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Fachartikel
26. Februar 2018

Interview

«GIS ist eines der wichtigen Systeme bei der täglichen Arbeit»

Die SVGW-Empfehlung GW 1002 «Geografische Informationssysteme (GIS) für Werkdaten» aus dem Jahr 2001 ist in einer Zeit entstanden, als Versorgungsunternehmen sich mit der Übertragung ihrer Werkpläne vom Papier in den Computer beschäftigten. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Die Auswirkungen des Geoinformationsgesetzes, Diskussionen auf kantonaler und mittlerweile auch nationaler Ebene zum Thema Leitungskataster und die Einbindung von GIS in die IT-Systemlandschaft der Werke, das alles sind Themen, die die Unternehmen heute beschäftigen. Michael Berteld (IWB) und André Olschewski (SVGW) beschreiben im Interview, wie das GIS bei IWB und der Leitungskataster in den Kantonen BS und BL funktioniert, was der Stand beim nationalen Leitungskataster ist und welches die Überlegungen zur Aktualisierung der GW 1002 sind.
Margarete  Bucheli 
Herr Berteld, IWB betreibt fünf Netze. Da fallen grosse Mengen an geographischen Informationen an. Wie werden diese gesammelt und abgelegt?

Ja, wir betreiben fünf Netze: ein Erdgas-, Wasser-, Strom-, Fernwärme- und seit kurzem auch ein Telekom-Netz. Grundsätzlich erfolgt die Nachführung klassisch: Die Vermessung wird zum gegebenen Zeitpunkt zur Baustelle gerufen und nimmt die Gesamtheit der Daten der Werkinformation (WI) auf. Im Kanton BL liegt die Verantwortung dafür vollumfänglich bei uns. Im Kanton BS übernehmen Mitarbeiter des Leitungskatasters (LK) beim Grundbuch-und Vermessungsamt die Einmessung der Lage der Leitungen beim offenem Graben und führen damit den LK nach. Wir nehmen zusätzliche Daten für unsere Dokumentation auf Niveau WI auf. Das erfolgt zu unterschiedlichen Zeitpunkten, so dass Redundanzen weitgehend ausgeschlossen sind.

Hinzu kommt dann die aufwendige Aufnahme der Topologie, also der Leitungslogik. Im Wasser werden dabei alle Leitungsstränge zu einer Leitung zusammengeführt. Diese enthält zusätzlich Knoten wie Schieber, die das Netz unterbrechen können. Mit Hilfe der Topologie können solche Knoten funktional im GIS abgefragt werden. Dafür muss sie sauber erfasst und nachgeführt werden. Alle Informationen münden neben weiteren Angaben seitens Baufirma oder Betrieb in einen Aufnahmeplan. Dieser wird dann im Innendienst in der WI GIS nachgeführt.

Dieser Weg von der Baustelle in das GIS unterliegt einer grossen Dynamik: Heute erfolgen schon viele Schritte digital. Derzeit sind wir daran, den Aussendienst mit einer geeigneten Software zu versehen, damit die Prozesse noch effizienter und flexibler funktionieren. So werden viele der heute nötigen Zwischenschritte bei der Aufnahmeplanerstellung wegfallen. Eine vollständige Nachführung der WI direkt im Feld sehen wir jedoch momentan noch nicht. Dafür sind die Versorgungsnetze im städtischen Umfeld zu komplex. Der Wechsel eines Schiebers, der seine Lage nicht ändert, lässt sich problemlos vor Ort nachführen. Aber viele Änderungen betreffen mehr als den Bauperimeter und können im Büro effizienter bearbeitet werden.

Welchen Nutzen zieht die IWB aus all diesen Informationen?

GIS ist neben ERP sicher eines der grossen und wichtigen Systeme bei der täglichen Arbeit. Mit der GIS-Dokumentation erfüllt IWB zunächst einmal die rechtliche Anforderung, dass ein Versorger jederzeit über die geografische Lage seiner Leitungen Auskunft geben können muss. Neben der Lage erfassen wir im GIS natürlich auch eine Vielzahl weiterer Informationen: Netzart, Sanierungsdatum, Durchmesser, Spannungsarten, Baujahr, usw. und – wie bereits erwähnt – die gesamte Leitungslogik.

