgebunden vorliegt. Werden die partikelgebundenen Anteile analytisch nicht erfasst, resultiert daraus eine systematische Unterschätzung der tatsächlichen Permethrin‑Gesamtfracht im ARA-Zulauf. Für Fipronil wurde kein systematischer Unterschied zwischen den filtrierten und unfiltrierten Proben festgestellt.
Die Konzentrationen von Fipronil und Fipronil‑Sulfon in den ARA‑Abläufen unterschieden sich deutlich, bedingt durch die unterschiedlichen Verfahrensstufen der drei Anlagen.
Die effizienteste Elimination von Fipronil und Fipronil-Sulfon wurde in der ARA Regensdorf erzielt. Durch die Behandlung mit GAK konnten Konzentrationsreduktionen zwischen 70% und 90% realisiert werden. Dies unterstreicht die hohe Affinität beider Substanzen zur Aktivkohle.
In der ARA Buchs reduzierte die Ozonung die Fipronil‑Konzentration um rund 70 %. Für das Transformationsprodukt Fipronil‑Sulfon zeigte sich kein vergleichbarer Rückgang. Dies ist plausibel, da Fipronil‑Sulfon das Oxidationsprodukt von Fipronil und Fipronil‑Sulfid darstellt. Während der Ozonung kann daher neu gebildetes Fipronil-Sulfon eine mögliche Eliminierung überlagern.
Die Ergebnisse bestätigen, dass eine konventionelle ARA mit lediglich einer biologischen Reinigungsstufe nicht in der Lage ist, Fipronil und Fipronil-Sulfon zu eliminieren. Die Konzentrationen blieben im Vergleich von Zu- und Ablauf nahezu unverändert.
Für Permethrin wurde in allen untersuchten ARA eine sehr hohe Reduktion der Konzentrationen in der Wasserphase beobachtet. Ob dieser Rückgang auch auf biologische Abbauprozesse oder vor allem auf die Sorption an Klärschlamm zurückzuführen ist, lässt sich anhand der vorliegenden Daten nicht abschliessend beurteilen. Der deutliche Unterschied zwischen den Resultaten der Analyse der Gesamtfraktion (inkl. Schwebstoffen) und der gelösten Phase in den Zulaufproben zeigt jedoch deutlich, dass Sorptionsprozesse eine zentrale Rolle spielen und höchstwahrscheinlich den dominierenden Eliminationsweg darstellen. Literaturangaben bestätigen diese Annahmen [9].
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Aus den gemessenen Konzentrationen und den Daten für die Abflüsse wurden die Frachten für Fipronil und Permethrin berechnet. Zu Fipronil-Sulfon liegen noch keine Gewässerdaten vor, die Verbindung wurde nur in den ARA-Proben bestimmt. Die berechneten Frachten sind in Tabelle 3 dargestellt.
| Fipronil | Permethrin | |||
|
Mittlere Konzentration [ng/l] |
Mittlere Fracht [mg/d] |
Mittlere Konzentration [ng/l] |
Mittlere Fracht [mg/d] |
|
| Ablauf ARA Regendorf | 0.51 | 3.4 | <0.1 | n.b. |
| Ablauf ARA Buchs | 1.7 | 10 | <0.1 | n.b. |
| Ablauf ARA Otelfingen | 4.1 | 11.7 | 0.38 | 1.1 |
| Furtbach bei WĂĽrenlos | 1.02 | 27.8 | 0.173 | 4.7 |
| Frachtanteil Anteil aus ARA | 90.3% | 23.2% | ||
Die Massenbilanz zeigt, dass über 90% der im Furtbach gemessenen Fipronil‑Gesamtfracht aus den Abläufen der drei untersuchten ARA stammt. Damit bestätigt sich die von Barth et al. [2] auf nationalen Monitoringdaten basierende Einschätzung, dass Fipronil nahezu ausschliesslich über die Siedlungsentwässerung in Oberflächengewässer gelangt. Die geringe Differenz zwischen der aufsummierten Fracht der ARA‑Abläufe und der an der NAWA‑Messstelle erfassten Gesamtfracht liegt im Rahmen der erwartbaren Mess‑ und Erhebungsunsicherheiten. Möglich ist zudem ein kleiner Beitrag durch punktuelle Zusatzquellen, etwa Direkteinträge behandelter Tiere beim Schwimmen oder Mischwasserentlastungen bei Stark-regen.
Die Massenbilanz für Permethrin ergibt ein anderes Bild: Lediglich ein Viertel der im Furtbach gemessenen Gesamtfracht lässt sich auf die regulären Abläufe der drei ARA zurückführen. Für Substanzen mit hohem Rückhalt in der ARA gewinnen Mischwasserentlastungen als Eintragspfad an Bedeutung. Da im entlasteten Mischwasser sowohl die gelöste als auch die gesamte partikelgebundene Fracht enthalten ist, stellt dieser Pfad trotz des geringeren hydraulischen Volumens höchstwahrscheinlich eine bedeutende Permethrin-Quelle dar. Diese Einschätzung deckt sich mit Analysen des Umweltbundesamtes Deutschland, die Mischwasserentlastungen als kritischen Eintragspfad für Permethrin identifizieren [9].
