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Fachartikel
10. Juni 2026

SBV-Weiterbildungskurs 2026

Über 1000 Wasserprofis unter sich

Der Weiterbildungskurs des Schweizerischen Brunnenmeisterverbands (SBV) hat auch 2026 seine Rolle als wichtiger Treffpunkt der Branche bestätigt. Über 1000 Teilnehmende besuchten die mehrfach angebotenen Kurse, um ihr Fachwissen zu vertiefen und sich mit Kolleginnen und Kollegen auszutauschen. Das zweitägige Format mit einem Theorie- und einem Praxistag ermöglichte es erneut, Inhalte direkt mit konkreten Anwendungen zu verknüpfen.
Antonia Eichelberg 

Der Kurs wurde von SBV-Präsident Res Mori eröffnet, der im Laufe des Jahres zurücktreten wird und auf eine langjährige, engagierte Tätigkeit zurückblicken kann. Er nutzte die Gelegenheit, um die rund 40 Absolventinnen und Absolventen der Brunnenmeisterausbildung zu würdigen und ihnen zum erfolgreichen Abschluss zu gratulieren.

Fachreferate mit breitem Themenspektrum

Zum Einstieg wurden Versuche mit unterschiedlichen Aktivkohle-Korngrössen vorgestellt. Dabei zeigten sich Unterschiede im Adsorptionsverhalten, die je nach Anwendung unterschiedlich ins Gewicht fallen.

Trinkwasserinspektoren aus verschiedenen Kantonen ordneten anschliessend gesetzliche Anforderungen ein und gingen auf die Verantwortung der Wasserversorgungen ein. Diskutiert wurden unter anderem die Ausgestaltung von Probenahmeplänen und der Umgang mit Messdaten im Betriebsalltag.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Fassungseinzugsgebiet sowie der Totalrevision der SVGW-Richtlinie W2. Fachspezialistinnen und Fachspezialisten Wasser der SVGW-Geschäftsstelle stellten den darin umgesetzten, stärker risikobasierten Ansatz vor, der das gesamte Einzugsgebiet berücksichtigt und hilft, Gefährdungen systematisch zu erfassen.

Monika Gehrig, Juristin des SVGW, zeigte anhand konkreter Beispiele die Haftungsrisiken sowie die sich daraus abgeleiteten Versicherungslösungen einer Wasserversorgung auf. Behandelt wurden neben der Haftung, die sich aus dem Lebens­mittelrecht ergibt, insbesondere die Produktehaftpflicht sowie die Werkeigentümerhaftung. Im Fokus standen finanzielle Schadenersatzansprüche Dritter infolge von Erkrankungen sowie Schäden infolge von Leitungsbrüchen. Deutlich wurde, dass technische Entscheidungen oft auch rechtliche und versicherungstechnische Konsequenzen haben.

Technische Herausforderungen

Weitere Referate griffen die Sicherstellung von Quellwasser unter dem Einfluss von Klimawandel, Verunreinigungen und alternder Infrastruktur auf. Auch der Einsatz von Pumpen­systemen wurde behandelt, insbesondere im Hinblick auf einen sicheren und wirtschaftlichen Betrieb.

Der Beitrag zu Be- und Entlüftungsventilen vermittelte die zugrunde liegenden physikalischen und technischen Zusammenhänge verständlich und mit Bezug zur Praxis. Ergänzend wurde die Bedeutung der Arbeitssicherheit im täglichen Betrieb unterstrichen.

Ein Ausblick in die Zukunft bot das Referat zur künstlichen Intelligenz. Diskutiert wurden mögliche Anwendungen im Monitoring und bei der Unterstützung von Betriebsprozessen. 

Einblicke und Perspektiven

SVGW-Direktor Michael Meier informierte über aktuelle Aktivitäten des Verbands. Neben Entwicklungen im Regelwerk und in der Weiterbildung wurde die Nähe zur Branche betont. Ziel ist und bleibt eine praxisnahe Unterstützung der Wasser­versorgungen.

Mit dem Beitrag vom Gleitschirmpiloten Chrigel Maurer wurde eine zusätzliche Perspektive eingebracht. Der Extremsportler stellte Bezüge zwischen seinen Wettkampferfahrungen und beruflichen Herausforderungen her. Themen wie Teamarbeit, Umgang mit Ungewissheiten und persönliche Entwicklung boten Anknüpfungspunkte für den Berufsalltag.

Praxis und Austausch im Fokus

Am Praxistag konnten die Teilnehmenden verschiedene Inhalte in Demonstrationen und an Anlagen vertiefen. Die begleitende Ausstellung zeigte Produkte und Lösungen für den Einsatz im Betrieb. Neben all den fachlichen Angeboten blieb ausreichend Raum für den persönlichen Austausch. Gespräche unter Kolleginnen und Kollegen lieferten zusätzliche Anregungen und trugen dazu bei, Erfahrungen über die Referate hinaus weiterzugeben.

Für den SVGW bleibt der Weiterbildungskurs des SBV eine wichtige Plattform für den fachlichen Austausch. Er bietet die Möglichkeit, aktuelle Themen aufzunehmen, Rückmeldungen aus der Praxis einzubeziehen und den Dialog mit den Wasserversorgungen zu pflegen.