Die Verteilung erfolgt mittels unserem webGIS. Jeder Mitarbeiter kann über eine Browserlösung von jedem Arbeitsplatz innerhalb des IWB-Netzwerks auf die GIS-Daten zugreifen. Diese Lösung zeigt neben den eigenen WI auch noch weitere Informationen, darunter den Baumkataster (Lage der Bäume auf der Allmend), Leitungskataster (wichtige Informationen für unsere Planungen, Projektierungen als auch für Piketteinsätze, um Fremdleitungen ausreichend berücksichtigen zu können) sowie die internen Bauperimeter unserer Planungen inkl. zugehöriger Informationen (Kosten, Baustart usw.).

Es gibt zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten. Es geht dabei nicht allein um die geografische Lage unserer Netze. So hilft z. B. eine Funktion mit Hilfe der Topologie bei Abstellungen die betroffenen Anschlussleitungen automatisch zu finden. Die Adressen können ins Excel exportiert und dann für Serienbriefe genutzt werden. Ebenfalls können nach Filterung die individuell abgefragten Inhalte in einer thematischen Karte dargestellt und eingefärbt werden. Standardschnittstellen runden das heutige Paket ab, um Assetmanagement, Netzberechnungsprogramme, Planungs- und Projektierungsbereiche oder die Anlagenbuchhaltung mit Daten zu beliefern. GIS steht mehrheitlich am Anfang und am Ende vieler Arbeitsaufgaben. Damit ist es integraler Teil der Prozesse und keineswegs nur ein Anhängsel. Neu werden immer öfter strategische Netzentwicklungsaufgaben mit GIS definiert.

Die beiden Basel-Kantone haben bezüglich Leitungskataster schweizweit eine Vorreiterrolle übernommen. Was läuft zu diesem Thema in BS/BL bereits?

In den Kantonen BS und BL existiert gemäss gesetzlichen Grundlagen der LK schon seit Generationen. In BL sind im Jahr 2006 die Versorger auf den Kanton als Aufsichtsbehörde des LK zugegangen, um die veralteten Datenmodelle und Arbeitsprozesse zu reformieren. Die SIA wurde auf diese Aktivitäten aufmerksam und erkannte die Bedeutung des Unterfangens. Das hatte zur Folge, dass die Norm SIA 405 «Geodaten zu Ver- und Entsorgungsleitungen» überarbeitet wurde. In diesem Zusammenhang wurde das Austauschformat LKMap entwickelt. Damit stand dann sogar ein schweizweit anwendbares Format für einen LK zur Verfügung.

Der Kanton BL hat sich mit der Arbeitsgruppe zu diesem Format bekannt und kleine Erweiterungen in das Modell eingebracht. Heute sind einzig die Werke in BL für die Nachführung des LK verantwortlich. Quartalsweise werden die versorgten Gemeinden von uns mit einem Update im Format LKMap beliefert. Die zuständige Datenverwaltungsstelle übernimmt die Daten vereinfacht gesagt per Knopfdruck. Doppelspurigkeiten in den Aufnahmeprozessen inkl. der damit verbundenen Qualitätsprobleme wurden dadurch eliminiert. Diese Entwicklung ist für alle Beteiligten sehr positiv. Zudem wurde der bestehende Perimeter des Leitungskatasters vom ehemaligen Siedlungsgebiet auf das gesamte Gemeindegebiet ausgedehnt. So stellen sich auch keine Fragen mehr bei Planungen an der Peripherie.

