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19. November 2019

W-HK-Sitzung vom November

Verabschiedung von Mauro Suà

Mitte November traf sich die Wasser-Hauptkommission, die W-HK, in Olten zu ihrer zweiten Plenarsitzung des Jahres mit diversen Themenschwerpunkten wie Regelwerken, Zertifizierungsreglementen oder einigen biologischen Phänomen. Zudem wurde Mauro Suà von der AMB Bellinzona nach über zwanzig Jahren Tätigkeit aus dem SVGW-Vorstand verabschiedet.

Nach 20 Jahren zieht sich Mauro Suà von der AMB Bellinzona aus dem Vorstand des SVGW zurück und gibt damit auch den Vorsitz der W-HK ab. Direktor Martin Sager dankte ihm im Namen des SVGW für seine lange und engagierte Mitarbeit für den Verband, die auch die Vertretung des SVGW in der italienischen Schweiz sehr positiv mitgeprägt habe. Im Dezember bestimmt der Vorstand den neuen Vorsitzenden der W-HK.

An der WHK behandelt wurden zudem einige Regelwerke, Richtlinien und Empfehlungen:

W3/Ergänzung 3 «Hygiene in Trinkwasserinstallationen»: Die W-HK entspricht dem Antrag der W-UK 7 und gibt die ergänzte Richtlinie zur Vernehmlassung frei. Neu enthält die Ergänzung 3 insbesondere Anforderungen an Warmwasseranlagen zum Schutz vor Legionellen.

W4 «Wasserverteilung»: Die Anpassungen und Aktualisierungen im Rahmen einer kleinen Revision der Richtlinie betreffen namentlich die Themen Wasserverlustmanagement, Erdbebensicherheit, Arbeitssicherheit, Druckprüfung, Dienstbarkeiten, Schweissverbindungen, Be- und Entlüfter, GWP, Korrosionsschutz, Leitungsspülung, Zielnetz, risikobasierte Erneuerung, Restwertbetrachtung, mobile Instandhaltung, Mischwasser, Monitoring, Wasserbezug ab Hydrant und Hygiene.

W6 «Wasserbehälter»: Die W-HK beauftragt die W-UK 3 mit der Aktualisierung der bestehenden Richtlinie aus dem Jahr 2004 und der Bildung einer entsprechenden Arbeitsgruppe. Die W6 soll prozessorientiert entlang der Lebensphase eines Bauwerks aufgebaut und mit zusätzlichen planerischen und technischen Aspekten, u.a. der Zustandsbewertung ergänzt werden.

W9 «Grundwasserbrunnen»: Die W-HK gibt den Entwurf der Richtlinie zur Verabschiedung durch den Vorstand des SVGW frei. Zur Lancierung dieser neuen Richtlinie organisiert der SVGW im März 2020 eine Fachtagung.

W1011 «Muster-GWP»: Die Empfehlung wurde vom SVGW-Vorstand im Juni 2019 in Kraft gesetzt und kann beim SVGW bezogen werden.

W1017 «Rechtsmittel zur Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen im Trinkwasser-Ressourcenschutz»: Die Empfehlung wurde auf März 2019 in Kraft gesetzt und kann beim SVGW bezogen werden.

W1019 «Umgang mit Nutzungskonflikten bei Trinkwasserfassungen»: Die Empfehlung ist in der Vernehmlassung und wird im Frühling 2020 der W-HK zur Diskussion vorgelegt.

W10033 «Auslagerung von Wasserversorgungsaufgaben»: Die Vernehmlassung zu dieser Entscheidungshilfe hat im Herbst 2019 ein breites Interesse der Gemeinden und Kantone geweckt. Die neue Sonderarbeitsgruppe S-AG 8 «Recht und Ökonomie» wird das Dokument nun finalisieren und dabei versuchen, den kantonal unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen.

GW1 und GW101 «Personenzertifizierung»: Für die Revision der GW1 und GW101 wurde eine neue Arbeitsgruppe gebildet.

Anpassung von Zertifizierungsreglementen

Im Weiteren hat die W-HK einige Anpassungen von Zertifizierungsreglementen vorgenommen:

ZW106 «Apparateanschluss- und Eckabsperrventile»: Das Reglement wurde so angepasst, dass nebst den bestehenden Prüfanforderungen die Apparateanschluss- und Eckabsperrventile künftig auch gemäss der DIN-Norm 3227 «Armaturen für Trinkwasseranlagen in Gebäuden - Eckventile - Anforderungen und Prüfungen» zertifiziert werden können.

ZW113 «Apparate und Geräte - Vermeidung von Trinkwasserverschmutzung durch Rückfliessen oder Rückdrücken»: Das Reglement wurde dahingehend verschärft, dass nicht nach Norm konstruierte Apparate, in denen sich radioaktive, mutagene oder kanzerogene Substanzen oder Flüssigkeiten der Kategorie 5 befinden, generell nicht zertifiziert werden.

ZW122 «Auslaufventile mit Schlauchanschluss»: Das Reglement wurde so angepasst, dass die Geräuschpegelmessungen von Auslaufventilen nach ISO-Norm 3822-2 künftig mit dem Durchfluss geprüft werden, der sich bei offenem Ventil bei 0,3 MPa bzw. 0,5 MPa einstellt.

Die W-HK diskutierte zudem einige biologische «Phänomener» bei der Quagga-Muschel und bei den Legionellen: Eine Arbeitsgruppe der W-UK 2 wird eine Fachinformation zur «Quagga-Muschel» (Dreissena rostriformis bugensis) erarbeiten, die aus dem Schwarzen Meer stammt und in Schweizer Seen auf dem Vormarsch ist.