 

Interview mit Res Mori

Nachdem er seit 2019 als Präsident des SBV amtete – vorher war er bereits fünf Jahre Mitglied des SBV-Vorstands -, wird sich Andreas Mori an der 77. Mitgliederversammlung Ende Mai in Langenthal nicht zur Wiederwahl stellen. In einem kurzen Interview blickt der abtretende SBV-Präsident auf sein grosses Engagement im Weiterbildungsbereich zurück und auf die Zusammenarbeit von SBV und SVGW.

Herr Mori, Sie haben sich stark in der Wasserbranche engagiert, vor allem im Bereich Weiterbildung. Wo waren Sie überall aktiv?

Beim SVGW war ich viele Jahre lang, beginnend 1998, im Rohrnetzmonteur-Lehrgang als Fachlehrer und Prüfungsexperte involviert. Zudem war ich Prüfungsexperte beim SVGW-Lehrgang der Brunnenmeister. Auch als die Wasserwart-Kurse gestartet wurden, habe ich dort unterrichtet. Beim SVGW-Weiterbildungskurs «Teamleiter» sass ich von Anfang an in der Prüfungskommission. Und schliesslich war ich einige Jahre lang Vorsitzender der SVGW-Kommission B-UK1 «Berufskommission Brunnenmeister». Nicht nur beim SVGW habe ich mich im Weiterbildungsbereich engagiert, sondern auch beim Verband Kunststoff-Rohre und -Rohrteile (VKR) und beim Schweizerischen Verein für Schweisstechnik (SVS). Im von den beiden Verbänden gemeinsam durchgeführten Schweisskurs für PE-Leitungen sitze ich seit 12 Jahren in der Prüfungskommission.

Auch in diesem Jahr war der Weiterbildungskurs des SBV ein voller Erfolg. Seit wann gibt es diesen Kurs eigentlich, und wie wurde er über die Jahre hinweg inhaltlich und konzeptionell weiter-entwickelt?

Die WBK-Kurse in Sursee bestehen seit 17 Jahren. Bereits zuvor gab es jährlich eine Weiterbildungsveranstaltung, die zunächst bei einzelnen Werken stattfand, die Räumlichkeiten und Referierende zur Verfügung stellten, und später im Bildungszentrum Lostorf von suissetec durchgeführt wurde. Insgesamt reicht die Geschichte dieses Angebots über 75 Jahre zurück: Der erste Kurs wurde 1950 abgehalten. In dieser langen Zeit hat sich das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt. Früher ergaben sich die Themen häufig aus aktuellen Ereignissen oder aus der Einführung neuer Materialien, die Schulungen zu deren Verarbeitung erforderlich machten. Entsprechend waren sowohl die Kurse als auch die Ausstellung stärker auf einzelne Themen ausgerichtet.Heute wird während des Kurses eine Umfrage via QR-Code durchgeführt, bei der die Teilnehmenden Themenwünsche und -vorschläge für kommende Veranstaltungen einbringen können. Dasselbe gilt für die Aussteller. Zudem haben der SBV und die Aussteller eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich regelmässig über aktuelle Marktbedürfnisse und Themen austauscht. So werden alle Aussteller enger eingebunden und die Teilnehmenden profitieren von einem breiter abgestützten Informationsangebot. Eine weitere Neuerung besteht darin, dass der Vortrag nach dem Mittagessen seit einigen Jahren bewusst thematisch erweitert wurde: Statt ausschliesslich Trinkwasser stehen inspirierende Persönlichkeiten aus anderen Bereichen im Fokus – etwa Sportlerinnen und Sportler, Abenteurer oder andere spannende Gäste – wie in diesem Jahr der Gleitschirmpilot Chrigel Maurer. Der Erfolg gibt dem SBV und seinem derzeitigen Konzept für den Weiterbildungskurs recht: Die Teilnehmerzahl steigt von Jahr zu Jahr.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen SVGW und SBV in der Vergangenheit, und welche Erwartungen oder Wünsche haben Sie für die weitere Zusammenarbeit?

In den letzten Jahren empfand der SBV die Zusammenarbeit nicht immer als zufriedenstellend und fruchtbar. Seit rund anderthalb Jahren ist jedoch ein frischer Wind beim SVGW spürbar. Neue Ideen und ein moderner Auftritt stärken das Vertrauen des SBV in den Verband. Besonders erfreulich ist aus unserer Sicht, dass die Strategie des SVGW heute nicht mehr ausschliesslich von grossen Versorgungen geprägt wird, sondern breiter abgestützt ist. Dadurch fühlen wir uns wieder ernst genommen und als gleichwertiger Partner respektiert.

Unser Wunsch ist, dass SVGW und SBV künftig geschlossen als starke und verlässliche Partner auftreten und so auch in der Wasserbranche wahrgenommen werden. Dies sollte sich nicht nur auf den Bereich der Aus- und Weiterbildung beschränken, in dem wir bereits seit vielen Jahren eng zusammenarbeiten. Insbesondere gilt es, das Thema Trinkwasser gemeinsam im politischen Bern noch wirksamer zu vertreten.

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