BS hatte Einsitz im Reformprojekt des Kantons BL und stimmte am Ende ebenfalls dem neuen Modell zu. Erst vor kurzem – Anfang November 2017 – wurden die Daten in das Format LKMap migriert. Im Unterschied zu BL erfolgt jedoch die Aufnahme der Leitungen nicht in Eigenregie der Werke. Vielmehr melden in BS alle Versorger ihre jeweiligen Veränderungen zur Einmessung an die für den LK zuständige kantonale Behörde. Kantonale Mitarbeiter nehmen die Informationen im Feld auf und leiten sie digital an uns weiter. Die Werke wie IWB reichern diese dann mit den fehlenden Informationen zur Stufe WI im GIS an.

Die Migration ist sicher befriedigend gelaufen. Am Datenaustausch und dem möglichst reibungslosen Ablauf der weiteren Arbeitsprozesse bei IWB arbeiten wir noch. Dank des guten Partners auf Kantonsseite läuft dies aber zufriedenstellend und praktisch reibungslos ab.

In welchen Dimensionen (2D, 3D) liegen die Leitungsdaten im Kataster vor?

Entwicklungsbedingt besitzen unsere WI nur zu etwa 5% Informationen mit einer Z-Koordinate. Höhenkoordinaten nehmen wir erst seit ein paar Jahren auf. Eine Nutzung dieser ist jedoch schwierig, da sie nicht flächendeckend vorhanden sind. Aber sicher ist 3D wichtig und wird allein wegen der dichten Belegung des Untergrunds in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Im LK BL und BS wird die Z-Koordinate ebenfalls geführt. Sie ist aber für die Datenlieferanten optional resp. wird bei Gelegenheit nachgeführt. Wir können ja nicht einfach alle Netze ausgraben und neu dreidimensional aufnehmen.

Erlauben möchte ich mir aber auch eine kritische Anmerkung. Objektdaten in 3D zu haben, ist sicher sehr spannend. Sie in diesem Format zu pflegen, potenziert jedoch den Nachführungsaufwand. Die Z-Koordinate steht ja bei der Nutzung immer in einer Relation zur Oberfläche. Diese verändert sich aber rasant. Allein durch Gestaltungsprojekte werden ganze Quartiere stark verändert. Diese Daten im Datenaustausch und der folgenden Nutzung aktuell zu halten, bedeutet grossen Aufwand und erfordert gute Detailkenntnisse. Leitungen in Brückenbauwerken haben andere Koordinaten, als darunter querende Strassen mit darin verlegten Leitungen. Diese Informationen den Daten für den Gebrauch von Funktionen oder automatischen Auswertungen mitzugeben, ist eine wirkliche Herausforderung. Das wird in den Diskussionen viel zu wenig betont. Moderne Aufnahmewerkzeuge liefern ja immer die Z-Koordinate, Datenmodelle können sie ohne Probleme verwalten, doch die Nutzung und der damit verbundene Aufwand wurden noch viel zu wenig 
betrachtet.

Was bedeutet das für IWB? Welche Informationen müssen die IWB liefern?

Wir liefern grundsätzlich in BL unsere Daten im Format LKMap und tragen damit selber die Entscheidung, welche Daten eine Z-Koordinate besitzen. Natürlich verstehen wir die Verantwortung zur Führung der dritten Dimension und werden diese auch zunehmend unterhalten. In BS wird die Z-Koordinate derzeit noch nicht zwingend durch den Leitungskataster gefordert.

Wie gross ist der Aufwand für die Datenlieferungen und Aktualisierungen?

Das Format LKMap ist für jeden einsehbar und mit entsprechendem IT-Wissen auch gut verständlich. So haben wir die Export- und Importschnittstellen selber entwickeln können. Verbunden damit ist natürlich auch eine Qualitätsprüfung, damit keine groben Fehler passieren. Hierzu zählen z. B. Datensummen, die berechnet werden. So mag das Datenformat zwar richtig sein, aber es wird vielleicht nur ein Datensatz statt 200 000 geliefert. Eine Prüfung allein auf Formatebene erlaubt nicht, das zu erkennen, was natürlich vermieden werden muss. Der Import der gesamten LK-Daten allein in BS bedeutet für uns heute eine Reduktion des Aufwands von ehemals drei Tagen auf gut 30 Minuten.