Bei der Vernehmlassung der SIA-Norm 385/1 hält der SVGW zudem an seiner Forderung einer Mindesttemperatur von 60°C in Warmwasserverteilungen im Sinne des vorbeugenden Schutzes gegen Legionellen fest. Diese Forderung deckt sich auch mit den Vorstellungen des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Der Bund will ferner eine Legionellen-Fachgruppe unter Einbezug des Bundesamtes für Energie bilden. Für Forschungsprojekte zu Legionellen soll die Eawag eingebunden werden.

Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern W-UK2, W-UK7, VKCS und Suissetec hat ausserdem mit der Erarbeitung einer Anleitung zur Durchführung der Selbstkontrolle von Trinkwasserinstallationen in Gebäuden begonnen. Die Vernehmlassung des Dokuments ist für Mai 2020 vorgesehen.

Debatte um Interessenvertretung

Aktuell ist eine intensive Debatte um die Belastung des Grundwassers mit Pestiziden und deren Metaboliten, inbesondere beim Chlorothalonil im Gange. Eine Messkampagne des Verbandes der Kantonschemiker in der Schweiz (VKCS) hat im Sommer 2019 die Belastungssituation des Grund- und Trinkwassers v.a. im Mittelland bestätigt. Können betroffene Wasserversorger die Höchstwerte für Trinkwasser nicht innerhalb Monatsfrist einhalten (z.B. durch Aufgabe belasteter Fassungen oder durch Zumischen von weniger belastetem Wasser), sind sie aufgefordert, innerhalb von zwei Jahren Massnahmen zur Einhaltung der Höchstwerte zu treffen.

Die Kommunikation seitens Bund und Kantonen wird von verschiedener Seite als unkoordiniert und die Zeitvorgabe als zu knapp empfunden. Nach Aussagen des Bundesrates soll bis Ende 2019 der Entscheid bezüglich eines Entzugs der Zulassung von Chlorothalonil vorliegen. Derzeit laufen noch Abklärungen der Bundesämter. Nach dem Entscheid ist mit Übergangsfristen bis zum Anwendungsverbot zu rechnen.

In einem Schreiben an den Bundesrat setzt sich der SVGW für Verbesserungen bei der Zulassung und Anwendung von Pestiziden ein: So sollen künftig keine Wirkstoffe mehr zugelassen werden, die Metaboliten im Konzentrationsbereich über 0.1 mg/l freisetzen können, und auf die Unterscheidung relevant / nicht relevant soll verzichtet werden. Im ordentlichen Überprüfungsverfahren setzte sich der SVGW als beschwerdeberechtigte Organisation für einen sofortigen Stopp von Chlorothalonil ein.

AquaPilot und Berufsprüfungen

Das elektronische Tool zur Umsetzung der W 12 «Gute Verfahrenspraxis» (www.svgw.ch/aquapilot) steht in Deutsch und Französisch zur Verfügung und kann beim SVGW bezogen werden. Am 22. November findet in der Wasserversorgung Zürich erneut eine Einführungsschulung statt. Im Unterschied zu ähnlichen elektronischen Hilfsmitteln oder «Tools» ist AquaPilot streng auf die Bedürfnisse von kleineren und mittleren Wasserversorgungen hinsichtlich der Selbstkontrolle fokussiert und ist wesentlich billiger als Konkurrenzprodukte.

Die Revision der Berufsprüfungen «Brunnenmeister» und «Rohrnetzmonteur» kommt gut voran. Eine breit zusammengesetzte Arbeitsgruppe hat sich für eine modulare künftige Prüfungsform für beide Lehrgänge entschieden. Zurzeit werden die Modulbeschreibungen erstellt. Der Entwurf der Prüfungsnorm und die Wegleitung inkl. Modulbeschriebe werden im nächsten Jahr SVGW-intern zur Vernehmlassung gestellt.

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Weiter hat die WHK einige Kommunikationsprojekte behandelt:

PR Award Wasser 2019: Die Preisübergabe an die Gewinner erfolgte an der Jahresversammlung des SVGW am 28. Juni in Lausanne. Der PR-Award soll im 2-Jahresrhythmus fortgeführt werden.

Argumentarium Chlorothalonil: Zusammen mit Fachexperten der Versorgungsunternehmen, der Behörden, Toxikologen und Forschenden wurde das Argumentarium in den folgenden drei Monaten geschärft, erweitert und auch in Italienisch zur Verfügung gestellt. Zudem wurde unter dem oben genannten Link eine «not listed» Website für Wasserversorger eingerichtet mit «Best Practices» von Versorgern, relevanten Medienbeiträgen sowie den Fragerunden und Motionen im Parlament.

Positionspapier «Wald und Wasser»: Auf Anfrage der Zuger Wasserversorger wurde das bestehende Positionspapier «Nachhaltige Waldnutzung – keine pauschalen Abgeltungen durch die Wasserversorger» aufdatiert und bei dieser Gelegenheit auch in Französisch und Italienisch zur Verfügung gestellt.

Wasser-Wordings: Die Wasser-Wordings zu häufig gestellten Fragen (FAQ) und brennenden Themen bei den Wasserversorgern werden in drei Sprachen stetig ergänzt; neu mit Chlorothalonil, Glyphosat, Bisphenol und Nitrosaminen.

Die nächste Sitzung der W-HK findet am 15. Mai 2020 in Olten statt.

 

 

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