In Figur 4 sind die Konzentrationen von Fipronil und Permethrin für die Jahre 2023 bis 2025 an der NAWA-Messstelle «Furtbach bei Würenlos» dargestellt, ergänzt durch die zugehörigen chronischen Qualitätskriterien (CQK).
Im Jahr 2023 lagen die Fipronil‑Konzentrationen durchgehend über dem CQK und stellten damit ein dauerhaftes Risiko für aquatische Organismen dar. Nach der Inbetriebnahme der GAK‑Stufe in der ARA Regensdorf (Mai 2024) sanken die Einträge deutlich, sodass die CQK weitgehend eingehalten wurden. 2025 kam es jedoch erneut zu regelmässigen Überschreitungen. Da für 2024 keine detaillierten Zulaufdaten vorliegen, bleibt offen, ob der Wiederanstieg auf erhöhten Verbrauch oder Schwankungen in der Eliminationsleistung zurückzuführen ist. So sind auf der ARA Regensdorf 2025 zeitweise geringere Abbauleistungen beobachtet worden, die auf Herausforderungen im Betrieb der neuen GAK‑Stufe zurückzuführen waren.
Das CQK für Permethrin wurde in den Wasserproben ebenfalls regelmässig überschritten, wenn auch etwas seltener als bei Fipronil. Aufgrund seiner starken Bindung an organisches Material reichert sich Permethrin im Sediment an. Für eine umfassende ökotoxikologische Beurteilung müsste also seine Wirkung auf Organismen, die in und auf der Bachsohle leben, mit einbezogen werden. Eingelagertes Permethrin kann zudem über lange Zeit im Sediment verbleiben und bei Hochwasser oder durch Bioturbation erneut freigesetzt werden. Erste Untersuchungen des Gewässerschutzlabors stützen diese Einschätzung: In allen analysierten Sedimentproben des Furtbachs wurde Permethrin nachgewiesen. Damit wird deutlich, dass eine Risikobewertung, die nur die Wasserphase berücksichtigt, die tatsächliche Gefährdung deutlich unterschätzt.
Insgesamt zeigt sich, dass die bisherigen technischen Ausbaumassnahmen der ARA im Einzugsgebiet nicht ausreichen, um das Risiko für die aquatische Biota dauerhaft unter die kritische Schwelle zu senken. Daher braucht es neben technischen Massnahmen eine Reduktion des Verbrauchs und damit des Eintrags. Auch die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte (GST) unterstützt diesen Ansatz. Sie kritisiert, dass hochwirksame Antiparasitika ohne fachliche Beratung online, in Zoofachhandlungen oder Apotheken erhältlich sind. Eine strengere Abgaberegelung könnte sicherstellen, dass diese Wirkstoffe gezielter und unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte eingesetzt werden [10].
Die vorliegenden Untersuchungen im Furttal bestätigen, dass Fipronil und Permethrin in beträchtlichen Mengen über häusliches Abwasser in die aquatische Umwelt gelangen. Für Fipronil belegt die Massenbilanzierung, dass über 90% der Gewässerfracht aus kommunalen ARA stammt. Da die beiden Insektizide hauptsächlich in Tierarzneimitteln verwendet werden, rückt die Heimtierhaltung als bedeutender, bisher jedoch unterschätzter Faktor in den Fokus des Gewässerschutzes.
Die regelmässigen Überschreitungen der CQK verdeutlichen das Risiko für die aquatische Biota. Während Fipronil primär die Wasserphase belastet, stellt Permethrin eine akute und langfristige Bedrohung für das Sediment dar. Der Nachweis von Permethrin in sämtlichen untersuchten Sedimenten des Furtbachs unterstreicht die Funktion des Sediments als Langzeitspeicher und Risikoquelle für benthische Organismen.
Der Ausbau der ARA um eine vierte Reinigungsstufe stellt einen zentralen Ansatz zur Reduktion der Stofffrachten dar. Die Ergebnisse zeigen deutliche verfahrensspezifische Unterschiede:
Für Fipronil sowie das Transformationsprodukt Fipronil‑Sulfon erwies sich die Adsorption an Aktivkohle als wirksam. Sie ermöglicht einen guten Rückhalt beider Substanzen.
Die Ozonung eliminiert Fipronil effizient, stösst bei Fipronil‑Sulfon jedoch an Grenzen. Das Sulfon kann einerseits als Oxidationsprodukt im Prozess neu gebildet werden, andererseits weist es eine höhere Persistenz gegenüber Ozon auf.
FĂĽr stark partikelgebundene Stoffe wie Permethrin stellen Entlastungen bei Regen einen relevanten Umgehungspfad dar.
Um die Gewässerbelastung nachhaltig zu senken, darf die Strategie nicht allein auf End-of-Pipe-Lösungen beruhen. Folgende Massnahmen werden empfohlen:
Die Abgabe hochwirksamer Antiparasitika sollte verstärkt an eine fachmedizinische Beratung durch Tierärzte oder Apotheker gebunden werden. Der freie Zugang über den Online-Handel und Zoofachshops ohne entsprechende Aufklärung über Umweltgefahren ist kritisch zu hinterfragen.