Doch sind Import und Export nur ein Teil dessen, was infolge der Veränderungen des LK anzupassen war. In der Nutzung mussten intern die Darstellungsmodelle und alle Exportschnittstellen für interne Datenbezüger neu aufgebaut werden. Ziel war es, den LK in unserem webGIS gleich darzustellen, wie ihn das offizielle Darstellungsmodell zeigt. Damit sollen in Gesprächen mit Externen Verständnisfragen aufgrund unterschiedlicher Darstellung vermieden werden.

Wie sind in den Kantonen BS und BL der Zugang zum Leitungskataster und Haftungsfragen geregelt?

Die Daten des LK sind Teil des sogenannten Geobasisdatensatzes. Der Zugang zu diesen Daten unterliegt in den beiden Basel-Kantonen der Berechtigungsstufe «B» gemäss Geoinformationsverordnung des Bundes . Das heisst, die Daten sind nur beschränkt öffentlich zugänglich. Es muss seitens Nutzer ein berechtigtes Interesse nachgewiesen werden. Daraus ergibt sich, dass bei überwiegend privaten Interessen der Zugang zu den Daten verwehrt bleibt. Vertraglich geregelt haben alle, die den LK füttern, einen Zugang zu den Daten. In BL und BS erfolgt dieser über den bestehenden GeoShop respektive Geodaten-Shop. Die Daten können hier einfach im Format LKMap heruntergeladen werden.

Ich möchte darauf hinweisen, dass basierend auf einer LK-Auskunft alleine noch nicht mit dem Graben begonnen werden darf. Es müssen auf jeden Fall die betroffenen Versorger kontaktiert werden, um bei diesen den rechtlich verbindlichen Nachweis der Lage der Versorgungsleitungen einzuholen.

Welchen Informationsgehalt haben die Daten, die Nutzer aus dem LK ziehen können?

Die Daten zeigen die Sparte, die geografische Lage, alle zugehörigen Bauwerke (z. B. Schächte), den Eigentümer, die Datenstelle der Nachführung und auch alle oberirdisch erkennbaren Objekte, wie Hydranten oder Schieber. Damit bildet der Leitungskataster eine Teilmenge der Werkinformation.

Mittlerweile läuft schweizweit viel zum Thema LK. Wie sieht die Situation momentan in den anderen 24 Kantonen aus?

Die Diskussion ist recht rege. Auf kantonaler Ebene besteht ein grosser Bedarf an einem LK. In 12 Kantonen gibt es derzeit allerdings keine Rechtsgrundlage. Damit unterscheiden sich auch die Diskussionen von Kanton zu Kanton.

Was sind in der Regel die Grundlagen, auf denen die kantonalen Kataster aufgebaut sind bzw. werden?

Detailliert kenne ich nur die Situation in BS und BL. Hier beruhen die Daten inhaltlich auf dem Format LKMap mit jeweils kleinen kantonalen Erweiterungen. Bestehende Verordnungen wurden vor dem Hintergrund der Haftungs- und Verantwortungsfragen aktualisiert. In den beiden Kantonen ist aber auch allen am LK Beteiligten klar, dass die Informationstiefe der WI deutlich grösser ist als die des LK. So wie ich die gegenwärtigen Diskussionen erlebe, gibt es noch viele unterschiedliche Auffassungen dazu, was der LK beinhalten soll.

Was beschreiben diese Grundlagen?

In der Hauptsache beschreiben sie das Format, die Lieferzyklen, Verantwortung und Haftung in der Datennachführung und im Austausch.

Seit 2017 gibt es nun auch Harmonisierungsbestrebungen auf Bundesebene. Derzeit wird geprüft, ob der Aufbau eines nationalen LK (LKCH) sinnvoll wäre. Welches Ziel wird damit verfolgt?

Auf der Basis einer Vorstudie, in der ein Bedarf für einen LKCH abgeleitet wurde, wird momentan untersucht, welchem Zweck ein allfälliger nationaler Kataster dienen soll. Bestehende LK sollen keinesfalls konkurrenziert werden, sondern es soll vielmehr dafür gesorgt werden, dass Regeln für die Zusammenführung zu einem homogenen, schweizweiten LK geschaffen werden.

Welchen zusätzlichen Nutzen könnte solch ein LKCH Ihrer Meinung nach haben?

Sicher kann es nur von Vorteil sein, bei Planungs-, Projektierungs- und Bauvorhaben an einer zentralen Stelle Informationen zu erdverlegten Leitungen aus einer Hand mit einer definierten Qualität zu erhalten. Mit einer solchen Grundlage liesse sich bei den Arbeiten viel einfacher eine gute Qualität erreichen. Ein klares Austauschformat hilft ausserdem, die Daten aus unterschiedlichen Quellen einheitlich zu übernehmen. Prozesse könnten so mit weniger Aufwand gestaltet werden. Und hervorzuheben ist auch, dass durch gute Daten zu den Leitungen und Bauwerken im Untergrund Schäden und Unterbrüche in der Versorgung, die durch Tiefbauarbeiten verursacht werden, vermieden werden können.

Was spricht eher für und was gegen einen LKCH?

Für einen nationalen LK spricht sicher – wie vorgängig bereits erwähnt –, dass dadurch eine Möglichkeit geschaffen wird, schweizweit Informationen zu erdverlegten Leitungen in einem geregelten Format und einer ablesbaren Qualität zu erhalten.

Gegen einen LK auf Bundesebene spricht aber, dass es schon kantonale Lösungen gibt, die Geld für die Realisierung, den Unterhalt und die Weiterentwicklung gekostet haben. Auf keinen Fall dürfen also Doppelspurigkeiten entstehen, die vielleicht sogar noch mit unterschiedliche Qualitäten auf kantonaler und Bundesebene einhergehen. Auch erkenne ich persönlich noch nicht, wie eine Lösung auf Bundesebene aussehen soll. Wird der nationale Kataster ein Adressverzeichnis sein, in dem ich nachsehen kann, an wen ich mich in welchem Kanton für LK-Daten wenden muss? Zweifelsohne müssen Lösungen auf Stufe Bund so entwickelt werden, dass keine weiteren Kosten entstehen, falls Kantone schon Lösungen besitzen. Der Bund wird meines Erachtens auch nicht auf kantonale Stellen, die sich um das Führen eines kantonalen LK kümmern, verzichten können, allein schon um die Aufsicht auf hohem Niveau sicherzustellen. Die Qualität des LK profitiert ja eher vom kleinen Massstab.

Im November 2017 fand ein Workshop zum Thema «nationaler Leitungskataster» statt, an dem Vor- und Nachteile und das mögliche weitere Vorgehen diskutiert wurden. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Workshop?

Das Interesse am Thema ist gross. Dennoch fehlten wichtige Vertreter aus dem Versorgungs- und Bausektor, obwohl die Einladung breit gestreut worden war. Die Meinungen waren sehr heterogen, zum Teil fast diametral entgegengesetzt. Interessant fand ich, dass sich eine vorsichtige Bereitschaft erkennen lässt, gewisse Daten anderen Nutzern zugänglich zu machen. Ein Wandel ist eindeutig spürbar. Die strikte Weigerung, Daten abzugeben, wird seltener. Datenschutz ist dennoch ein wichtiges Thema. Insgesamt hat der Workshop sicher das erreicht, was er wollte. Es liegt eine gute Auslegeordnung vor, mit der die paritätische Arbeitsgruppe LKCH weiterarbeiten kann.

 

Herr Olschewski, der SVGW führte bei seinen Mitgliedern eine Umfrage zum Wissensstand bezüglich Geoinformationsgesetz, LK und weiteren Themen im Bereich GIS durch. Welche Punkte wurden dabei als besonders relevant eingestuft?