Es bedarf gezielter Informationskampagnen. Tierbesitzer sollten darüber aufgeklärt werden, dass behandelte Tiere in den ersten Tagen nach der Applikation (insb. bei Spot-on-Präparaten) nicht gebadet werden dürfen und Gewässern fern bleiben sollten.
Zukünftige Messprogramme sollten verstärkt die partikelgebundene Phase im Abwasser sowie die Sedimentbelastung in Fliessgewässern berücksichtigen, um das tatsächliche Gefährdungspotenzial von Pyrethroiden wie Permethrin zu erfassen.
Zur Reduktion der Permethrin-Einträge ist die Optimierung des Mischwassermanagements (z. B. durch grössere Rückhaltevolumina oder eine dynamische Regelung) unumgänglich.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nur eine Kombination aus technischem ARA-Ausbau, regulatorischen Anpassungen und der Förderung der Eigenverantwortung von Tierhaltenden einen wirksamen Schutz der Fliessgewässer vor diesen hochwirksamen Insektiziden gewährleisten kann.
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[1] Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie, Universität Zürich (VetPharm UZH) (o. D.): Wirkstoff: Fipronil – Dosierungen. Retrieved 26.09.2025 from https://www.vetpharm.uzh.ch/Wirkstoffe/000000012006/8373_05.html
[2] Barth, S. et al. (2025): Fipronil belastet die Fliessgewässer. Antiparasitäre Tierarzneimittel für Heimtiere als wahrscheinlichste Quelle. Aqua & Gas 10: 90–95
[3] Teerlink, J. et al. (2017): Fipronil washoff to municipal wastewater from dogs treated with spot-on products. Science of The Total Environment 599: 960–966. Retrieved 24.10.2025 from
[4] Domingo-Echaburu, S. et al. (2021): Environmental contamination by pet pharmaceuticals: A hidden problem. Science of The Total Environment 788: 147827.
[5] Oekotoxzentrum (2025): Vorschläge des Oekotoxzentrums für Qualitätskriterien für Oberflächengewässer. Retrieved 25.08.2025 from https://www.oekotoxzentrum.ch/expertenservice/qualitaetskriterien/qualitaetskriterienvorschlaege-oekotoxzentrum
[6] Tierbach, A. et al. (2021): CQC (AA-EQS) and AQC (MAC-EQS) – Proposal by the Ecotox Centre for: Fipronil. Dübendorf (CH): Swiss Centre for Applied Ecotoxicology
[7] Kroll, A. et al. (2022): CQC (AA-EQS) and AQC (MAC-EQS) – Proposal by the Ecotox Centre for: Permethrin. Dübendorf (CH): Swiss Centre for Applied Ecotoxicology
[8] Barth, S.; Doppler, T. (2025): Ursachen der Pestizidverunreinigung. Mögliche Quellen und Eintragswege in Fliessgewässer eingrenzen. Aqua & Gas 10: 80–88
[9] Umweltbundesamt Deutschland (2019): Belastung der Umwelt mit Bioziden realistischer erfassen –Schwerpunkt Einträge über Kläranlagen
[10] GST (2025): Fokusthema im SAT, «Fipronil belastet die Fliessgewässer», bezogen von https://sat.gstsvs.ch/de/sat/sat-artikel/archiv/2025/122025/fipronil-belastet-fliessgewaesser.html
Um den Abbau in ARA und in Abhängigkeit der weitergehenden Verfahrensstufe zu untersuchen, wurden 48-h-Sammelproben von fünf verschiedenen ARA untersucht. Die Probenahmen in Zu- und Ablauf der ARA erfolgten im Mai, Juli und September 2025. Zwei der untersuchten ARA haben eine Ozonung als weitergehendes Verfahren (ARA Buchs und ARA Werdhölzli), zwei eine Aktivkohlestufe (ARA Regensdorf und ARA Egg-Oetwil); die fünfte ARA, die ARA Otelfingen, besitzt keine Stufe für die Elimination von Mikroverunreinigungen. Die mittleren Reinigungsleistungen der untersuchten ARA sind, unterteilt nach Verfahrensstufen, in Figur 1 wiedergegeben.

Fig. 1 Reinigungsleistung von ARA ohne weitergehendes Verfahren, von ARA mit Ozonung und von ARA mit Aktivkohle-Stufe fĂĽr Fipronil, Fipronil-Sulfon und Permethrin.
Wir danken dem Laborteam des Gewässerschutzlabors für die Probenahme der Wasser- und Abwasserproben, insbesondere Michael Tschapaun, Jean Claude Vogel, Mathias Meya, Thomas Reimann, Lucian Michel und Rudolf von Wartburg. Vielen Dank an Marion Junghans vom Oekotoxzentrum für das Erarbeiten der Qualitätskriterien und die Ad-Hoc-Einschätzungen der Toxizität der Fipronil-Metaboliten. Vielen Dank an Pius Niederhauser für das Korrigieren und Kommentieren des Artikels und an Heinz Singer für den fachlichen Austausch.
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