Die gemeldeten Themen sind sehr divers und umfassen politische, rechtliche und technische Aspekte, wie:

– Weitergabe von Daten an kantonale oder Bundesstellen

– Haftungsfragen


– Kostentragung für Bereitstellung und Verantwortung für Qualitätspflege der Daten

– technische Fragen zum Datenaustausch

Interessant ist, dass der Kenntnisstand zu den Implikationen der Gesetzesvorgaben stark variiert und auch die Meinungen bei politischen Fragen divergieren. So hatten beispielsweise rund 50% der Befragten eine klar ablehnende Haltung gegenüber der Datenweitergabe an den Bund, während die anderen 50% damit leben können. Diese Ergebnisse zeigten klar, dass in der Branche ein Bedürfnis für eine vertiefte Diskussion von Themen und für die Entwicklung einer Branchenposition besteht.

Wie versucht der SVGW die Bedenken seiner Mitglieder in die Diskussion um den nationalen Leitungskataster einzubringen?

Die Geschäftsstelle ist sich bewusst, dass der Frage der Datenverfügbarkeit und Datensicherheit im Bereich der Versorgung eine immer grössere Bedeutung zukommt. Dabei sind nicht nur mögliche Terrorangriffe zu beachten, sondern auch das Interesse an Daten im Rahmen der Liberalisierung von Märkten.

Der SVGW ist von Beginn in den Arbeiten der paritätischen Kommission zum LKCH durch Michael Berteld vertreten. Damit stellt der SVGW sicher, dass seine Mitglieder rasch und aus erster Hand über die Diskussion in der LKCH-Gruppe informiert werden können. Der SVGW wird seine Mitglieder regelmässig und zielgruppengerecht durch seine Informationskanäle zu diesem und anderen GIS-Themen informieren.

Die SVGW-Arbeitsgruppe «Geoinformationssysteme» (S-AG5) wurde kürzlich wiederbelebt und die Kickoff-Sitzung fand Anfang Jahr statt. Welche Fragen und Arbeiten stehen nun im Zentrum der S-AG5?

Die Diskussion und Positionierung zu den bereits angesprochenen Punkten betreffen wichtige Ziele und Aufgaben der S-AG5 des SVGW. Prioritäres Ziel aber ist die rasche Erarbeitung ganz konkreter, praxistauglicher Produkte, die die Mitglieder in ihrer Arbeit unterstützen. Als erstes steht die Überarbeitung des bestehenden Datenmodells des SVGW für Wasser und Gas an, das den 2. Teil der SVGW-Empfehlung GW1002 bildet. Dieses Datenmodell war zu seiner Entstehungszeit durchaus visionär, muss nun aber angepasst werden, um den morgigen Anforderungen und Bedürfnissen der Werke und Praxis gerecht zu werden. Auf der Basis der neuen Datenmodelle soll dann auch ein praxistaugliches Datenmodell für den Bereich Fernwärme durch den SVGW entwickelt werden. Ausserdem soll die S-AG5 ein Merkblatt erarbeiten, das die Werke bei der Handhabung von Anfragen zu Datenauskünften unterstützen soll.

Was genau ist unter einem solchen Datenmodell zu verstehen?

Das Datenmodell ist eine konzeptionelle Vorgabe, die den Datenaustausch und Auswertung erleichtern soll. Es umfasst logische Strukturvorgaben und basiert auf expliziten Vereinbarungen, Vorgaben und Definitionen. Insbesondere beinhaltet das Datenmodell eine einheitliche Nomenklatur und legt Struktur und Beschreibung von Daten einheitlich fest.

Durch die Definition eines Datenmodells werden die Datenqualität und Kompatibilität verbessert, vereinfacht und vereinheitlicht, dies auch mit dem Ziel, die Daten effizient weiterbearbeiten zu können, u. a. zu Karten oder in anderen Anwendungen wie ERP.

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